Kabarettist stellt festgefahrene Bilder infrage

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Alle freuen sich über eine gelungene Veranstaltung (von links): Susanne Mühlbayer-Grundler, Rainer Schmidt, Heike Scharfe und Wo
Alle freuen sich über eine gelungene Veranstaltung (von links): Susanne Mühlbayer-Grundler, Rainer Schmidt, Heike Scharfe und Wolf-Dieter Korek. (Foto: inge VEIL-KOEBERLE)
Schwäbische Zeitung

Rainer Schmidt, evangelischer Pfarrer, Kabarettist und ehemaliger Leistungssportler ist vergangene Woche vor 160 Zuhörern in der neuen Aula des Bischof-Sproll-Bildungszentrums (BSBZ) in Rißegg gegen klischeehafte Bilder in den Köpfen zu Felde gezogen. Vor 54 Jahren erblickte der kleine Rainer in einem 450-Seelen-Dorf im Bergischen Land das Licht der Welt. Der Schock für seine damalige Umgebung: Er hatte keine Unterarme und einen verkürzten Oberschenkel.

In seinem Vortrag erzählt Schmidt als der „unbetroffenste Betroffene“ mit viel Humor, auch schwarzem, seinen Weg in ein glückliches Leben, in dem Differenz als Gewinn und Bereicherung erscheinen: „Danke lieber Gott, dass ich nicht so langweilig aussehe wie mein Publikum.“ „Du musst die Sachen selbst in die Hand nehmen“ lautet sein selbstironisches Motto, sich durch Widrigkeiten, die auftauchen, vom Fingerfood-Büfett bis zur Sprossenwand, nicht entmutigen zu lassen.

Neben den vielen Lachern, mit denen Schmidt sein Publikum löst und für sich gewinnt, streut er immer wieder anrührende biografische Begebenheiten ein. Da ist seine geliebte „Ommma“ („Handwerker wird der nicht“), die gleichzeitig links melken und rechts Streuselkuchen backen kann, oder der Gymnasialdirektor, der nachfragt: „Was müssen wir tun, dass du hier zur Schule gehen kannst?“ An dieser Stelle ruft Schmidt zu mehr Mut bei der Inklusion in Schule und Gesellschaft auf.

Differenziertes Lernen, individuelle Leistungsnormen und vor allem Herzens- und Gedankenbildung sind für ihn Anliegen und Ziele einer Schulentwicklung, die allen ihren Schülern das Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt. Eine Geschichte des mehrfachen Welt- und Europameisters, Medaillengewinners bei den Paralympics, erfuhr der sportbegeisterte junge Rainer bei seinem ersten Tischtennisverein. Nach einem Monat wurde ihm im Kreis seiner Spielkameraden das Vereinstrikot angezogen, ein unvergessliches Erlebnis und Ausweis nun dazuzugehören. Solche Gesten stärken und machen glücklich. Erfolgserlebnisse und Bindungserlebnisse führen zu Motivation bei allen Menschen, ob mit oder ohne Handicap.

Dem Referenten, Coach, Buchautor und Fortbildner Rainer Schmidt ist dabei klar, dass er bei seinen Mitmenschen oft Unsicherheiten und bemühte Reaktionen hervorruft. Mit Humor und Forschheit stellt er die festgefahrenen Bilder in den Köpfen der Mitmenschen infrage, weil niemand diesen Bildern entspricht. Als Christ und Pfarrer schöpft er seinen Optimismus und seine Lebensfreude auch aus der Gewissheit seiner Gotteskindschaft. „Gott steht auf der Seite der Kleinen und Benachteiligten“, zeigt sich Schmidt überzeugt. Nach mehr als zwei Stunden entlässt der eloquente Redner und Bilderstürmer eine nachdenkliche und frohgemute Zuhörerschar in eine Welt, in der „jeder Mensch als Bereicherung und nicht als Schaden“ betrachtet werden sollte.

Rainer Schmidt ist übrigens Autor des Buchs „Lieber Arm ab als arm dran“.

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