Konzert des Posaunenchors: Feierlich, unterhaltsam, fulminant

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 Die Musiker aus Bissingen/Teck gratulierten dem evangelischen Posaunenchor Biberach zu dessen 100-jährigem Bestehen mit fulmina
Die Musiker aus Bissingen/Teck gratulierten dem evangelischen Posaunenchor Biberach zu dessen 100-jährigem Bestehen mit fulminanten Klängen. (Foto: Helmut Schönecker)
Helmut Schönecker

Das Gastkonzert des Posaunenchors Bissingen/Teck zum 100-jährigen Bestehen des Posaunenchores Biberach hat sich in vielerlei Hinsicht als ungewöhnlich erwiesen. Unter der Leitung von Pfarrer Ulrich Müller begeisterte das 20-köpfige Ensemble in der Stadtpfarrkirche St. Martin nicht nur die Jubilare vom evangelischen Posaunenchor Biberach, sondern auch zahlreiche Freunde und musikalisch interessierte Besucher.

Nach einem feierlichen, durch Barockmusik geprägten ersten Programmteil kam nach einer kurzen Pause der mit Verve und sichtlichem Spaß vorgetragene weltlich-unterhaltsame Aspekt der Musik zu seinem Recht. Die Besucher bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus im Stehen bei dem Gastensemble und wurden dafür mit einem Choral von J. S. Bach als Zugabe belohnt.

Obwohl die Posaunen in dem gemischt besetzten Blechbläserensemble in der Minderzahl und um Trompeten, Hörner und Tuben, im zweiten Teil sogar um ein kombiniertes Schlagzeug erweitert waren, sah man sich der Tradition der evangelischen Posaunenchöre nicht nur dem Namen nach verpflichtet. Nach dem berühmten „Trumpet Voluntary“ von Jeremiah Clarke, in sauberer Intonation und mit strahlendem Blechbläserklang zur Eröffnung vorgetragen, erklangen zunächst einige Sätze aus G. F. Händels „Wassermusik“. Die filigraneren und schnelleren Passagen des ursprünglich für eine Aufführung im Freien konzipierten Werks gingen in der mit langem Nachhall gesegneten Akustik des Kirchenraumes leider etwas unter. Dafür erwiesen sich die weiteren, durch launige, witzige, mitunter etwas skurrile, aber immer kurzweilige und amüsante Anmoderationen des Chorleiters eingeführten Barockkompositionen als durchaus geeignet für den Kirchenraum. Hierunter durfte „Soli Deo Gloria“ von J. S. Bach natürlich nicht fehlen.

Nach einer kurzen Umkleidepause, die durch eine Bild-Präsentation über jüngere Aktivitäten aus der Geschichte des Biberacher Posaunenchores animiert wurde, erschien das hochmotivierte Ensemble in flotten schwarzen T-Shirts. Modern gewandet wechselte jetzt auch das musikalische Genre in den Bereich zeitgenössischer, weltlicher Unterhaltungs- und Filmmusik. Cliff Richards’ „Congratulations“ – gewidmet dem Biberacher Posaunenchor zum 100. Geburtstag – eröffneten den zweiten Teil. Als erstaunlich transparent erwiesen sich dabei trotz anspruchsvoller Raumakustik die Arrangements der Filmmusiken von John Williams.

„Smoke on The Water“

Medleys aus „Star Wars“, „Jurassic Park“ oder aus Claude-Michel Schönbergs „Les Misérables“ erklangen in differenzierter dynamischer Abstufung und trotz der relativ kleinen Besetzung in fulminanter Klanglichkeit. Anfängliche Befürchtungen von Pfarrer Ulrich Heinzelmann, dass unter dem feurigen Ansturm von Deep Purples „Smoke on The Water“ die Feuermeldeanlage Alarm auslösen könnte, erwiesen sich als völlig unbegründet. Ein feierlicher Bachchoral über den Psalm 150 beschloss mit dem „Schall des Widderhorns“ ein harmonisches Konzerterlebnis zum Lobe Gottes, ohne dass die heiligen Mauern eingestürzt wären.

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