Gedenkort soll an Kriegsgefangenen- und Interniertenlager Lindele erinnern

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 Studenten haben Entwürfe für eine Großplastik gestaltet, die an das Lager Lindele erinnert. In der Endausscheidung sind „Transp
Studenten haben Entwürfe für eine Großplastik gestaltet, die an das Lager Lindele erinnert. In der Endausscheidung sind „Transparenz“ (zwischen den Stundenten links im Bild) und „Die Wunde“ (r.). (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Am Platz vor dem ehemaligen Kriegsgefangenen- und Interniertenlager Lindele wird eine künstlerisch gestaltete Großplastik aufgestellt. Architekturstudenten der Hochschule Biberach haben künstlerische Entwürfe vorgelegt. Die Jury hat die Arbeiten „Transparenz“ und „Die Wunde“ in die engere Wahl genommen. Die Entwürfe werden nun dem Gemeinderat vorgelegt.

Baubürgermeister Christian Kuhlmann und Kulturdezernent Jörg Riedlbauer hatten die Idee zu einem solchen Gedenkort entwickelt, wollten damit auch eine weitere Kooperation mit der Hochschule Biberach schaffen. Mit Zustimmung des Gemeinderats wurde das Ganze mit Prof. Matthias Loebermann im Studiengang Architektur als Sonderprojekt definiert und weitergeführt.

Links neben der Einfahrt zur Polizeihochschule soll der Ort des Gedenkens für das Lager Lindele entstehen.
Links neben der Einfahrt zur Polizeihochschule soll der Ort des Gedenkens für das Lager Lindele entstehen. (Foto: Gerd Mägerle)

Vorab waren Aufgabenstellung und Beurteilungskriterien festgelegt worden: So soll von der Arbeit ein Denkanstoß mit Blick auf das Geschehen im Lager und auf die Geschichte des Lagers Lindele ausgehen. Es soll originell sein und allein für den Ort des Geschehens stehen. Die selbst erklärende Arbeit soll Betroffenheit auslösen, auch wesentliche Wahrnehmungen beim Vorbeifahren, beim Stehenbleiben, beim Hineingehen ermöglichen, neugierig machen und Akzeptanz auslösen.

Standort neben Guernsey-Linde

Das Denkmal wird auf einem 250-Quadratmeter-Grundstück am Eingangsbereich Polizeihochschule und neben der „Guernsey-Linde“ aufgestellt werden, die zusammen mit der Plastik den optischen Gesamteindruck bestimmt. Der Grund gehört dem Land Baden-Württemberg, die Nutzung ist geklärt.

In Kleingruppen erarbeiteten Studierenden Entwürfe. Fünf von insgesamt zwölf wurden der Jury aus Fachleuten und Gemeinderatsmitgliedern vorgelegt und nun im Museum der Presse vorgestellt. Die Studenten gaben ihren Arbeiten Namen, die zum Kern der Aussagen hinführen sollen.

Gedenken an das Lager Lindele
Vor der Polizeihochschule soll ein Ort des Gedenkens an das Lager Lindele entstehen. Architekturstudenten aus Biberach sollen den Info-Pavillon entwerfen.

Christian Kuhlmann und Jörg Riedlbauer erläuterten die fünf Entwürfe im Einzelnen: „Begegnung“ ist ein Feld mit 146 zwei bis drei Meter hohen metallenen Stelen mit rauer Oberfläche, die Assoziationen zum Holocaust-Denkmal in Berlin aber auch an Stonehenge hervorrufen. Die Anzahl steht für 146 im Lager Lindele umgekommene sowjetische Kriegsgefangene, die auf dem „Russenfriedhof“ an der Memminger Straße (insgesamt liegen dort 614 russische Opfer) beigesetzt sind.

Jury begutachtet fünf Entwürfe

„Geschichten“ heißt ein sich nach oben erweiternder Zylinder mit einem schräg verlaufenden Lichtkanal im Innenraum. „Lichtblick“ ist ein an der Stirnseite aufgeschlitzter Quader aus Cortenstahl, der innen mit Blei ausgekleidet ist. „Transparenz“ gleicht einem gekippten Käfig, der aus ungeordnet gegeneinander versetzten Baustahlmatten gestaltet wird.

Das Objekt wirkt mit seiner Dimension und Ausgestaltung dominant. Die Assoziationen „Käfig – gefangen sein“ lösen Verunsicherung, lösen Betroffenheit aus. „Die Wunde“ ist ein zwölf Meter hoher schräg gespaltener Steinquader. Durch den Spalt auf Bodenhöhe kann der Besucher in das Innere gelangen. In der inneren Aushöhlung kleidet ein Zerrspiegel die konkave Fläche aus, sorgt für Verwirrung und auch Betroffenheit der Besucher.

Begehbare Plastiken

Allen Entwürfen gemeinsam ist, dass sie „begehbar“ sind, über direkte oder absteigende Rampen oder Spalten innen betreten werden können. Dort findet der Besucher Sitzgelegenheiten sowie detaillierte historische Informationen. Keines der Modelle zeigt sich oben geschlossen; die Innenbereiche sind bewusst dem Wetter ausgesetzt.

Anhand der beschriebenen Kriterien und der Bewertungen kam die Jury mit großer Mehrheit zu dem Ergebnis, die Arbeiten „Transparenz“ („Käfig“ aus Baustahlmatten) und „Die Wunde“ (Betonquader) in die engere Wahl zu nehmen und dem Gemeinderat zur weiteren Durcharbeitung vorzuschlagen.

Die beiden Arbeiten sollen im Falle der Akzeptanz im Gemeinderat auf ihre Machbarkeit hin untersucht und zu einem Umsetzungsvorschlag formuliert werden. Nach einer endgültigen Entscheidung soll das ausgewählte Objekt im nächsten Jahr gebaut werden. Zu den Kosten gibt es derzeit noch keine Angaben.

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