Gambier haben Angst vor Abschiebung

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Die jungen Gambier berichten im Rathaus von ihrer Heimat und ihren Ängsten (von links): Modou Jeng, Adama Jallow, Ebrissa Jallo
Die jungen Gambier berichten im Rathaus von ihrer Heimat und ihren Ängsten (von links): Modou Jeng, Adama Jallow, Ebrissa Jallow, Cherno Jallow und Fobay Fabia. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Zur zweiten Veranstaltung der Reihe „Mutterland – Vaterland – Herkunftsland“ des Interkulturellen Forums für Flüchtlingsarbeit (IFF), der Integrationsbeauftragten der Stadt Biberach, Martina Eisele, und des Stadtjugendringprojekts „Brücken bauen für mehr Verständnis“ sind rund 80 Interessierte ins Rathaus gekommen. Dieses Mal ging es um Gambia. Fünf junge Gambier erzählten von ihrer Heimat und stellten sich im Anschluss den Fragen des Publikums. Am kommenden Dienstag dreht sich alles um Syrien.

Sehr umfassend berichtete Adama Jallow über die geografischen Gegebenheiten Gambias. Mit 11000 Quadratkilometern hat Gambia gerade einmal ein Drittel der Fläche Baden-Württembergs. Die Haupteinnahmequellen des Landes sind die Landwirtschaft und der Tourismus. „Wenn es keine Hoffnung gibt, dann muss man seine Heimat verlassen“, sagte Embrissa Jallow.

Fobay Fabia stellte dar, wie die Bevölkerung des Landes unter dem Diktator Yahya Jammeh ausgebeutet wurde und viele Menschen in Gefängnisse gesperrt oder sogar getötet wurden. Auch unter dem seit Dezember 2016 amtierenden Staatspräsidenten Adama Barrow habe sich die politische Lage im Land nicht verbessert. In Gambia herrsche nach wie vor die Korruption und die Bevölkerung könne sich nicht sicher fühlen.

Modou Jeng schildert seinen Aufenthalt in Biberach und wie wichtig es für ihn ist, eine Ausbildung machen zu können. Aber er erzählt auch, dass er Schwierigkeiten habe, sich auf die Ausbildung zu konzentrieren, weil er ständig in der Angst lebt, nach Gambia abgeschoben zu werden. „Eine humane Flüchtlingspolitik muss den geflohenen Menschen die Zeit geben, hier in Sicherheit abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt“, sagte Dagmar Rüdenburg vom IFF.

Adama Jallow besucht ein Gymnasium in Biberach. Er kann sich nicht sicher sein, ob seine Ausbildung ihm eine Zukunft in Gambia ermöglicht, wenn sich die Zustände in Gambia nicht ändern. Die fünf Jugendlichen aus Gambia wünschen sich von den Menschen in Biberach, dass ihre Ängste ernst genommen werden und hoffen auf die Unterstützung der Biberacher gegen die Abschiebung.

Auch die Veranstalter erhoffen sich von den Vorträgen im Rathaus, ein offeneren Umgang mit Flüchtlingen. Die Möglichkeit zum direkten Kontakt ist gegeben und somit auch die Chance einander näher kennenzulernen. Das spiele laut Veranstalter auch eine wichtige Rolle, wenn es um die Unterstützung im Kampf gegen eine unmenschliche Flüchtlingspolitik geht.

Die dritte Veranstaltung der Reihe „Mutterland – Vaterland – Herkunftsland“ findet am kommenden Dienstag, 4. April, um 18.30 Uhr im Ratssaal des Biberacher Rathauses statt. Im Mittelpunkt steht Syrien. Junge Syrer werden zu Gast sein und über ihre Heimat erzählen und sich den Fragen der Gäste stellen. Der Eintritt ist frei.

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