Kliniken: Wohnortnah geht vor wirtschaftlich

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Schwäbische Zeitung
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Der Kreistag hat die Weichen für die Zukunft der Kliniken gestellt: Neben einer neu zu bauenden Klinik in Biberach will der Kreis in den kommenden zehn Jahren auch seine Kliniken in Riedlingen und Laupheim sichern. Die Klinik in Ochsenhausen soll zu einem ambulant ausgerichteten Gesundheitszentrum umstrukturiert werden. Dies beschloss das Gremium gestern in einer dreistündigen Sitzung mit breiter Mehrheit. Während die Befürworter des Modells vor allem den Stellenwert der wohnortnahen Gesundheitsversorgung betonten, verwiesen die Kritiker der Dreistandortlösung auf deren hohe Kosten. Kreiskämmerer Ralf Miller prognostizierte ein Ansteigen der Kreisumlage um mindestens drei Prozentpunkte und eine Erhöhung der Kreisverschuldung um etwa 80 Millionen Euro. Kompromiss für Flächenlandkreis

Miller bezeichnete das Dreistandort-modell als „Kompromiss für einen Flächenlandkreis“ mit Chancen und Risiken. Landrat Dr. Heiko Schmid sagte, die Dezentralität trage zum sozialen Frieden bei: „Die Menschen im Landkreis erwarten dies von uns.“

In der Aussprache tauschten Befürworter und Kritiker des Dreistandortmodells nochmals die größtenteils bekannten Argumente aus. Für Wolfgang Dahler (CDU) bietet es die Chance, einer immer älter werdenden Bevölkerung die bestmögliche medizinische Versorgung zu geben. Auch Hans Petermann (FWV) stimmte dem zu, wohl wissend, dass man mit dieser und weiteren Entscheidungen das Krankenhauswesen nicht für die Ewigkeit zementieren könne. Zur Erhöhung der Kreisumlage gebe es wohl keine Alternative: „Das muss uns die Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung wert sein.“

Bis zur Vollendung des Neubaus in Biberach werde man auch die Häuser in Riedlingen und Laupheim brauchen, sagte Werner Krug (SPD). Er appellierte allerdings, die finanzielle Realität im Auge zu behalten. Am Schluss sollte eine ambulante Versorgung in Riedlingen und Laupheim stehen. Darauf hob auch Elmar Braun (ÖGB) ab. Der Kreis könne nicht ständig Leistungen bezahlen, die von der großen Politik versprochen, aber nicht finanziert würden. Außerdem spreche die medizinische und personelle Entwicklung gegen die Attraktivität kleiner Klinikstandorte.

Wie sehr die Meinungen innerhalb der Fraktionen auseinandergingen, zeigte sich am Beitrag von Günther Matheis (CDU). Er habe den Eindruck, dass bei der Entscheidung lokale Interessen über denen des Landkreises stünden. Und Hans-Georg Maier (CDU) warf der Verwaltung vor, den Kreistag im Vorfeld nicht ausreichend über die Möglichkeit einer privaten Trägerschaft informiert zu haben.

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