„Fridays for Future“: Das halten die Schüler ihren Kritikern entgegen

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Mit Regenjacken und Schirmen haben die Schüler bei der Protestbewegung am Freitag versucht, trocken zu bleiben. Das gelang aber
Mit Regenjacken und Schirmen haben die Schüler bei der Protestbewegung am Freitag versucht, trocken zu bleiben. Das gelang aber nur bedingt. (Foto: Gerd Mägerle)

Sie beweisen ihren Kritikern, wie ernst es ihnen ist: Rund 100 Jugendliche haben am Freitag in Biberach für eine bessere Klimapolitik demonstriert – und das nach dem Unterrichtsende. „Ihr seid das Zeichen, dass es uns nicht ums Schulschwänzen geht“, sagte der Schüler und Mitorganisator Constantin Ruppel. Vor zwei Wochen – damals noch während des Unterrichts – waren etwa 300 Teilnehmer mehr gekommen, wobei das Wetter um einiges besser war.

Weltweit – von Australien bis in die USA – sind Schüler und Studenten auf die Straße gegangen, weil sie einen strengeren Klimaschutz verlangen. Die Proteste gehen auf die 16-jährige Greta Thunberg zurück, die im vergangenen Jahr allein vor dem schwedischen Parlament zu demonstrieren begonnen hatte. Mittlerweile folgen ihrem Beispiel Hunderttausende Jugendliche. Doch die Bewegung schmeckt nicht jedem, was sich auch in Biberach zeigt. Nach dem Klimastreik Anfang März hatte es neben Befürwortern auch einige Kritiker gegeben.

 Diesmal fand die Demonstration in Biberach nach dem Unterrichtsende statt.
Diesmal fand die Demonstration in Biberach nach dem Unterrichtsende statt. (Foto: Gerd Mägerle)

Doch wie damit umgehen? Sophia Lorenz vom Pestalozzi-Gymnasium beschrieb ihre Gefühlslage am Freitag in einem Text mit dem Titel „Nervenkostüm“. Mit diesem hatte sie im vergangenen Jahr den Schüler-Poetry-Slam der Wieland-Gesellschaft gewonnen. Einerseits wolle sie den Kritikern antworten, andererseits wolle sie ihnen nicht zu viel Raum geben – in ihren Zeilen schilderte sie, wie schwierig dieser Spagat sein kann: „Es ist keine Schande, sich für den Klimaschutz einzusetzen.“

 Student Patrick von Stackelberg (rechts) unterstützt die Schüler bei ihrem Protest.
Student Patrick von Stackelberg (rechts) unterstützt die Schüler bei ihrem Protest. (Foto: Ger Mägerle)

Auch Constantin Ruppel hielt dagegen: „Wir müssen nicht alles im Detail verstehen, um zu begreifen, was schädlich für unseren Planeten ist.“ Damit nahm er auch Bezug auf eine Äußerung von Christian Lindner. Der FDP-Politiker warf den Jugendlichen vor Kurzem vor, nicht alle globalen Zusammenhänge zu verstehen. Deshalb sei der Klimaschutz auch „eine Sache für Profis“.

Studenten stehen Schülern bei

Etwa eine Stunde dauerte die Kundgebung. Eigentlich hatten die Organisatoren Sophia Lorenz, Franziska Denninger, Frederike Fäth, Annika Ludwig, Constantin Ruppel, Alexander Orend, Eleonora Abel und Nicola Hauchler eineinhalb Stunden angesetzt, was aber am Wetter scheiterte. Es regnete die ganze Zeit über, die Schirme boten nur bedingt Schutz.

Trotz der widrigen Umstände folgten ihrem Aufruf schätzungsweise 100 Menschen. „Ich bin gekommen, weil es wichtig ist, für den Klimaschutz einzutreten“, sagte der Schüler Daniel Merkel vom Bischof-Sproll-Bildungszentrum, der voll hinter der Bewegung steht: „Im Alltag versuche ich auf Verpackungsmüll zu verzichten.“

Unterstützung bekamen die Schüler auch von Studenten. „In ganz Deutschland solidarisieren sich mit Euch die Studenten“, sagte Patrick von Stackelberg. Der Student der Hochschule Biberach lud die Jugendlichen ein, sich an einer Gesprächsrunde in der kommenden Woche zu beteiligen: „Die Türen der Hochschule stehen Euch weit offen.“ In Richtung Lindner sagte er: „Man wird kein Profi, nur weil man einen Anzug trägt.“

Die nach eigener Aussage „freischaffende Umweltaktivistin“ Luitgard Tshiang Tshiananga aus Ochsenhausen äußerte am Mikrofon: „Ich bin so glücklich, dass ihr das macht.“ Wichtig sei, die Arbeit mit Humus fest im Unterrichtsalltag zu verankern, weil dies zu einer CO2-Reduktion führe. Die Politik müsse daher mehr Finanzmittel für Schulgärten bereitstellen.

„Ich habe schon lange darauf gewartet, dass die jüngere Generation auf die Straße geht“, sagt die 75-jährige Besucherin Ingrid Kübler-Eith. „Eigentlich hätten das unsere Kinder bereits tun müssen.“ Sie selbst hat in früheren Jahren auch an politischen Kundgebungen teilgenommen wie auch Ute Mader. „Ich habe gegen die Pläne einer Müllverbrennungsanlage vom damaligen Landrat Steuer protestiert“, sagt die 64-Jährige. Sie begrüße das Zeichen der Jugendlichen: „Klimaschutz ist das existenzielle Thema unserer Zeit.“

Ihr Mann, Bruno Mader, sagt: „Es muss ein Umdenken in allen Bereichen stattfinden und das möglichst schnell.“ Rudolf Haug (63 Jahre) sieht in der Kundgebung auch einen Gewinn für jeden einzelnen Schüler: „Die Redner befassen sich intensiv mit Umweltthemen, vielleicht sogar mehr als im Unterricht.“

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