Gutes Schulklima ist eine Daueraufgabe

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Die Präventionsbeauftragten für Biberach, Ulm und den Alb-Donau-Kreis: Joachim Frank, Thomas Gote, Gudrun Peter, Susanne Gröner
Die Präventionsbeauftragten für Biberach, Ulm und den Alb-Donau-Kreis: Joachim Frank, Thomas Gote, Gudrun Peter, Susanne Gröner und Gabriele Schuster bei ihrer ersten Teambesprechung nach den Sommerferien. (Foto: Birga Woytowicz)
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Das Klima an den Schulen in der Region nachhaltig verbessern – das ist das Ziel der sechs Präventionsbeauftragten für Biberach, Ulm und den Alb-Donau-Kreis. Hauptberuflich sind sie alle als Lehrer tätig. Nebenbei beraten sie Schulen zum Thema Prävention und geben ihren Lehrerkollegen das richtige Handwerkszeug mit auf den Weg.

Trotz Doppelfunktion leistet das Team unter dem Strich nicht mehr Stunden als andere Lehrer. Für die Präventionsarbeit sind alle ein paar Stunden freigestellt. Das Regierungspräsidium (RP) hat sie ausgebildet. Die Präventionsbeauftragten sind Teil des Konzepts „stark.stärker.Wir.“, das das RP 2011 in Folge des Amoklaufs in Winnenden auf den Weg brachte.

„Damals gab es schon mehr Gewalt und Hilflosigkeit“, sagt Susanne Gröner. Auch sie habe vor ihrer Ausbildung zur Präventionsbeauftragten nicht gewusst, wie man sich etwa in einem Mobbingfall richtig verhalte. Es gehe aber auch um rechtliche Sicherheit, ergänzt Kollege Thomas Gote. „Zum Beispiel, wenn ein Schüler Drogen konsumiert. Wie gehe ich damit um, und wen muss ich informieren, ohne mich in einer Grauzone zu bewegen?“

Das Präventionskonzept fußt auf drei Säulen. In den Bereichen Gewalt-, Suchtprävention und Gesundheitsförderung sieht es dauerhafte Bemühungen vor, damit es erst gar nicht zum Extremfall kommt. In solchen seien die Präventionsbeauftragten ohnehin die falsche Anlaufstelle. „Wir sind nicht die Feuerwehr, die einen Brand löscht und dann wieder verschwindet“, stellt Susanne Gröner klar. Es gehe um Nachhaltigkeit. „Wir bringen die Expertise zu den Schulen. Wenn wir gehen, soll diese auch dort bleiben.“ Alle Lehrer sollten handlungsfähig sein.

Daher bieten die Präventionsbeauftragten für ihre Kollegen Fortbildungen an. Themen sind etwa Erlebnispädagogik, Mobbing, aber auch Kommunikation.

Die richtige Haltung, sei entscheidend, sagt Gröner: „Ich muss dem Schüler sagen: Du bist okay, aber dein Verhalten gerade ist es nicht.“ Man müsse den Schülern Hilfsbereitschaft signalisieren. „Das zeigt sich schon in der Eintragkultur. Trage ich einen Schüler ins Klassenbuch als Störenfried ein, stecke ich ihn in eine Schublade. Das ist zu allgemein“, ergänzt Joachim Frank.

Regelmäßiger Austausch

Die Präventionsbeauftragten übernehmen auch die Grundlagenseminare für Präventionslehrer und bieten für diese regelmäßige Regionalarbeitskreise an. Zugleich stehen sie im regelmäßigen im Austausch mit Suchtbeauftragten, Polizei, Krankenkassen, Aidshilfe oder Schulpsychologen. Dadurch solle ein Netzwerk entstehen, das einen langfristigen Austausch befördere, erklärt Thomas Gote.

Schulen können auch Beratungstermine anfragen. Die Präventionsbeauftragten zeigen dann verschiedene Möglichkeiten auf, wie alle drei Konzeptbausteine im Schulalltag umgesetzt werden können. Allerdings bleibt es bei Vorschlägen. Die Umsetzung und Entscheidungsgewalt liegt am Ende ganz bei den Schulen. „Wir machen auch keine Ist-Analysen oder Kontrollen. Die Schulen leisten ja ohnehin Präventionsarbeit. Dazu ist jeder Lehrer verpflichtet“, sagt Susanne Gröner.

Die Lehrer zeigten Interesse am Thema Prävention – alters- und schulformunabhängig. Vielen fehle die Sicherheit im Umgang mit manchen Konfliktsituationen, vereinzelt kämen die Kollegen aber auch an ihre Grenzen, sagt Thomas Gote. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre seien die Herausforderungen in deutschen Klassenzimmern gewachsen. „Es gibt große Leistungsgefälle in einer Klasse. Auch Themen wie Inklusion und Integration sind präsenter als früher.“

Da die Belastung zunehme, hapere es häufig an der Zeit, wenn ein Seminar aufgrund mangelnder Teilnehmerzahl ausfallen müsse. „Es gelingt den Schulen nicht immer, die Lehrer freizustellen. Alle sind auf Kante genäht. Kommen dann noch Krankheitsfälle hinzu, wird es eng“, sagt Susanne Gröner.

Präventionsarbeit beanspruche Zeit. Neben der Aneignung von Hintergrundwissen betrifft das vor allem auch die Umsetzung im Schulalltag. Es müsse nicht immer eine groß angelegte Projektwoche oder eine erlebnispädagogische Maßnahme sein, sprich ein Ausflug mit Übungen zum Kennenlernen und Teambuilding, sagt Gröner. „Punktuelle Maßnahmen reichen auf Dauer eh nicht aus. Man kann Fachunterricht und Präventionsarbeit miteinander verknüpfen.“

Kooperative Unterrichtsformen

Das Stichwort laute kooperative Unterrichtsformen. „Das infiltriert das Ganze, und bedeutet keinen Zusatzaufwand“, sagt Gröner. Hätten Schüler etwa den Aufbau des Gehirns im Biologieunterricht durchgenommen, könnten sie durch das Klassenzimmer laufen und sich gegenseitig abfragen. „Dabei werden sie vielleicht auch überrascht, wenn andere Dinge wissen, die sie ihnen nicht zugetraut hätten.“

Wie oft solche Lerneinheiten sinnvoll seien? „Am besten täglich, stündlich, wenn man es zur Haltung macht“, ist Gröner überzeugt. Ein gutes Schulklima sei Daueraufgabe und müsse ständig weiterentwickelt werden.

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