Große Klassik mit Knecht und Haydn

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Die Evangelische Kantorei Biberach und der Basilikachor Weingarten sagen in der voll besetzten St.-Josefs-Kirche in Biberach-Bi
Die Evangelische Kantorei Biberach und der Basilikachor Weingarten sagen in der voll besetzten St.-Josefs-Kirche in Biberach-Birkendorf unter der Leitung von Kantor Ralf Klotz. (Foto: Günter Vogel)
Schwäbische Zeitung
Günter Vogel

In der voll besetzten St.-Josefs-Kirche in Biberach-Birkendorf sangen unter der Leitung von Kantor Ralf Klotz die Evangelische Kantorei Biberach und der Basilikachor Weingarten (Leitung Stephan Debeur). Die Solisten waren Alina Klotz (Sopran), Irene Streis (Alt), Jonas Salzer (Tenor) und Matthias Rolser (Bass). Die Capella Novanta spielte unter Konzertmeister Günther Luderer.

Das Konzert wurde eröffnet mit dem Trompetenkonzert Es-Dur Hob. VIIe:1 von Joseph Haydn, einem Zeitgenossen von Knecht. Die Solotrompete spielte Michael Bischof. Diese Perle der Trompetenliteratur komponierte Haydn 1796 für die neu erfundene Klappentrompete. Das Allegro des ersten Satzes imponierte mit klar strömender Melodienfolge und fanfarenartigen Tonelementen. Das langsame Andante des zweiten Satzes stellte den Ruhepunkt des Konzertes dar. Das Finale war ein volksliedhaftes anmutiges Rondo.

„Preis und Dank, Herr Jesu, dir" sowie „Vom Himmel hoch“ entstammen dem Württembergischen Choralbuch. Dort steht über Knechts Choralsätze geschrieben: „Das Einfache und Feierliche, das man in der neuen Kirchenmusik so sehr vermisst, ist der Hauptcharakter von Knechts ,Kirchen-Compositionen‘.“ Dann eine Uraufführung: Die Orchesterbearbeitung des Knechtschen „Pastorale“ von Ralf Klotz.

Als Hauptwerk des Abends folgte das „Magnificat“ C-Dur von Justin Heinrich Knecht für Soli, Chor und Orchester. Es ist eines der drei größeren oratorischen lateinisch-liturgischen Kirchenwerke des Biberacher Komponisten. Das Werk ist in sechs in sich abgeschlossene Sätze, abwechselnd im Dreier- und Vierertakt, gegliedert.

Eingangschor wirkt festlich

Durch seine großflächige und schlichte Harmonisierung wirkte der Eingangschor, ein Allegro maestoso, festlich und leicht zugleich. Chor und Solisten wechselten miteinander ab. Knecht beweist sich als Frühklassiker durch großräumige Harmonisierung, eingängige Melodien, periodische Taktgruppen und kontrastierende forte-piano-Dynamik.

In Satz zwei und vier präsentieren sich die zwei Solo-Arien der Frauenstimmen. Beide Arien sind im empfindsamen, galanten Stil komponiert. Während die Sopran-Arie durch Koloraturen und schnelle Tonleitern besticht, zeichnet sich die Alt-Arie durch sehr lange Haltetöne aus. Die Vokalfuge des dritten Satzes „Fecit potentiam“ in Moll, lässt die dem Text innewohnende Dramatik in Ansätzen spüren. Das „Gloria Patri“ (Ehre sei dem Vater) des fünften Satzes wirkt an dieser Stelle als homophoner, choralartiger Satz außerordentlich festlich. Nahtlos folgt die Schlussfuge „nunc et semper“. In formaler Konsequenz wird das konservativ-barock anmutende Thema fließend durchgeführt. Die im Tutti besetzte Fuge beschließt das Werk. Hier zeigt Knecht seine Stärke im kontrapunktischen, streng-kirchlichen Kompositionsstil.

Die vier Gesangssolisten gefielen mit schön klingenden Oratorienstimmen. Die junge Sopranistin Alina Klotz lässt mit ihrer sich sicher und klangschön öffnenden Höhe aufhorchen. Da ist eine erfolgreiche gesangliche Zukunft vorauszusehen. Dirigent Ralf Klotz und die Capella Novanta präsentieren die Kompositionen souverän, mit fein aufgehenden Fortissimo-Entladungen und wohlgesetzt platzierten Akzente.

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