Hüsselmann schuldet Biberachern Geld

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Hüsselmann schuldet Biberachern Geld
Schwäbische Zeitung
Tobias Kestin

Der Veranstalter der Weltklasse in Biberach (Wib), Heinz Hüsselmann, hat im Juli 2011 offenbar seinem Standard entsprechend gelebt: Immerhin eine Woche belegte der Bochumer die Suite des Parkhotels Jordanbad (240 Euro pro Nacht). Auch ein Großteil der Wib-Sportler schlief dort zwei Nächte und verpflegte sich in dem Hotel.

Die Rechnung über 20 000 Euro hat Heinz Hüsselmann nicht bezahlt.

Eine Summe, die dem Geschäftsführer und Pächter Thomas Lerch sehr wehtut. „Das ist sehr ärgerlich. Auch weil wir ihm vertraut haben“, sagt Lerch. Schon bei den ersten zwei Weltklasse-Veranstaltungen habe es Unregelmäßigkeiten bei der Zahlung gegeben. Trotzdem verzichtete das Hotel, wie oft üblich, auf Vorkasse. „Wir haben auf eine Prüfung verzichtet, weil die TG und die Stadt mit dahinterstanden.“ Deshalb kam der Sonderpreis zustande, ein voll ausgebuchtes Parkhotel bringt regulär 10000 Euro mehr. „Wir wollten die Sportler, die Weltklasse unterstützen“, sagt Lerch.

Nach der Wib 2011 im Juli hatte Hüsselmann zwei Wochen Zeit zu zahlen, erhielt dann vier Wochen Aufschub. Mittlerweile hat Thomas Lerch einen Titel gegen Hüsselmann erwirkt. „Außerdem erwägen wir eine Anzeige wegen Betruges“, sagt Lerch.

Im Hotel zur Riss hatte Hüsselmann 20 Zimmer gemietet. Ein Einzelzimmer kostet 59 Euro pro Nacht, auch dort handelte Hüsselmann einen Rabatt aus, auch dort gab es kein Geld. Die Hotelführung war zu keiner Stellungnahme gegenüber der Schwäbischen Zeitung bereit und verwies darauf, „dass etwas gegen Hüsselmann läuft“.

Sportler warten ebenso

Einige Sportler, die in Biberach angetreten sind, warten noch auf ihr Antrittsgeld. Das ist nicht das erste Mal der Fall: „Ariane Friedrich hat fast ein Jahr auf ihr Startgeld für den Auftritt in Kassel warten müssen, bis dies komplett bezahlt war“, sagte der Trainer der Hochspringerin. Nicht alle Sportler haben Geld für ihren Auftritt bekommen, junge und unbekanntere Athleten traten für Fahrtgeld und Übernachtung an.

Auch mehrere Dienstleister wie die Druckerei des Stadionheftes und der Zeitmesser warten auf ihr Geld. Für viele blieb nur noch der Gang über den Gerichtsvollzieher und das Erzwingen des Offenbarungseides. Als der Gerichtsvollzieher das erste Mal bei Hüsselmann klopfte, habe der Veranstalter noch eine Auflistung verteilt, in der er die Zahlungen der kommenden Wochen aufgezählt habe. Wenn es dieses Geld wirklich gegeben hat, ist zumindest nichts in Biberach aufgetaucht. Nun steht im Raum, dass Hüsselmann angeblich versucht, sein Haus zu verpfänden, um an Geld zu kommen. Als die Schwäbische Zeitung dem Parkhotel-Geschäftsführer Thomas Lerch dieses Gerücht präsentiert, hält er nichts davon: „Hüsselmann hat schon genug gelogen.“

Seltec bekam das Geld

Bleibt die Frage, wie Hüsselmann das Geld der heimischen Sponsoren, einen sehr niedrigen sechsstelligen Betrag, verwendet hat. Eine Rechnung hat Hüsselmann definitiv bezahlt: Das österreichische Unternehmen Seltec, zuständig für die Datenerfassung, erhielt rund 33 000 Euro. „Wir hatten einen Vertrag über alle drei Meetings. Nachdem Kassel und Biberach nicht bezahlt wurden, sagten wir Hüsselmann in Cuxhaven, dass wir erst arbeiten, wenn das Geld da ist“, sagt Peter Gridling. Die 33 000 Euro beschaffte Hüsselmann kurzfristig. Bar. „Aber ich bin mir fast sicher, dass wir die Einzigen waren, die bezahlt worden sind“, sagt der Österreicher.

Heinz Hüsselmann war auch am Freitag nicht zu erreichen.

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