Gericht schlägt mutmaßlicher Dealer-Bande einen Deal vor

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 Vornehmlich weiche Drogen sollen fünf Männer aus dem Raum Biberach/Laupheim von Slowien nach Süddeutschland geschmuggelt haben.
Vornehmlich weiche Drogen sollen fünf Männer aus dem Raum Biberach/Laupheim von Slowien nach Süddeutschland geschmuggelt haben. (Foto: Pablo Abarenga/dpa)

Fortgesetzt wird die Verhandlung mit der Beweisaufnahme am 19. März um 9 Uhr.

Neun Justizbeamte, sechs Verteidiger, fünf Angeklagte und drei Dolmetscher haben am Freitag den großen Saal 1 im Ravensburger Landgericht bevölkert. Den fünf aus dem Balkan stammenden Männern wird vorgeworfen, im August und September vergangenen Jahres knapp ein halbes Dutzend Fahrten nach Slowenien unternommen, dort kiloweise Marihuana gekauft und in Süddeutschland verkauft zu haben.

„Rauschgiftbeschaffungsfahrten“ und „bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln“ heißt das in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft – und richtet sich im Wesentlichen gegen vier der fünf Angeklagten, die allesamt Mitte 20 sind und bis zu ihrer Inhaftierung im vergangenen Herbst im Raum Biberach/Laupheim gewohnt haben. Derzeit sitzen sie ein, verteilt auf die Justizvollzugsanstalten in Ravensburg, Ulm, Konstanz, Hechingen und Stuttgart. Sie werden beim Gerichtstermin in Hand- und Fussfesseln vorgeführt und wollen vor Gericht weder zu ihrem Werdegang noch zu den Tatvorwürfen aussagen. „Zunächst nicht“, wie die Anwälte angeben.

Lediglich der wohl nur als Gehilfe in Erscheinung getretene fünfte Angeklagte gibt Auskunft über seine Herkunft und sein Leben. Der 26-jährige gelernte Heizungsbauer nickt, als der Vorsitzende Richter Veiko Böhm von offenen Ratenzahlungen bei einem Autokredit und einer fünfstelligen Schuldensumme spricht, er hält sich selbst für „körperlich und geistig gesund“, trinke wenig Alkohol. Auf die Frage nach eigenem Drogenkonsum winkt sein Verteidiger aber ab, bittet darum, dieses Thema zurückzustellen und verliest eine kurze Stellungnahme seines Mandanten. Der 26-Jährige, von dem getuschelt wird, er habe „als Erster gesungen“, lässt seinen Anwalt wiederholen, was er wohl schon bei der Polizei gestanden hat: nämlich dass er an zwei der Fahrten ins slowenische Kranj beteiligt gewesen sei. Von weiteren Beschaffungsfahrten wisse er jedoch nur vom Hörensagen. Deshalb lautet bei ihm die Anklage auch nur auf „Beihilfe zur Einfuhr und Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“, wie es im Juristendeutsch heißt.

Als der Vorsitzende Richter Böhm schließlich vorschlägt, sich für einen „Vorschlag“ mit seiner Kammer beraten zu wollen, da summt es im Gerichtssaal. Haben zuvor die Dolmetscher mit ihren Simultanübersetzungen für stetiges Stimmengemurmel gesorgt, so werden nun auch die etwa 20 Zuschauer unruhig, flüstern und sind nervös: Wird es so etwas wie einen Deal geben? Und tatsächlich erläutert Böhm nach einer Verhandlungspause die mögliche Vereinbarung, in der häufig das Wort „vorläufig“ fällt und die selbstverständlich nur gilt, wenn die Angeklagten ein glaubhaftes Geständnis ablegen werden. Fußend auf der „objektiven Beweislage“, unter Berücksichtigung der „Haftempfindlichkeit“ der Angeklagten, die allesamt zum ersten Mal im Gefängnis sitzen, einer offenbar „unprofessionellen Vorgehensweise“ im Beschaffen, der Einfuhr und dem Verkauf der „weichen Drogen“, stellt Richter Böhm für die fünf Männer Gesamtfreiheitsstrafen zwischen anderthalb und siebeneinhalb Jahren in den Raum.

Die noch bewährungsfähige Strafe von einem Jahr und sechs Monaten für den 26-jährigen geständigen Angeklagten, die höchste Strafe von sieben Jahren und sechs Monaten für einen als „Chef“ der Bande geltenden Mann aus Laupheim. Mit diesem Deal wäre nach Ansicht des Gerichts auch eine „verfahrensökonomische Erledigung“ gewährleistet, sprich die Kammer könnte früher zu einem Urteil kommen und müsste nicht ganze neun Verhandlungstage in Anspruch nehmen.

Der Staatsanwalt signalisiert bereits zum Ende des ersten Verhandlungstages, die Vereinbarung erscheine ihm „akzeptabel“. Auch der geständige Helfer lässt sofort über den Dolmetscher ausrichten, er sei einverstanden. Die anderen vier Angeklagten indes haben nun bis zum zweiten Verhandlungstag in knapp zwei Wochen Zeit zu überlegen, ob der vorgeschlagene Deal ihnen schmeckt.

Fortgesetzt wird die Verhandlung mit der Beweisaufnahme am 19. März um 9 Uhr.

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