Handtmann baut ein neues Werk in China

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Freuen sich auf das neue Handtmann-Werk in China: (v. l.) Lin Altmann (Trainee Einkauf), Arthur Handtmann, Thomas Handtmann, Dr. (Foto: Handtmann Unternehmensgruppe)
Schwäbische Zeitung
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Die Biberacher Unternehmensgruppe Handtmann expandiert in Fernost. Vom wachsenden Automarkt in China soll künftig auch das Handtmann Metallgusswerk profitieren. Ab 2015 produziert das Unternehmen nicht nur in Europa, sondern auch im chinesischen Tianjin Getriebe- und Kupplungsgehäuse für den Automobilhersteller VW. Dies teilte die Unternehmensgruppe am Donnerstag mit.

Im September sollen die Bauarbeiten für das neue Metallgusswerk beginnen. Anlass ist ein neuer Auftrag von VW über jährlich 1,8 Millionen Getriebe- und Kupplungsgehäuse. Bereits Mitte Mai 2013 unterzeichnete die Geschäftsführung des Handtmann Metallgusswerks einen entsprechenden Vorvertrag mit VW. Anfang Juli erwarb Handtmann nun ein entsprechendes Grundstück in einem Industriegebiet in der Nähe des Flughafens.

„Wir freuen uns über den neuen Auftrag und die Wachstumsmöglichkeiten, die er dem Gussbereich bei Handtmann bringt“, erklärt Thomas Handtmann, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe. Für das Metallgusswerk ist es die erste eigene Fertigungsstätte außerhalb Europas.

Der neue Standort Tianjin ist eine moderne Hafenstadt mit 3,8 Millionen Einwohnern, die ungefähr 150 Kilometer südöstlich von Peking liegt. Dort wird VW ab 2014 die Doppelkupplungsgetriebe montieren, in denen die Gehäuse von Handtmann zum Einsatz kommen.

VW-Auftrag als Herausforderung

Weil VW Wert darauf lege, auch in Asien mit seinen bewährten Lieferanten zusammen zu arbeiten, sei der Automobilhersteller an Handtmann heran, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. „Für das Handtmann Metallgusswerk ist der neue Auftrag eine Herausforderung, aber auch eine hervorragende Möglichkeit, den Schritt nach Asien zu machen“, so Thomas Handtmann.

Das neue Werk sichere aber auch die Aufträge in Europa. „Die Automobilhersteller produzieren in aller Welt und erwarten das auch von ihren Zulieferern. Wer hier nicht mitgeht, gehört schnell nicht mehr zu den Top-Lieferanten. Das können wir mit dem neuen Werk in Asien vermeiden“, so Handtmann. Darüber hinaus steigere die internationalen Produktionsmöglichkeiten auch die Chancen, künftig für weitere Automobilhersteller arbeiten zu können.

Die aktuellen Planungen sehen eine rund 21000 Quadratmeter große Produktionshalle vor, mit Platz für 13 Druckgussmaschinen, drei Schmelzöfen, den Werkzeug- und Formenbau, den Logistikbereich und die Personalräume. Der Baubeginn ist für September geplant – sofern die Freigaben der chinesischen Behörden bis dahin vorliegen. Ziel von Handtmann ist es, die Gießzellen im zweiten Halbjahr 2014 aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Bei Vollauslastung der Produktion werden mehr als 20000 Tonnen Aluminium pro Jahr verarbeitet.

Was die Auswirkungen auf die Mitarbeiter in Biberach angeht, sind derzeit sind vor allem die Mitglieder des Projektteams eingespannt. Sie verhandeln mit den Behörden vor Ort, suchen in China nach geeignetem Personal und arbeiten an der detaillierten Bauplanung. Später werden einige neue Kollegen aus China für die Einarbeitung nach Deutschland kommen. Und nicht zuletzt haben einzelne Mitarbeiter des Handtmann Metallgusswerks die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit vor Ort in China zu arbeiten. Erste Seminarangebote wie zum Beispiel Sprachkurse bereiten die neue Zusammenarbeit vor, teilt das Unternehmen mit.

„Natürlich gibt es in der Belegschaft auch Vorbehalte gegenüber dem Projekt. Diese werden sich aber im Laufe der Zeit zerstreuen“, zeigt sich Thomas Handtmann überzeugt. „Für das Handtmann Metallgusswerk, aber auch für die Mitarbeiter bieten sich hier einmalige Chancen. Wir sind entschlossen, diese zu nutzen.“

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