Goldener Biber für deutsch-serbischen Film „Enklave“

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Schwäbische Zeitung
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Mit der Verleihung der Biber sind am Sonntagabend die 38. Biberacher Filmfestspiele zu Ende gegangen. Großer Sieger des Abends war der Film „Enklave“ von Regisseur Goran Radovanovic, der den mit 8000 Euro dotierten Goldenen Biber für den besten Spielfilm erhielt. Für die rund 60 Filme, die beim Festival an fünf Tagen gezeigt wurden, wurden in diesem Jahr etwa 13200 Tickets verkauft.

Produzent Nico Hain war überglücklich, als er aus den Händen des Ersten Bürgermeisters Roland Wersch den Goldenen Biber und den Scheck der Stadt über 8000 Euro in Empfang nehmen durfte. Die Hauptjury kürte damit die deutsch-serbische Produktion „Enklave“ zum Festivalsieger, die aus Sicht von Kindern den tiefen Hass zwischen Serben und Albanern thematisiert, der auch Jahre nach dem Kosovokrieg noch immer herrscht. „Ich bin völlig überwältigt“, sagte Nico Hain in seinen Dankesworten, „aber Ihr Beifall zeigt mir, dass es real ist.“

Eine lobende Erwähnung der Spielfilm-Jury gab es außerdem für den Film „Die Hände meiner Mutter“ von Florian Eichinger.

Den mit 3000 Euro vom Landkreis Biberach und dem Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) dotierten Debütbiber gewann der Film „Dinky Sinky“, der sich um einen unerfüllten Kinderwunsch dreht. Regisseurin Mareille Klein und Hauptdarstellerin Katrin Röver nahmen den Preis von Landrat Heiko Schmid entgegen. „Der Film ist in allen Gewerken gelungen“, sagte Juryvorsitzende Monika Plura, „auch wenn man über das Ende möglicherweise enttäuscht sein mag. Ein starkes Debüt mit einer großartigen Hauptdarstellerin.“

„Lindenstraßen“-Produzent Hans W. Geißendörfer hat den Fernsehbiber vor einigen Jahren mit jeweils 3000 Euro dotiert. In diesem Jahr ging der Preis an den ORF-Krimi „Drachenjungfrau“ von Regisseurin Catalina Molina. Gelobt wurden von der Jury um ihre Vorsitzende Martina Plura die atmosphärische Bildsprache und die liebevolle Inszenierung. „Ein mutiger Film mit einer eigenen Handschrift wie wir ihn uns häufiger wünschen würden“, so das Juryfazit.

Den mit 3000 Euro von der Firma Liebherr dotierten Dokumentarfilmbiber erhielt die Produktion „Beer Brothers“ von Michael Chauvistré und Miriam Pucitta. „Mit wacher, beobachtender Kamera, warmherzig und voll feiner Ironie, fangen die beiden Regisseure die Bierbrauer-Brüder in China und Deutschland ein“, lautete das Juryurteil.

Der Biber für den besten Kurzfilm ist mit 2000 Euro durch die Film-Commission Region Ulm dotiert. In diesem Jahr geht er an die Zwölf-Minuten-Produktion „Emily must wait“ von Christian Wittmoser. „Der Film kommt nahezu ohne Worte aus. Er zeigt Klaustrophobie, Hilflosigkeit, Gewalt. Das ist verstörend, alarmierend und außerordentlich gut gemacht“, urteilte die Jury unter Vorsitz von Malte Lamprecht.

Neben den fünf Fachjurys vergeben in Biberach traditionell auch zwei Jurys, bestehend aus Filmlaien, zwei Biber. Der Preis der Publikumsjury, der mit 2000 Euro von der Werbegemeinschaft Biberach dotiert ist, erhielt der Film „Die Mitte der Welt“ von Regisseur Jakob M. Erwa. „Der Film war mit besonderem Augenmerk auf Details liebevoll ausgestattet. Mit seiner ästhetischen Bildsprache hat uns dieser Film sehr bewegt“, sagte Juryvorsitzende Uschi Frank-Nold in ihrer Begründung.

Mit 3000 Euro von der Kreissparkasse Biberach ist der Schülerbiber dotiert. Die fünf jungen Juroren verliehen den Preis an den Film „Zazy“ von Regisseur M. X. Oberg. „Es ist eine Geschichte ungewöhnlicher Beziehungen, die die Frage aufwirft: Was bist du bereit für Ruhm zu tun? Faszinierend war der ständige Wechsel der Täter-Opfer-Rolle, der durch die hervorragenden schauspielerischen Leistungen, das Zusammenspiel von Ton und Kamera sowie einem abwechslungsreichen Drehbuch getragen wurde“, sagte Juryvorsitzender Valerian Dilger.

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