Gitarrenpäpste lassen nichts anbrennen

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 Das Duo Autschbach-Illenberger überzeugte mit virtuosem Gitarrenspiel, auch wenn dem einen oder anderen Zuhörer im Jazzkeller s
Das Duo Autschbach-Illenberger überzeugte mit virtuosem Gitarrenspiel, auch wenn dem einen oder anderen Zuhörer im Jazzkeller stellenweise der letzte Biss fehlte. (Foto: Helmut Schönecker)
Schwäbische Zeitung

Bereits im Vorverkauf hat das Gitarren-Duo Autschbach-Illenberger, welches nach sechs Jahren wieder einmal in Biberach gastierte, alle Dämme eingerissen. Schon Tage vor dem Konzert im Jazzkeller waren alle Karten ausverkauft. Der Ansturm war ebenso hoch wie die Erwartungen an die Weltklassemusiker.

Obwohl in manchen Ankündigungen zu lesen war, dass es sich bei den Eigenkompositionen und Improvisationen nicht unbedingt um Jazz handelt, wurde da oder dort doch eine gewisse Verwunderung darüber laut, dass Jazz bei dem Gitarrenkonzert doch eher eine Randerscheinung blieb.

Irgendwo zwischen Easy Listening, mittelalterlichem Lautenspiel und romantischem Virtuosentum angesiedelt, mit Einsprengseln aus der Folklore oder aus dem Rock- und Blues-Genre erwiesen sich die abwechslungsreichen Stücke als durchweg sehr eingängig, überaus einfühlsam und mit viel Liebe zum perfekten Sound interpretiert. Eine erstaunliche Spieltechnik, ein außerordentliches Maß an Virtuosität und ein nahezu perfektes Zusammenspiel der beiden Künstler ließen eigentlich nichts zu wünschen übrig.

Experimentierfreude vermisst

Dennoch fehlte manchen Gästen etwas der Biss oder auch die kraftvolle Authentizität in vielen Stücken. Etwas mehr Experimentierfreudigkeit, mehr Tiefe und Intensität hätte manchem Titel gutgetan – so wie etwa in dem von Autschbach solistisch, singend und musizierend, herausragend dargebotenen „Suitcase Blues“ zu hören. Das Lied dreht sich um oft nicht ganz so saubere Hotelzimmer, die dem reisenden Musiker das Leben unnötig schwer machen

Die perfekte Welle zu reiten, den Publikumsgeschmack optimal zu bedienen und dabei dennoch immer wieder nach dem Neuen und Besonderen zu spüren, ist eben oft auch eine Gratwanderung. Die gelingt nicht zwangsläufig immer. Exemplarisch dafür stand eine spontane, freie Improvisation, wie sie das renommierte Duo seit Jahren immer wieder in seine Konzerte einbaut, offenes Ende inklusive. Dieses Mal begann Peter Autschbach mit zupackendem Groove und rockigen Fusion-Anklängen das Intermezzo. Die schöpferischen Anlaufschwierigkeiten von Ralf Illenberger bestärkten zwar zunächst den Eindruck sympathischer Spontaneität, hinterließen mit fortwährender Dauer dann aber doch eine gewisse Leere und Enttäuschung über nicht erfolgte Höhenflüge.

Glücklicherweise überspielten der Spaß am gemeinsamen Tun, die Freude am reibungslosen Zusammenspiel und das blinde Verständnis der beiden Musiker mit fortschreitendem Abend und immer lauter anschwellendem Beifall die vereinzelten Bedenken. Am Ende zeugten die beiden Zugaben „Rumble“ und „Drama“ sowie der vorweihnachtliche Ansturm auf die mitgebrachten CDs von einem gelungenen Konzertauftritt. Die Musiker erfüllten viele Wünsche, die Scheiben zu signieren.

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