Handwerk stärkt die Persönlichkeit

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 Schüler und Lehrer der St.-Franziskus-Schule haben „Bau(m)arbeiter“ geschaffen, die nun in einer Wanderausstellung zu sehen sin
Schüler und Lehrer der St.-Franziskus-Schule haben „Bau(m)arbeiter“ geschaffen, die nun in einer Wanderausstellung zu sehen sind. Bis Juni zeigt die Volksbank Biberach die Skulpturen. (Foto: Birga Woytowicz)
Birga Woytowicz

Spenden können Sie mit dem Kennwort Baumarbeiter auf folgendes Konto überweisen: St. Elisabeth Stiftung, DE18750903000000300500.

Online-Spenden sind möglich unter www.bauen-sie-mit.de

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Der Neubau der St.-Franziskus-Schule in Ingerkingen ist in vollem Gange. Parallel läuft der Betrieb an der Schule für Kinder mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Störfaktor sind die Bauarbeiten nicht. Ganz im Gegenteil: Die Baustelle hat Input für ein Unterrichtsprojekt geliefert. Die Ergebnisse sind ab sofort in der Wanderausstellung „Schüler schaffen Bau(m)arbeiter“ in Biberach zu sehen. Am Donnerstag fiel der Startschuss in der Volksbank.

Das Wortspiel im Titel bringt eine Beschreibung der Ausstellungsstücke auf den Punkt: Aus Baumkronen haben 14 Schüler mit den technischen Lehrern Harald Wieland und Reinard Mattes Holzfiguren gestaltet, die mit Gesichtern und Bauhelmen verziert wurden. Vor einem dreiviertel Jahr kam die Idee auf. Im Zuge des Neubaus mussten Bäume gefällt werden: „Vor den Sommerferien wurden die Bäume markiert, das fiel den Schülern sofort auf“, erklärt Wieland. In den Ästen hätten die jungen Erwachsenen menschliche Figuren erkannt – der Ball kam ins Rollen. Wieland und Mattes fragten an, die Bäume in der Kunst- und Werk-AG verarbeiten zu dürfen, die Schulleitung gab ihr Okay: „In den Sommerferien haben Herr Mattes und ich dann mit der Motorsäge die Baumkronen ausgesägt.“

Mit Beginn des neuen Schuljahres ging es dann ans Eingemachte: „Wir haben die Arme abgesägt, die Stämme geschält und geschliffen“, erklärt Mattes. Wie genau die Figuren aussehen sollten, sei zunächst unklar gewesen, ergänzt sein Kollege: „Wir hatten erst überlegt sie bunt anzumalen. Aber später war klar: naturbelassen sehen sie so schön aus, dass wir da nichts verändern wollten.“ Mit einer Stempeltechnik wurden den Holzbauarbeitern schließlich Gesichter aufgedruckt, aus Pappmaché fertigten die Schüler gelbe Bauhelme.

Alle Jugendlichen, ungeachtet der Ausprägung und Komplexität ihrer Behinderung, hätten fleißig und mit viel Spaß an den Figuren gearbeitet. Zugleich betonen die Lehrer: Das Projekt habe viel Kraft und Ausdauer gekostet. Dem 18-jährigen Raphael Palm kam das aber gerade recht: „Es tat gut, die Kraft rauszulassen.“ Die Arbeit in der Werkgruppe mache ihm viel Spaß, er arbeite gerne mit Holz

.Projekt stärkt Persönlichkeit

„Handwerk und Kunst mögen die Schüler unheimlich gerne. Da brauchten wir sie auch nur wenig zu motivieren“, sagt Wieland. „Außerdem gab es schnelle Erfolge. Denn die Fortschritte waren immer sichtbar.“ Darüber hinaus stärkten Projekte wie diese die Gemeinschaft.

Aber auch die Nachwirkung des Projektes beeinflusse die Persönlichkeit der Schüler positiv, erklärt Schulleiter Bernhard Bruck: „Sie kommen raus und spüren, dass sie von der Öffentlichkeit ernst und wahrgenommen werden. Darauf sind sie natürlich auch stolz.“ Es ist nicht die erste Ausstellung, die die Schule auf die Beine stellt. Der Schritt aus Ingerkingen heraus und die Suche nach Partnern erhöhe den Bekanntheitsgrad: „Wir haben geeignete Orte gefunden, in denen viel Publikumsverkehr herrscht“, erklärt Bruck.

Die Aktion ist keine reine Image-, sondern auch eine Spendenkampagne. 300 000 Euro möchte die St. Elisabeth Stiftung einsammeln – ein Bruchteil der Gesamtkosten für den Schulneubau in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Die Stiftung hat ein Spendenkonto eingerichtet. Außerdem möchte sie direkt in der Ausstellung eine Spendenbox aufstellen.

Bis Ende Juni sind die Skulpturen in der Volksbank zu sehen. Danach macht die Wanderausstellung bei Boehringer Ingelheim, Optik Kreck und in der Sinnwelt Halt. Was nach der Wanderausstellung mit den Figuren passiert? „Wir überlegen, sie zu verkaufen“, sagt Harald Wieland. Die Einnahmen würden dann aufs Spendenkonto fließen. Birgit Zauner, Organisatorin der Kampagne, schwebt eine andere Idee vor: „Wir könnten die Figuren im neuen Schulgebäude als Deko aufstellen.“

Das würde ins Gesamtkonzept passen. Denn wie die Figuren soll auch der Neubau aus Holz gefertigt sein. Hier sei allerdings nicht die Optik der ausschlaggebende Grund, erklärt Bruck: „Das Holz beruhigt die Schüler und senkt nachweislich die Herzfrequenz.“

Spenden können Sie mit dem Kennwort Baumarbeiter auf folgendes Konto überweisen: St. Elisabeth Stiftung, DE18750903000000300500.

Online-Spenden sind möglich unter www.bauen-sie-mit.de

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