Handtmann gibt in China Vollgas

Lesedauer: 5 Min
Einblicke: Thomas Handtmann (r.), Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Handtmann, erläuterte den Besuchern des Biberacher Unte (Foto: Gerd Mägerle)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Die Handtmann-Unternehmensgruppe ist startklar für den Sprung nach Fernost. Ende November soll der Bau eines neuen Metallgusswerks für Getriebe- und Kupplungsgehäuse in der chinesischen Millionenstadt Tianjin beginnen. Abnehmer der Gehäuse wird der Automobilhersteller VW sein, der dort Autos für den chinesischen Markt produziert. Über die Chancen und Risiken dieser Expansion informierten Thomas Handtmann, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe, und Michael Hagemann, Geschäftsführer der Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG, beim Unternehmertreffen der Stadt Biberach. Dieses fand am Dienstagabend mit einer Rekordbeteiligung von 250 Biberacher Wirtschaftsvertretern in der Handtmann-Zentrale statt.

Die Entscheidung, ein Werk in China zu bauen, habe sich das Unternehmen nicht leicht gemacht, sagte Thomas Handtmann. Es ist das größte Einzelprojekt in der mehr als 140-jährigen Geschichte der Unternehmensgruppe mit ihren derzeit etwa 2800 Mitarbeitern.

Die Investition von rund 86 Millionen Euro werde unter anderem durch eine Kreditaufnahme finanziert. „In China zu investieren ist ein Risiko, dessen sind wir uns bewusst“, so Hagemann, „das größere Risiko wäre aber, es nicht zu tun.“

Schon heute ist Handtmann im Metallguss europaweit die Nummer drei und weltweit auf Platz fünf. Mittelfristig will das Unternehmen noch weiter nach vorne. Dies ist eng verknüpft mit dem Ziel von VW, ab 2018 der größte Automobilhersteller der Welt zu sein. „Und die sind im Moment auf einem sehr guten Weg dahin“, sagte Hagemann.

Mit VW-Wachstum Schritt halten

Eine entscheidende Rolle kommt bei diesem Ziel dem chinesischen Markt zu, wo VW bis 2020 um 35 Prozent wachsen will – zusammen mit bewährten Zulieferern wie Handtmann. Das Biberacher Unternehmen erhielt 2012 den Volkswagen Group Award als einer der besten Lieferanten. „Wir müssen wachsen, um mit dem Wachstum von VW Schritt halten zu können“, fasste Hagemann zusammen.

Wie rasant dieses Wachstum geplant ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: In drei bis vier Jahren will Handtmann im neuen Werk in China rund 27000 Tonnen Aluminium pro Jahr verarbeiten. In Biberach sind es aktuell 32000 Tonnen. Um diesen Wert zu erreichen, hat es hier allerdings etwa 40 Jahre gedauert.

Von sechs Millionen Euro (2014) soll der Umsatz der Handtmann Lightmetalfoundry Tianjin (HFT) – so die Bezeichnung des neuen Werks – auf rund 90 Millionen Euro (2018) steigen. „Damit sind wir dann einer der umsatzstärksten Gießer in China“, so Hagemann. Etwa 400 Mitarbeiter sollen dann in dem etwa 21000 Quadratmeter großen Werk arbeiten. Ein Erweiterungsbau auf dem insgesamt 52000 Quadratmeter großen Gelände ist bereits geplant.

Fünf Chinesen in Biberach

In Tianjin, der Millionenstadt etwa 140 Kilometer südöstlich von China, warten in den kommenden Monaten verschiedene Herausforderungen auf die „Handtmänner“: „Wir müssen klären, woher unsere Rohstoffe kommen, die Infrastruktur muss funktionieren und wir müssen qualifizierte Arbeitskräfte finden“, sagt Hagemann. Derzeit absolvieren fünf Chinesen ein Trainee-Programm am Handtmann-Standort in Biberach.

Die Sparte Leichtmetallguss ist die größte Firma in der Unternehmensgruppe Handtmann. In ihr sind 1600 Mitarbeiter beschäftigt, davon 1000 in Biberach. Weitere Werke sind in Annaberg und in Košice (Slowakei). Der Jahresumsatz betrug 2012 rund 340 Millionen Euro.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen