Hightechschnuller und neue Maultaschen

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Studenten der Hochschulen Biberach, Ulm und der Universität Ulm haben gemeinsam an der Gründergarage teilgenommen.
Studenten der Hochschulen Biberach, Ulm und der Universität Ulm haben gemeinsam an der Gründergarage teilgenommen. (Foto: HBC)
Schwäbische Zeitung

Ob Hightech-Gadget, App oder nachhaltiges Lebensmittelkonzept: Die Ideen der studentischen Gründer sind vielfältig. Sie reichen vom Hightechschnuller, der die Gesundheit des Kindes im Auge behält, über die Onlineplattform „Senio“, die Senioren verbindet und Einsamkeit vorbeugen hilft, bis zu „Fresh Täsh“, der Maultasche, die Lebensmittel mit Schönheitsfehlern rettet.

Entwickelt und ausgearbeitet werden die Ideen in der Gründergarage, einem hochschulübergreifenden Lehrformat im Projekt „Accelerate!SÜD“, das die Hochschule Biberach (HBC) gemeinsam mit der Technischen Hochschule Ulm sowie der Universität Ulm anbietet. Das neuartige Lehrformat wird seit diesem Semester angeboten und findet an den verschiedenen Standorten der beteiligten Hochschulen und Partnern wie etwa der IHK Ulm statt. Die Federführung des Projekts liegt bei der HBC und dem Team rund um Cornelia Gretz, Gastprofessorin für Entrepreneurship.

40 Studierende nehmen an dem Format teil. In interdisziplinären Teams arbeiten sie eigene Ideen zu Geschäftsmodellen aus und prüfen diese auf ihre Tragfähigkeit. Mentoren der drei Hochschulen begleiten sie dabei fachlich und methodisch. Durch die weitgehend selbständige Arbeit erlernen die Studenten, selbst als Unternehmer zu denken und zu handeln. „Die Teams eroberten ihre realen Problemstellungen fast im Sturm und münzten diese mit großem Engagement in Lösungen um“, berichtet Cornelia Gretz vom ersten gemeinsamen Workshop.

Technologien und Teamfähigkeit

Dabei konnten sie verschiedene Facetten unternehmerischer Praxis üben: Den Umgang mit Ungewissheit sowie mit Technologien und Daten, auch ihre Teamfähigkeit kam auf den Prüfstand. „Kompetenzen also, die Studierende für ihren späteren Arbeitsalltag benötigen, unabhängig davon ob sie gründen oder nicht“, so Gretz.

Teil des Prozesses sind mehrere Workshop-Camps, in denen sich methodischer Input und kreative Arbeit abwechseln. Im einführenden Bootcamp erarbeiteten die Studierenden gemeinsam Geschäftsmodellideen und ordnen sich selbst nach Interessen Aufgabenstellungen zu. Mit dem folgenden Thrillcamp wird die Arbeit am Konzept vertieft. An rund zehn Themeninseln lernen die Studierenden Methoden des Prototypings kennen, mit denen sie ihre Ideen schnell greifbar machen und überprüfen können. Die Prototypen können dabei von Zeichnungen und Pappmodellen von Produkten, bis hin zu digitalen Abbildungen der Oberflächen einer App reichen. Weiterhin erlernen und erproben die Studierenden im Pitch-Training die Grundlagen eines gelungenen Kurzvortrages. „Die Camps haben eine spielerische Arbeitsatmosphäre“, beschreibt Student Robin Renoth (Universität Ulm) die Stimmung. Seinem Kommilitonen Michael Ghattas gefällt besonders die „Freiheit, eigene Ideen umsetzen zu können“.

Bis Mitte Januar 2020 verfolgen die Teams nun ihre Projekte in selbständiger Arbeit weiter und stellen ihre Ergebnisse abschließend in einem Businessplan und einem Pitch vor einer Fachjury dar. Besonderen Wert wird dabei auf die Prüfung des Geschäftsmodells gelegt, was durch Gespräche mit potenziellen Nutzern und Tests mit Prototypen geschieht. Die dadurch erreichten Fortschritte nehmen auch die Studierenden wahr: „Unsere Idee ist viel konkreter geworden und deutlich ausgereifter“, stellt Maximilian Ludwig von der Universität Ulm fest. Die Organisatoren der Gründergarage sind von der Resonanz ihrer Studierenden begeistert und freuen sich auf den finalen Wettbewerb.

„Im Modul ,Founder’s Garage' werden nicht nur unternehmerisches Denken und Handeln trainiert, sondern auch soziale Kompetenzen“, sagt Professor Olga Pollatos, Vizepräsidentin für Lehre an der Universität Ulm. In Zukunft werde dem erfolgreichen Modul eine Summer School an der Uni Ulm vorangestellt, die sich insbesondere an internationale Studierende richtet.

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