Jeder dritte Betrieb möchte erweitern

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Biberacher Betriebe klagen über Fachkräftemangel
Würden sie ihren Wirtschaftsstandort anderen Unternehmen empfehlen? 85 Prozent der IHK-Mitgliedsbetriebe in Biberach beantworten diese Frage mit „Ja“. Ein leicht überdurchschnittlich gutes Ergebnis in der IHK-Region Ulm - und dennoch gibt es auch in Biberach noch manche Baustelle. Wichtigstes Thema: der Fachkräftemangel.
Schwäbische Zeitung

Wie gut die Region Biberach im nationalen Vergleich da steht, machte Oberbürgermeister Norbert Zeidler zu Beginn der Veranstaltung anhand mehrerer Zahlen deutlich. So rangiert der Kreis im Focus-Money-Ranking bei der Wirtschaftskraft auf Platz sechs, in Sachen Bruttowertschöpfung je Einwohner reichte es für einen siebten Platz. Auch bei der Geburtenrate mit 1,67 Kindern pro Frau liegt der Kreis über Landesdurchschnitt. Zeidler: „Ich verwende diese Zahl gerne, um zu zeigen, dass wir auch anderer Stelle unsere Hausaufgaben machen.“ Für ihn ist die gute Geburtenrate ein Zeichen dafür, dass bei der Kinderbetreuung und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht alles verkehrt läuft. Auch Friedrich Kolesch, IHK-Vizepräsident und CDU-Gemeinderat, hob die Vorzüge vor: „Unsere Region ist die wachstumsstärkste innerhalb der 79 IHK-Regionen in Deutschland.“ Beim Bruttoinlandsprodukt erreiche man einen „sensationellen Wert“, was alles andere als normal sei. „Der ländliche Raum ist im Vergleich zu Großstädten abgeschlagen. Wir dagegen liegen nur knapp hinter Stuttgart“, so Kolesch. Trotzdem brauche es Standortumfragen wie die der IHK, um sich weiterhin zu verbessern. (häf)

Der Fachkräftemangel und fehlende Flächen belasten die Unternehmen in Biberach zunehmend. Das sind zwei zentrale Ergebnisse der Standortumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm, die am Montagabend im Rathaus vorgestellt wurde. Trotzdem sind die Betriebe sehr zufrieden mit den Rahmenbedingungen. „Wir haben gute Zahlen, weil wir uns nie mit dem Ist-Zustand zufrieden gegeben haben“, appellierte der IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle an die Gäste aus Politik und Wirtschaft, sich auf den Lorbeeren nicht auszuruhen.

85 Prozent der befragten IHK-Mitgliedsbetriebe würden ihren Standort in Biberach anderen Unternehmen empfehlen. Das ist ein überdurchschnittlich guter Wert mit Blick auf die Zahlen für den Landkreis (76 Prozent) und die IHK-Region Ulm (82 Prozent). Zur IHK-Region Ulm zählen der Kreis Biberach, der Alb-Donau-Kreis und der Stadtkreis Ulm. „Ich glaube, die Weiterempfehlung könnte für Biberach noch wachsen, wenn es neue Gewerbeflächen gibt“, sagte Sälzle. Er stellte mit Sven Pflüger, Leiter Standortpolitik bei der Kammer, die Ergebnisse der Umfrage vor. Stärken sind demnach die Versorgungssicherheit mit Strom, das positive Image der Region, Sport und Freizeitmöglichkeiten, Einkaufsmöglichkeiten sowie die medizinische Versorgung.

Boom befeuert Flächenbedarf

Gewerbeflächen beziehungsweise die Kosten für Gewerbeimmobilien sind dagegen eine der Punkte, mit denen die hiesigen Betriebe weniger zufrieden sind. Bei der Frage nach der Zufriedenheit bei der Verfügbarkeit von geeigneten Gewerbeflächen belegt Biberach einen der letzteren Plätze im Vergleich mit anderen Kommunen im Bezirk des Regierungspräsidiums Tübingen. Wie Pflüger erläuterte, seien Flächen knapp: „Der Boom hat den Flächenbedarf befeuert.“ Laut ihm ist nicht zu erwarten, dass sich dieser Trend umkehrt: „Ein Drittel der Biberacher Unternehmen plant, in den nächsten drei Jahren flächenmäßig vor Ort zu expandieren.“ OB Norbert Zeidler erläuterte eingangs, dass Gemeinderat und Verwaltung die Ausweisung neuer Flächen vorantreiben. Die Mittelbiberacher Steige, den Flugplatz und das interkommunale Industriegebiet Rißtal nannte er hierbei.

Handlungsbedarf sehen die Unternehmer darüber hinaus bei den Strompreisen, der Breitbandversorgung und dem bezahlbaren Wohnraum. „Die Zufriedenheit bei bezahlbarem Wohnraum hat sich deutlich verschlechtert“, so Pflüger. Schätzungen gingen davon aus, dass bis 2030 zwischen 835 und 3200 Menschen mehr in Biberach leben könnten: „Vorausgesetzt es gibt genügend Wohnraum.“ Sälzle lobte die Stadt für ihre Bemühungen, in den neuen Baugebieten Hauderboschen und Rindenmoos auch Geschosswohnungsbau zu ermöglichen. „Je mehr Wohnungen geschaffen werden, desto mehr entspannt sich der Markt“, so der Hauptgeschäftsführer. Allein mit dem Bau von Einfamilienhäuser sei das Problem nicht zu bewältigen. Der angespannte Immobilienmarkt beschäftigt derzeit viele in der Region, wie auch bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse in Ochsenhausen vor knapp vier Wochen deutlich wurde (SZ berichtete).

Partnerschaften sollen helfen

Ähnlich wie in der Rottumstadt klagen auch die Biberacher Unternehmen zunehmend über den Fachkräftemangel. „Bis 2030 fehlen in der IHK-Region Ulm 14 500 Fachkräfte“, so Sälzle. Nur zehn Prozent davon seien Akademiker. „Überwiegend fehlen Nichtakademiker wie Meister, Techniker oder Fachwirte.“ Die Kammer versucht dieser Entwicklung mit Programmen wie Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Wirtschaft, Kompetenz-Checks oder Jugendbegleitern entgegenzuwirken. Sälzle: „Unsere Maßnahmen zielen darauf ab, dass junge Leute und deren Eltern den für sie richtigen beruflichen Weg finden und ihr Potenziale realistisch einschätzen.“

Wie gut die Region Biberach im nationalen Vergleich da steht, machte Oberbürgermeister Norbert Zeidler zu Beginn der Veranstaltung anhand mehrerer Zahlen deutlich. So rangiert der Kreis im Focus-Money-Ranking bei der Wirtschaftskraft auf Platz sechs, in Sachen Bruttowertschöpfung je Einwohner reichte es für einen siebten Platz. Auch bei der Geburtenrate mit 1,67 Kindern pro Frau liegt der Kreis über Landesdurchschnitt. Zeidler: „Ich verwende diese Zahl gerne, um zu zeigen, dass wir auch anderer Stelle unsere Hausaufgaben machen.“ Für ihn ist die gute Geburtenrate ein Zeichen dafür, dass bei der Kinderbetreuung und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht alles verkehrt läuft. Auch Friedrich Kolesch, IHK-Vizepräsident und CDU-Gemeinderat, hob die Vorzüge vor: „Unsere Region ist die wachstumsstärkste innerhalb der 79 IHK-Regionen in Deutschland.“ Beim Bruttoinlandsprodukt erreiche man einen „sensationellen Wert“, was alles andere als normal sei. „Der ländliche Raum ist im Vergleich zu Großstädten abgeschlagen. Wir dagegen liegen nur knapp hinter Stuttgart“, so Kolesch. Trotzdem brauche es Standortumfragen wie die der IHK, um sich weiterhin zu verbessern. (häf)

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