In Schülern den Unternehmergeist wecken

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 Jury, Gewinnerteam und der betreuende Lehrer freuen sich gemeinsam: (v. l.) Josef Ege, Evelyn Schmucker, Robin Göpper, Tobias W
Jury, Gewinnerteam und der betreuende Lehrer freuen sich gemeinsam: (v. l.) Josef Ege, Evelyn Schmucker, Robin Göpper, Tobias Welti, Edwin Daitche, Ralph Lange und Jens Hoffmann. (Foto: Jannick Nessensohn)
Jannick Nessensohn

Kleidung aus Ozeanmüll, Wohnen im Schiffscontainer oder ein Lieferdienst als Resozialisierungsprogramm – im Wieland-Gymnasium (WG) sind am Montagnachmittag drei Schüler für ihre Geschäftsidee ausgezeichnet worden. Insgesamt 33 Schüler der Klassen 11 und 12 nahmen an dem Projekttag „Start-Up Baden-Württemberg“ teil. „Ich bin immer wieder beeindruckt, dass die Schüler es schaffen, so schnell eine innovative und runde Geschäftsidee zu entwickeln“, sagt Sophia Lindner. Sie ist eine der insgesamt vier Projektbetreuer.

„Zuerst sollten die Schüler ein Problem suchen, dass sie aus ihrem Alltag kennen. Danach begleiten wir sie dabei, die Lösung dieses Problems zu erarbeiten und wie sie das Produkt dahinter vermarkten können.“, erklärt Sophia Lindner. Dazu hätten sie den Schülern ein anerkanntes Schema an die Hand gegeben. Hinter diesem verberge sich eine Übersicht mit Fragen rund um Marketing und Wirtschaftlichkeit eines Produkts.

Eines der insgesamt neun Teams widmete sich dem Problem, wie man am schnellsten die beste Party der Stadt findet. Dazu entwickelten die Schüler die Idee einer App, mit der man nicht nur die Veranstaltung findet, sondern vor Ort auch noch bequem bezahlen kann.

Die Schüler haben sich auch vielen großen Fragen gestellt. Zum Beispiel, wie man den im Ozean treibenden Plastikmüll verwerten, oder die Wohnungsnot durch „Compartments“, also Appartements in umgebauten Schiffscontainern, lindern könnte. Das Team um „Fafufoo“ hat sich das Ziel gesetzt, einen fairen Lieferdienst auf den Markt zu bringen. Regionales und gesundes Essen soll es geben, und die Fahrradkuriere sollen Menschen sein, die in Resozialisierungsprogrammen oder benachteiligt sind. Passend dazu gab es von einer anderen Gruppe die Idee von diebstahlsicheren Fahrradparkplätzen.

„Meistens sind die Ideen der Schüler auch nachhaltig orientiert. Es sind oft die großen Fragen unserer Gesellschaft, für die sie Lösungen suchen“, sagt Lindner: „Jeweils das Gewinnerteam der Schule kommt in die nächste Runde. Dort trifft es auf die Sieger der anderen lokalen Runden.“ In der letzten Runde bestehe die Chance, das entwickelte Geschäftsmodell vor Investoren vorzutragen.

Am späten Nachmittag wurden die Sieger des Tages bekannt gegeben. Die drei Schüler der Klasse 11 gewannen mit ihrem Geschäftsmodell zur intelligenten Haltung und Vermehrung von Bienenvölkern. Das Team ist somit in der nächsten Runde. „Ziel ist der Bau intelligenter Bienenkästen und robuste Bienenvölker in dafür entworfenen Bienenhäusern zu vermehren“, sagt Tobias Welti.

Das Förderprojekt vom Steinbeis-Innovationszentrum gibt es seit dem vergangenen Jahr und soll junge Menschen den Weg ins Unternehmerdasein erleichtern. Das an mehreren Schulen veranstaltete Projekt läuft in Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg. Jens Hoffmann ist einer der Wirtschaftslehrer der Schule, für ihn stellt die Veranstaltungen eine super Ergänzung zum Lehrplan dar. Projekttage wie diese seien gut, um sich tiefer gehend mit einem Thema auseinanderzusetzen: „So ein komplexes Thema schafft man nicht in 45 Minuten“. In den vergangenen zehn Jahren habe man im Landesministerium erkannt, wie wichtig und erfolgreich die Förderung im Bereich Unternehmensgründung sei, sagt Hoffmann. Die Schule blicke auch auf erfolgreiche Beispiele zurück, so sei ein ehemaliger WG-Schüler Mitbegründer von Zalando.

Tom Ellinger, ebenfalls aus der elften Klasse, hat mit seinem Team „Kleidung aus Ozeanplastik“ den ersten Platz knapp verpasst. Für ihn habe der Tag trotzdem viel gebracht: „Ich habe gelernt, was man für ein funktionierendes Geschäftsmodell braucht und wie man seine Idee entwickelt.“ Für sein Team sei es wichtig gewesen, dass ihre Geschäftsidee einen nachhaltigen Charakter hat. Es habe etwas Innovatives und nichts Langweiliges sein sollen und das nicht nur zwecks modern grünem Anstrich, sondern auch aus dem Gewissen heraus. Sein Teamkollege Atash Hauschild meint abschließend: „Nach dem Tag weiß ich, dass ich gern einmal selbstständig wäre. Mit welcher Idee genau, weiß ich noch nicht. Dafür weiß ich jetzt, wie ich eine entwickeln kann .“

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