Gefährlich: Mit dem Smartphone in der Hand über den Zebrastreifen

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Der Auto Clup Europa (ACE) hat eine neue Verkehrssicherheitsaktion gestartet. Es wird gezählt wie viele Menschen mit dem Smartphone die Straße überqueren.

Schwäbische Zeitung

Für Autofahrer ist die Sache klar: Wer mit dem Handy am Ohr oder in der Hand Auto fährt, muss mit 60 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Für Fußgänger, die das Handy im Straßenverkehr benutzen, gibt es hingegen kein Bußgeld. Der Auto-Club Europa (ACE) warnt indes: Auch Fußgänger können vom Handy abgelenkt werden können. Der ACE greift das Thema nun auf. In Biberach hat er Verkehrsbeobachtungen gemacht. Das Ergebnis: An Zebrastreifen waren es vor allem die Jüngeren, die das Smartphone in der Hand oder am Ohr hatten.

Mittagszeit am Zeppelinring: Der Schüler daddelt auf dem Smartphone, während er über den Zebrastreifen läuft. Beim weiteren Überqueren der Museumstraße hebt er nicht einmal mehr den Blick, der Autofahrer hat ihn zum Glück früh genug gesehen. Johannes Gerster, Hermann Aberle und Richard Zeller beobachten die Szene. Die drei Mitglieder des Auto-Clubs Europa sind an dem Mittag für die Aktion „Smartphone im Verkehr: Finger weg!“ unterwegs. An der Kreuzung Kolping-/ Saulgauer Straße und am Zeppelinring erfassen sie das Verhalten von Fußgängern an Zebrastreifen. Wie viele sind mit Smartphone unterwegs, wie viele ohne? „Es geht um die Sicherheit“, sagt Johannes Gerster, Vorsitzender des ACE-Kreisverbands Biberach. „Wenn man das Handy in der Hand hat, ist die Gefahr gegeben, dass man einfach nicht mehr auf den Verkehr achtet.“ Dabei muss es seiner Erfahrung nach nicht einmal das eigene Handy sein, das gefährlich ablenkt. „Ich habe schon beobachtet, dass einer aus der Gruppe alle anderen ruft, um etwas auf seinem Smartphone zu zeigen. Und die Freunde laufen zu ihm über den Zebrastreifen ohne aufzupassen“, erzählt Gerster. Oder alle drängten sich am Straßenrand, um Selfies zu machen, nennt er ein anderes Beispiel. „Die Selfies, bei denen keiner mehr auf den Straßenverkehr achtet, werden übers Schützenfest sicher wieder zunehmen“, glaubt Gerster.

Rund 1000 Passanten gezählt

Nach einer Studie der Dekra-Unfallforschung nutzen in Berlin knapp 15 Prozent der Fußgänger ihr Smartphone, während sie unterwegs sind. Der ACE hat in den vergangenen Tagen für Biberach stichprobenartig Zahlen erhoben. 698 Fußgänger registrierte das ACE-Team am vergangenen Freitag am Berufsschulzentrum beim Überqueren der Straße. Von den 30 Erwachsenen hatte keiner ein Handy in der Hand. Von den 688 Jugendlichen waren 6,4 Prozent mit Smartphone unterwegs. Am Zeppelinring und in der Kolpingstraße beobachteten die ACE-Vertreter gestern 311 Fußgänger. Von den 131 Erwachsenen hatten neun das Smartphone in der Hand (knapp sieben Prozent). Bei den Jugendlichen waren es 21 Prozent. „Das Problem betrifft überwiegend die Jüngeren“, zieht Johannes Gerster ein Fazit. Er würde es deshalb begrüßen, wenn die Handynutzung bei Fußgängern auch im Verkehrsunterricht an den Schulen besprochen werden würde. Aber das Thema betreffe nicht nur die Fußgänger. „Ich habe auch schon Reiter gesehen, die auf dem Pferd das Handy nutzten. Wenn dann das Pferd scheut, wird es kritisch“, sagt Gerster.

Die Zahlen ihren Verkehrsbeobachtungen wollen die ACE-Vertreter aus Biberach und anderen Landkreisen nun weitergeben. „Die Daten gehen zur Auswertung und dann ans Verkehrsministerium nach Berlin“, sagt Gerster. Er hofft, dass dadurch Handlungsdruck entsteht und die Politik Regeln für Fußgänger und entsprechende Bußgelder festlegt.

Der Auto Clup Europa (ACE) hat eine neue Verkehrssicherheitsaktion gestartet. Es wird gezählt wie viele Menschen mit dem Smartphone die Straße überqueren.

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