Gehörlos und trotzdem aktiv

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 Wolfgang Schweizer zeigt stolz seine Souvenirs, die er von seinen Reisen nach Biberach mitbrachte. Insgesamt bereiste der geler
Wolfgang Schweizer zeigt stolz seine Souvenirs, die er von seinen Reisen nach Biberach mitbrachte. Insgesamt bereiste der gelernte Maler bisher 34 Länder. (Foto: St. Elisabeth-Stiftung)
Schwäbische Zeitung

Der Rentner Wolfgang Schweizer ist gehörlos. Von diesem Handicap lässt sich der gelernte Maler jedoch nicht von seiner großen Leidenschaft abhalten: dem Reisen. Das berichtet Claudia Flassak von der St.-Elisabeth-Stiftung. Schweizer lebt seit 2003 in einer kleinen ambulant betreuten Wohnung am Biberacher Sandberg. Bereits 34 Länder hat er besucht.

Die ersten Länder hat Schweizer mit dem Freizeitbereich der damaligen Heggbacher Einrichtungen bereist, einige mit einer Reiseorganisation für gehörlose Menschen. Außer vielen europäischen Ländern lernte er dabei auch Syrien, Palästina, Israel, China, Kanada, die USA, Tansania und Ägypten kennen. Im vergangenen Jahr reiste er im Bus bis zum Nordkap. Mit dem Bus fuhr er auch bereits 1975 nach Rom und Sardinien.

Erste Fahrradtour 1984

Die erste Fahrradtour unternahm er 1984 mit Heggbacher Betreuern an den Bodensee – damals noch auf einem Dreirad. Schon zwei Jahre später war er alleine mit einem Fahrrad unterwegs. „Die Erzählung, wie seine Mutter damals geschimpft hat, als sie vom Alleingang ihres Sohnes erfuhr, hat er mit temperamentvollen Armbewegungen und explosiven Lauten untermalt“, berichtet Flassak, „auch als er ein Jahr später heimlich seinen Bruder in Tübingen besucht hat, ist seine Mutter in ihrer Besorgtheit verärgert gewesen.“ Selbst als er sie zum Muttertag ins Ravensburg überraschte, „war sie so sauer, dass wir sieben Wochen keinen Kontakt hatten“, erinnert sich der damals 35-jährige Wolfgang Schweizer laut Bericht.

Er habe sich seine Selbstständigkeit hart erarbeiten müssen, aber letztendlich sei auch seine Mutter stolz auf ihn gewesen, sagt Flassak.Die nächsten Touren sind schon in Planung: Im Mai geht es mit dem Bus nach Spanien, im September mit dem Fahrrad der Isar entlang.

Außer Reisen hat der Rentner noch ein Hobby: Holzarbeiten. In seiner kleinen Werkstatt fertigt er diese und verkauft sie auf dem Heggbacher Sommerfest und verschiedenen Adventsmärkten zugunsten einer indonesischen Missionsstation. Dorthin, nach Sumatra, würde er gerne auch noch reisen, sagt Flassak. Dafür muss er aber erst noch eine Weile sparen. Seit er 2016 in Tansania war, spendet er jeden Monat zehn Euro nach Afrika – für gehörlose Kinder.

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