Im Biberacher Winter strahlt es sommerlich

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Irrungen und Wirrungen im Zauberwald.
Irrungen und Wirrungen im Zauberwald. (Foto: Günter Vogel)

William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ hat die Theater-AG des Wieland-Gymnasiums inszeniert.

Die Komödie „A Midsommer Night’s Dream“ spielt an drei Tagen und Nächten im antiken Athen und in einem an die Stadt angrenzenden verzauberten Wald, handelt von den Umständen der Hochzeit eines Herrscherpaares. Das Werk wurde 1596 geschrieben, gehört zu den meistgespielten Stücken des Dichters. Die TheaterAG „unZensiert“ des Wieland-Gymnasiums präsentierte die Komödie unter Leitung von Corinna Palm in der Aula.

Am antiken Hofe von Athen fiebern Herzog Theseus und Hippolyta, Königin der Amazonen, ihrer Hochzeit entgegen. Hermia, Lysander, Helena, Demetrius sind irgendwie alle ineinander verliebt oder auch nicht. Oberon und Titania, König und Königin der Elfen, liefern sich einen Sorgerechtsstreit um ein Kind, das nicht ihres ist. Die talentfreien Handwerker Squenz, Schnock, Zettel, Flaut, Schnauz und Schlucker proben im Wald nahe Athen mit Hingabe ihr Theaterstück für die Hochzeit des Herrscherpaares.

Im verzauberten Wald treffen die beiden jungen Paare mit ihren ständig wechselnden Liebesgefühlen und auch die amateurschauspielernden Handwerker auf Feen und Elfen, werden in den Ehestreit von Oberon und Titania einbezogen. Puck ist gleichsam der Hofnarr Oberons, fliegt auf dessen Befehl in wenigen Minuten um die Welt, beschafft die Zauberblume, mit deren Saft Oberon seine Frau Titania arglistig dazu bringt, sich in einen Menschen mit Eselskopf zu verlieben, den von Puck verzauberten Zettel.

Zwischen den Spielebenen schwirren Trolle, Elfen und andere magische Waldwesen umher, verzaubern jeden, der ihnen über den Weg läuft. Puck mit seiner Zauberblume führt sie an. Das Werk spielt irgendwann im Frühsommer.

Die Rollen werden von zwölf Schülerinnen und vier Schülern gespielt. Das führte halt dazu, dass auch Männerrollen wie Theseus, Oberon und der Puck weiblich besetzt waren. Und die jungen Damen spielten souverän mit Charme und Gefühlspräsenz über den Geschlechtertausch hinweg. Den alten Egeus gab der Jüngste des Ensembles. Die Macher hatten eine abwechslungsreiche Musik vorgesehen. Man hörte Klänge aus Prokowjews Ballett „Romeo und Julia“, die Beethoven-Schiller-Hymne aus der Neunten, Jazz, Beat, Klavier und Schlagzeug mit Gesang des Puck. Der Kinderchor sang Lieder wie „Der Mond ist aufgegangen.“

Die Regisseurin hatte eine große Spielfläche eingerichtet. Neben der Bühne wurde der Mittelraum der Aula bespielt, was schnelle und spannende Szenenwechsel ermöglichte. Vielfältige Kostüme verstärkten das optisch abwechslungsreiche Bild. Großprojektionen des Waldes schufen Naturatmosphäre.

Die Schüler interpretierten die Worte Shakespeares in der 1762 in Biberach entstandenen Übersetzung Wielands auf ihre ganz eigene Art und Weise, locker und unterhaltsam.

Bei der Premiere gab es einen kurzen Zwischenfall: Mitten im Spiel ging der Feueralarm mit entsprechender Durchsage los. Die Feuerwehr war binnen weniger Minuten vor Ort, stellte einen technischen Fehler fest und schaltete den Alarm ab. Nach kurzer Zeit konnte das Spiel weiter gehen.

Corinna Palm hat großartige künstlerische Arbeit geleistet, die Schüler an den Genius Shakespeare heranzuführen. In ihrem Schlusswort gab die Regisseurin bekannt, dass nach 13 Jahren künstlerischer Tätigkeit für das Wieland-Gymnasium der „Sommernachtstraum“ ihr Abschied von diesem Hause war. Für die gelungene Inszenierung dankte das Publikum Corinna Palm, den Darstellern und allen anderen Beteiligten mit großem Beifall.

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