Goldener Biber geht an „God of Happiness“

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Regisseur Dito Tsintsadze (Mitte) nimmt den Goldenen Biber von Bürgermeister Christian Kuhlmann (l.) und Festivalintendant Adria
Regisseur Dito Tsintsadze (Mitte) nimmt den Goldenen Biber von Bürgermeister Christian Kuhlmann (l.) und Festivalintendant Adria (Foto: Gerd Mägerle)
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Schwäbische Zeitung

Mit der großen Gala in der Stadthalle sind am Sonntagabend die 37. Biberacher Filmfestspiele zu Ende gegangen. Der in diesem Jahr erstmals mit 8000 Euro dotierte Hauptpreis für den besten Spielfilm, der „Goldene Biber“, ging an „God of Happiness“ von Regisseur Dito Tsintsadze. Den Ehrenbiber 2015 erhielt Klaus Maria Brandauer. Der Weltstar war am Sonntag dafür extra nach Biberach gekommen. Zufrieden ist der Verein Biberacher Filmfestspiele auch mit der Besucherzahl: Knapp 13000 Tickets – und damit annähernd so viel wie in den Vorjahren – wurden verkauft.

Der Siegerfilm „God of Happiness“ handelt von einem georgischen Schauspieler, der nach Deutschland gekommen ist, um dies hier ebenfalls zu schaffen. Er scheitert, inszeniert aber für seine Tochter, die ihn besucht, den erfolgreichen Schauspieler. „Es ist scheinbar eine kleine Geschichte, die man glaubt zu kennen, die einen aber immer wieder mit außergewöhnlichen Situationen, poetischen Einfällen und einem lakonischen Sprachwitz, einen Film erleben lassen, in dem das Leben einem wie ein Spiel vorkommt“, begründet die Jury um Prof. Jürgen Haase ihr Urteil. Regisseur Dito Tsintsadze lasse mit einem besonderen Blick und Humor das menschliche im Alltag zu einem optischen und schauspielerischen Erlebnis werden.

Eine lobende Erwähnung sprach die Hauptjury an Anna Posch für ihre schauspielerische Leistung in dem Film „Chucks“ aus. Darin spielt sie eine 16-Jährige, die in einem Aids-Hilfe-Haus eine Strafe abarbeiten muss. „Trotz ihres jungen Alters eine unglaubliche Leistung“, würdigt die Jury.

Der Debütbiber, dotiert mit 3000 Euro vom Landkreis Biberach, ging an den Film „Wanja“. Er handelt vom tristen Leben einer Ex-Strafgefangenen, die wieder in ihre Drogensucht zurückfällt. Die Debüt-Jury um Sandra Gräfin Bernadotte, hat sich für diesen Film entschieden, weil er eine Thematik klischeefrei, echt, glaubwürdig und vor allem ehrlich umsetzt. Geprägt werde der Film durch die herausragende Leistung der Hauptdarstellerin Anne Ratte-Polle und der außergewöhnlichen Handschrift der Regisseurin Carolina Hellsgard.

Der von Filmproduzent Hans W. Geißendörfer mit 3000 Euro dotierte Fernsehbiber erhielt der Film „Vorstadtrocker“ der Zwillinge Martina (Regie) und Monika Plura (Kamera). Er handelt von einem arbeitslosen Journalisten, der in einem untergetauchten Rockerboss die große Story wittert. Überzeugt hat die Jury der wüste Humor des Films und der frische Blick auf ein beschädigtes Männerbild. „Die anarchische Kraft dieses kleinen Debütfilms ist sensationell“, so die Jury um Harry Baer.

„A man can make a difference“ von Ullabritt Horn heißt der Gewinner des mit 3000 Euro von der Firma Liebherr dotierten Doku-Biber. Darin geht es um den heute 95-jährigen Chefankläger im Nürnberger Einsatzgruppenprozess. „Der Film schlägt den Bogen vom Dritten Reich über den Völkermord in Ruanda bis ins heutige Syrien. Er ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen jegliche Form des Angriffskriegs als Mittel der Machtpolitik“, urteilt die Jury um Vorsitzende Angela Henkel.

„Er und sie“ ist der Gewinner des Kurzfilmbibers, dotiert mit 2000 Euro durch die IHK Ulm. Im Film von Autodidakt Marco Gadge geht es um Gegensätze wie Trennung und Begegnung, Hoffnung und Verzweiflung, Mitleid und Schadenfreude, Jugend und Alter. „Gadge hat die Jury mit exzellentem Humor und einer großartigen Umsetzung überzeugt. Er erzählt seinen Film mit jener komödiantischen Qualität, die wir gerne öfter sehen würden“, so die Jury um Julia Finkernagel.

Der Publikumsbiber, dotiert mit 3000 Euro der Werbegemeinschaft Biberach, erhielt der Fernsehfilm „Nacht der Angst“ von Gabriela Zerhau.

Der Schülerbiber, dotiert mit 3000 Euro von der Kreissparkasse Biberach, ging an den Debütspielfilm „Im Spinnwebhaus“ von Mara Eibl-Eibesfeldt.

Weitere Berichte und Fotos zu den Biberacher Filmfestspielen gibt es unter

www.schwaebische.de/bc-filmfestspiele2015

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