Handelskonflikte und Brexit machen regionalen Betrieben zu schaffen

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 Die Unternehmen in der Region bewerten den Lauf ihrer Geschäfte immer mehr als „befriedigend“.
Die Unternehmen in der Region bewerten den Lauf ihrer Geschäfte immer mehr als „befriedigend“. (Foto: Jens Wolf)
Schwäbische Zeitung
Digitalredakteur

Die Handelskonflikte und das Brexit-Chaos belasten auch die Unternehmen in den Kreisen Alb-Donau, Biberach und der Stadt Ulm. Das ist das Ergebnis des aktuellen Konjunkturberichts der IHK-Region Ulm, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Viele befragte Unternehmen schätzen darin ihre Geschäftslage nur noch als „befriedigend“ ein.

Die Dynamik der Wirtschaft in der Region lässt nach. Der IHK-Konjunkturklimaindex – ein gemeinsames Maß für die Lageurteile und die Erwartungen – fällt auf 125 Zähler. Der Index erreichte zu Jahresbeginn noch einen Wert von 138 Zählern.

„Der Konjunkturmotor schaltet somit einen Gang zurück, läuft aber immer noch mit einer ordentlichen Drehzahl“, fasst IHK-Präsident Jan Stefan Roell zusammen. Belastend wirkten sich nach Angaben der Kammer die anhaltenden Handelskonflikte zwischen den USA und Europa, zwischen den USA und China sowie das Chaos um den Brexit aus.

Verschiebung von „gut“ zu „befriedigend“

Wie eine IHK-Sprecherin auf Nachfrage von „Schwäbische.de“ konkretisierte, werden die Betriebe regelmäßig danach gefragt, wie sie ihre Geschäftslage bewerten. Im Vergleich zur vorherigen Umfrage zu Jahresbeginn verschiebe sich das Urteil bezüglich der Geschäftslage von „gut“ in Richtung „befriedigend“.

 Laut dem IHK-Konjunkturbericht zum Frühjahr 2019 schaltet der Konjunkturmotor einen Gang zurück.
Laut dem IHK-Konjunkturbericht zum Frühjahr 2019 schaltet der Konjunkturmotor einen Gang zurück. (Foto: IHK)

Jedoch lasse sich daraus nicht schließen, dass ein Abschwung droht. Einerseits würden die Lageurteile weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Andererseits sei das Ergebnis eher als „ein Abwarten, wie es weltpolitisch weitergeht“ zu interpretieren.

Der Konjunkturmotor schaltet somit einen Gang zurück, läuft aber immer noch mit einer ordentlichen Drehzahl. IHK-Präsident Roell 

Offenbar haben die Betriebe aber wenig Hoffnung, dass sich an den politischen Rahmenbedingungen schnell etwas ändert. Denn die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate fallen ebenfalls pessimistischer aus als noch zu Jahresbeginn, wie es in der Mitteilung weiter heißt.

Einzelhandel leidet

Zentrale Stütze für die regionale Wirtschaft bleibt die Binnenwirtschaft. Eine anhaltend steigende Zahl an Beschäftigten und Einkommenszuwächse stärkten die Konsumausgaben der privaten Haushalte, so die IHK. Davon kann der Einzelhandel jedoch weniger stark profitieren wie der Großhandel. Insbesondere Anbieter von Saisonware seien der Konkurrenz aus dem Internet ausgesetzt, so die Sprecherin. Gleichzeitig machten den lokalen Händlern Straßenbaustellen zu schaffen.

Impulse erhält die Binnenwirtschaft auch von der investiven Seite. Zwar sinkt das Investitionsklima merklich und gerade Investitionen zur Kapazitätserweiterung werden weniger geplant. Dennoch möchte über die Hälfte der Unternehmen ihr derzeitiges ordentliches Investitionsniveau halten. Mehr als jedes fünfte Unternehmen beabsichtigt sogar höhere Ausgaben für Inlandsinvestitionen.

Forderung nach Steuer- und Bürokratieentlastung

„Auch die Politik sollte noch stärker investive Impulse setzen. Der Ausbau der Verkehrs- und IT-Infrastruktur muss hierzulande schneller gehen. Zudem ist endlich eine längst überfällige Steuer- und Bürokratieentlastung für die Unternehmen umzusetzen“, fordert Roell.

Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint alle vier Monate. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage zum ersten Drittel dieses Jahres. Von über 44.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde nach Angaben der Kammer ein repräsentativer Ausschnitt von 398 Unternehmen befragt, von denen sich 165 an der Umfrage beteiligten.

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