Handtmann Armaturenfabrik: Die Hälfte der Mitarbeiter soll in Biberach gehen

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 Das Verwaltungsgebäude der Handtmann Armaturenfabrik in Biberach.
Das Verwaltungsgebäude der Handtmann Armaturenfabrik in Biberach. (Foto: Handtmann Unternehmensgruppe)
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Die Handtmann Armaturenfabrik entlässt im Lauf des ersten Halbjahres 2019 rund 70 ihrer 150 Mitarbeiter am Standort Biberach. Das teilte die zur Handtmann-Unternehmensgruppe gehörende Firma am frühen Mittwochabend mit. Grund für diesen harten Schritt sei die schwierige Lage in der Brauindustrie. Die Handtmann Armaturenfabrik hat sich unter anderem auf den Bau von Rohr- und Filtersystemen für Brauereien spezialisiert. Für die betroffenen Mitarbeiter sollen Einsatzmöglichkeiten in anderen Firmen der Unternehmensgruppe geprüft werden.

Am Mittwochnachmittag sei die Belegschaft über den Arbeitsplatzabbau informiert worden, teilte Handtmann-Personalchef Jörg Hochhausen der SZ auf Anfrage mit. Aus heiterem Himmel sei die schwierige Situation allerdings nicht über die Firma hereingebrochen. „Die Entwicklung hat sich leider schon länger abgezeichnet“, so Hochhausen. Die Zeiten in der Brauindustrie, dem bisher wichtigsten Markt für die Armaturenfabrik seien schwierig. „Die weltweit produzierte Biermenge wächst kaum noch“, teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit dem Titel „Handtmann Armaturenfabrik richtet sich neu aus“ am Mittwochabend mit. Zehn Brauereikonzerne hätten inzwischen drei Viertel des Markts unter sich aufgeteilt und übten Druck auf die Preise aus. Hinzu komme ein starker internationaler Wettbewerb. „Diese schwierige Situation macht nun eine Neuausrichtung der Handtmann Armaturenfabrik notwendig“, teilt die Firma mit. Geplant sei, die Abhängigkeit von einzelnen Großprojekten für die Brauindustrie zu reduzieren, die Produktionskapazitäten entsprechend anzupassen und das Engagement in neuen Märkten auszubauen.

Wir nehmen die Verantwortung für unsere Mitarbeiter sehr ernst

Thomas Handtmann, Geschäftsführer

Dazu braucht es derzeit aber nur noch die Hälfte der bisherigen Belegschaft. Rund 70 Arbeitsplätze sollen im ersten Halbjahr abgebaut werden. „Ziel ist, das so rasch wie erforderlich, aber dennoch sorgfältig umzusetzen“, kündigt Hochhausen an. Der Betriebsrat der Armaturenfabrik sowie die IG Metall wurden über eine Neuausrichtung informiert. Zeitnah soll über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandelt werden. Derzeit werde geprüft, ob es für die betroffenen Mitarbeiter Einsatzmöglichkeiten in anderen Firmen der Handtmann-Unternehmensgruppe gibt. Darüber hinaus stünden finanzielle Mittel zur Verfügung, um einvernehmliche und sozial verträgliche Einigungen zu ermöglichen. „Der Handtmann-Unternehmensgruppe geht es gut und in den anderen Geschäftsbereichen wird Personal gesucht. Wir nehmen die Verantwortung für unsere Mitarbeiter sehr ernst und setzen uns dafür ein, zufriedenstellende Lösungen für alle Beteiligten zu finden“, wird Thomas Handtmann, Geschäftsführer der Albert Handtmann Holding, zitiert.

Wie viele der betroffenen Mitarbeiter tatsächlich neue Arbeitsplätze in anderen Unternehmensbereichen finden, kann Hochhausen derzeit nicht beziffern. „Ich bin zuversichtlich, dass uns das für viele gelingen wird. In einem so großen Unternehmen gibt es im Personalbereich permanent Veränderungen. Es hängt natürlich auch von der Qualifikation des Einzelnen ab.“

Die Handtmann Armaturenfabrik werde auch weiterhin von Biberach aus weltweit am Markt tätig sein, Anlagen und Komponenten hier konstruieren, montieren und bei den Kunden in Betrieb nehmen, heißt es von Unternehmensseite. In der strategischen Neuausrichtung sehe man gute Entwicklungschancen für die Armaturenfabrik. Geplant sei, sich auf kleine und mittelgroße Brauereien vor allem in Europa zu konzentrieren. Zudem solle das Geschäft mit Herstellern von alkoholfreien Getränken und flüssigen Nahrungsmitteln weiter ausgebaut werden.

Sehr zufriedenstellend entwickelt sich laut Handtmann bereits heute der Bereich Filtration und Separation. Die Produkte des Bereichs Filtration und Separation trennen und reinigen Flüssigkeiten. Sie kommen in verschiedenen Branchen zum Einsatz, etwa in Molkereien oder der Pharmaindustrie. „Die Märkte bieten gute Wachstumschancen, auch vor dem Hintergrund strengerer Umweltauflagen und einer steigenden Nachfrage nach Proteinen und Enzymen, die etwa in Nahrungsergänzungsmitteln und ,Functional Food’ verwendet werden. In diesem Marktsegment ist die Handtmann Armaturenfabrik schon jetzt erfolgreich“, teilt das Unternehmen mit. Mit einem kompetenten Team in der Forschung und Entwicklung würden bestehende Produkte weiterentwickelt und neue Möglichkeiten für das Unternehmen erschlossen. „Die Maßnahmen sind schmerzhaft. Aber die Neuausrichtung der Armaturenfabrik ist notwendig, damit sie weiterhin am Markt bestehen kann“, so Thomas Handtmann.

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