Kapital und Kabarett bei Sand im Getriebe

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Gabriele Widmann von der Deka-Band berichtete in Biberach über Kapitalanlage in Zeiten von Trump, Brexit und niedrigen Zinsen.
Gabriele Widmann von der Deka-Band berichtete in Biberach über Kapitalanlage in Zeiten von Trump, Brexit und niedrigen Zinsen. (Foto: Josef Aßfalg)
Josef Aßfalg

Bei der Veranstaltung „Kapital und Kabarett“ in der Kundenhalle der Kreissparkasse Biberach hat die Volkswirtin Gabriele Widmann von der Deka-Bank Frankfurt in einem Vortrag über den Vermögensaufbau in Krisen und Unsicherheiten referiert.

„Mit niedrigen Zinsen müssen wir noch eine Zeit lang leben“, prognostizierte die Referentin. „Überall ist Sand im Getriebe“ und die Notenbanken seien vorsichtiger geworden, resümierte Gabriele Widmann. Als Beispiel nannte sie den Handelsstreit der USA, den Brexit und die Abschwächung des Weltwirtschaftswachstums. Durch die Zündeleien von Trump brächten die USA als Weltwirtschaftsmacht Nummer eins viel Unruhe in die Märkte. China sei ein wichtiger Handelspartner in der Welt. „Und wenn China durch den Handelskonflikt in die Knie geht“, dann leide auch die deutsche Wirtschaft darunter. Dennoch geht sie davon aus, dass sich die USA einem Abkommen mit China annähern. „Die Sorgen um einen eskalierenden globalen Handelskonflikt dürften dann nachlassen.“ Der Austritt der Briten aus der EU dürfte sich hinziehen und werde schwierig, „aber die Gefahr eines harten Brexit hat abgenommen“, so Widmann.

Insgesamt erwarte sie, dass die gesunkenen Stimmungsindikatoren in der Breite ihren Boden finden und die Abwärtsrevisionen bei den Konjunkturprognosen sowie die Gewinneinschätzungen bei den Unternehmen ein Ende finden. „Das Wachstum der Weltwirtschaft wird moderater“, bleibe aber robust. Der Aufschwung werde getragen von einer soliden Binnenkonjunktur in vielen Volkswirtschaften, blickte Widmann voraus.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Präsident Draghi beschäftigten sich damit, die Leitzinsen noch einige Zeit auf dem derzeitigen Niveau zu belassen. „Wir gehen davon aus, dass die EZB den Einlagenzinssatz erst im Herbst 2020 anheben wird“, sagte die Volkswirtin. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen dürfte sich in nächster Zeit daher nur knapp über null bewegen. „Höhere Zinsen bekommen Sie bei Anlagen in italienischen oder venezolanischen Papieren“, sagte Gabriele Widmann augenzwinkernd und verwies auf das höhere Risiko.

„Das Girokonto ist geduldig“, ein Viertel des Geldvermögens liege auf dem Girokonto, wusste die Referentin. Widmann zeigte die Entwicklung verschiedener Anlageklassen wie Aktien, Renten und Immobilien der vergangenen zehn Jahre auf.

Unter dem Beifall der rund 260 Besucher dankte Regionaldirektor Steffen Mayer der Referentin mit einem Blumenpräsent „für Ihren spannenden Vortrag“.

Mit Wortwitz und „Weisheit“ unterhielt anschließend Kabarettist Eckhard Grauer als „Leibssle“ die Gäste. Er erzählte unter anderem von den Gefahren im Kreisverkehr und stellte immer wieder fest: „Solange ich die Wahrheit nicht kenne, kann ich nicht irren.“

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