IGI-Entscheidung sorgt für Erleichterung, aber auch Enttäuschung

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Die Unternehmensgruppe Handtmann braucht Flächen im geplanten IGI für ihre Erweiterungspläne am Standort Biberach.
Die Unternehmensgruppe Handtmann braucht Flächen im geplanten IGI für ihre Erweiterungspläne am Standort Biberach. (Foto: Firma Handtmann)
Redaktionsleiter

Zufriedenheit auf der einen Seite, Enttäuschung auf der anderen. Während die Bürgermeister der Gemeinden des Zweckverbands und die Firma Handtmann die Entscheidung des RP zum IGIRißtal begrüßen, gibt es Kritik seitens der Bürgerinitiative (BI) „Schutzgemeinschaft Rißtal“.

„Aus meiner Sicht ist es verantwortungslos, das einfach so abzusegnen“, sagt BI-Vorsitzender Alfred Schlanser. Er habe die Vermutung, dass das Ergebnis des Zielabweichungsverfahrens schon länger festgestanden habe und weitere Arbeiten zu Umsetzung bereits geplant seien. „Es gab ja auch schon Bohrungen.“ Die BI werde die Begründung des RP nun genau studieren und nach Stellen suchen, wo sie den Hebel ansetzen könne. Ein Punkt ist aus Schlansers Sicht der Eingemeindungsvertrag von Höfen nach Warthausen. Dort sei festgeschrieben, dass das Rißtal für Landwirtschaft und Naherholung in seinem Zustand belassen werden müsse, sagt er.

„Wir hatten die Hoffnung, dass das RP so entscheidet“, sagt der Biberacher Baubürgermeister Christian Kuhlmann. Er freue sich, dass man in Tübingen der Argumentation des Zweckverbands gefolgt sei. Kuhlmann verweist jedoch darauf, dass der Bescheid des RP in den nächsten vier Wochen noch beklagt werden könne. „Diese Zeit werden wir sicher abwarten, bevor wir mit kostenintensiven Maßnahmen beginnen.“ Sobald Rechtssicherheit herrsche, gehe es an die Aufstellung des Bebauungsplans. „Dabei wird auch die Öffentlichkeit beteiligt“, so Kuhlmann.

„Mit dem Ergebnis bin ich im ersten Moment zufrieden. Es ist auch das, was wir als beteiligte Gemeinden wollten“, sagt Schemmerhofens Bürgermeister Mario Glaser. Es sei ein großer Schritt in Richtung IGI, aber noch keine endgültige Entscheidung. Die Akteure hätten zwar relativ lange auf den Bescheid warten müssen, aber in Anbetracht der Dimension des Projekts hält er den Zeitraum für vertretbar: „Gut Ding will Weile haben.“ Schließlich soll auch alles „wasserdicht“ sein. Den Gemeinderat hat Glaser bereits in einer nichtöffentlich Sitzung informiert, das Gremium habe das „Ja“ positiv aufgenommen.

Zufrieden zeigte sich auch Maselheims Bürgermeister Elmar Braun: „Wir haben offensichtlich alles erschöpfend bearbeitet.“ Der Ausgang des Verfahrens bestärke ihn in seiner Argumentation, die Flächen für das IGI würden schon jetzt industriell genutzt: „Sie dienen bisher der industriellen Landwirtschaft.“ Zwar könne man die Versiegelung von weiteren Flächen grundsätzlich ablehnen, das gefährde aber auf lange Sicht den Wohlstand der Menschen. „Es geht um die Erweiterung eines bodenständigen Betriebs und die Arbeitsplätze der Bürger“, erläutert Braun. Jetzt gehe es darum, Details wie den ökologischen Ausgleich oder die Einbindung des Gebiets in die Landschaft zu klären.

„Wir haben jetzt die Zulassung, auf dem Gebiet weiter zu planen“, sagt Warthausens Bürgermeister Wolfgang Jautz. „Als nächstes müssen wir uns innerhalb des Zweckverbands Gedanken machen, wie wir uns weiter aufstellen.“ Das betreffe unter anderem die Änderung des Flächennutzungsplans, ohne die das Projekt nicht umsetzbar ist. Ob die Wartezeit auf den Bescheid des RP zu lange war, möchte er nicht bewerten. „Ich betrachte das aus zwei Blickwinkeln“, so Jautz. Einerseits gebe es einen dringenden Bedarf für das Industriegebiet, andererseits beanspruche ein solch aufwendiges Genehmigungsverfahren eben einen längeren Zeitraum.

Auch die Biberacher Unternehmensgruppe Handtmann begrüßt die Entscheidung. „Damit hat das Verfahren eine weitere Hürde genommen“, sagt Jörg Hochhausen, Geschäftsführer der Handtmann Service. „Uns ist jedoch klar, dass damit noch nichts entschieden ist und noch zahlreiche weitere Schritte im Lauf des Verfahrens anstehen. Nun wird der gesetzlich vorgeschriebene Prozess der Planung und Bürgerbeteiligung fortgesetzt.“

Im IGI Rißtal möchte Handtmann Werkshallen bauen, in denen neue Aufträge, beispielsweise aus der Elektroautomobilindustrie, bearbeitet werden können. Es handelt sich dabei um die mechanische Montage und Bearbeitung von Bauteilen. Eine Leichtmetallgießerei sei dort derzeit nicht geplant. Bis dahin muss Handtmann kommende Aufträge an anderen europäischen Standorten bearbeiten. Man bevorzuge aber einen Standort in der Region. „Es ist einfacher, das Know-how in Biberach weiterzuentwickeln. Zudem sind wir als Familie und Unternehmensgruppe der Belegschaft und der Region verbunden“, so Thomas Handtmann, Geschäftsführer der Handtmann Holding.

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