Jazz Quintett in glänzender Spiellaune

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 Die französische Sängerin Valérie Graschaire lieferte sich Improvisationsduelle mit Bassist Rosario Bonaccorso.
Die französische Sängerin Valérie Graschaire lieferte sich Improvisationsduelle mit Bassist Rosario Bonaccorso. (Foto: Helmut Schönecker)
Schwäbische Zeitung

Der Kißlegger Pianist Lothar Kraft hat ohne Zweifel ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Mitspieler im „International Jazz Quintet“ bewiesen. Bestens aufgelegt trumpfte die fünfköpfige, musikalische Dreiländer-Mixtur aus dem Kißlegger „Studio5“ beim Freitagskonzert im Jazzkeller mit souverän dargebotenen eingängig lockeren Melodien aus der Swing-Ära der 1930er- und 1940er-Jahre auf.

Die Musicalaltmeister George Gershwin und Cole Porter lieferten mit Ohrwürmern wie „Summertime“ oder „Night and Day“ die melodisch-harmonischen Vorlagen für ein frisches und unterhaltsames Improvisationsfestival des Modern Swing, aus dem vor allem Sängerin Valérie Graschaire durch meisterlichen Scat-Gesang herausragte.

Valérie Graschaire steht im Mittelpunkt

Regelrechte Improvisationsduelle gab es zwischen Graschaire und dem italienischen Ausnahmebassisten Rosario Bonaccorso. Bonaccorso begleitete seine rasanten Bassläufe mit seiner Singstimme und lieferte so den witzig-spritzigen Widerpart zu den hochvirtuosen Scat-Passagen der Sängerin. Singen ohne Worte macht den Jazzgesang zum vollwertigen Improvisationspartner der beteiligten Instrumentalisten. Aber auch bei den traditionellen Aufgaben der Sängerin, einer Vorstellung der originalen Melodien über die dann anschließend improvisiert wird, wusste die glamourös gewandete Graschaire zu überzeugen. Hoch expressiv und wandlungsfähig, mit sicher nuancierter Intonation stand die Diva nicht nur optisch im Mittelpunkt des Geschehens. Ihre selbstbewussten Mitakteure ließen sich dadurch jedoch keineswegs zu Statisten degradieren.

Der Initiator und servile Begleiter Lothar Kraft am Kawaiflügel und der Ehemann der Sängerin, Franck Agulhon, gefragter Studiomusiker und international tätiger Sideman lieferten eine pulsierend quirlige Begleitung, aus der sie aber umso eindrucksvoller gelegentlich auch solistisch hervortraten.

Der italienische Kontrabassist Bonaccorso komplettierte die „Begleitband“, zu der als fünfter im Bunde der französische Tenorsaxophonist Damien Prud’homme als melodischer Gegenpart zur Sängerin hinzukam. Zwischen seinen Stationen beim Tokio-Jazzfestival, bei Jazzfestivals in Taiwan und Metz, der Beteiligung am Broadwaymusical „The Adams Family“ und der Pariser Produktion von „Chicago“ fand er die Zeit zu einem Abstecher nach Oberschwaben. In überlegener Abgeklärtheit fand er stets das richtige Maß auf seinem künstlerischen Weg abseits der ausgetretenen Pfade. Seine Improvisationen atmeten neben ihrer stiltypischen Charakteristik und dem völligen Fehlen effekthascherischer Elemente eine individuelle Natürlichkeit. Diese forderte vielleicht gerade deswegen immer wieder Sonderapplaus und am Ende natürlich auch noch eine Zugabe heraus.

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