Frauen fordern: Kein „Weiter so“ für die Kirche

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Das Biberacher „Maria 2.0“-Aktionsteam: Birgit Hahn (v. l.), Ingrid Hüttl und Karin Walter.
Das Biberacher „Maria 2.0“-Aktionsteam: Birgit Hahn (v. l.), Ingrid Hüttl und Karin Walter. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Der Katholische Frauenbund Biberach veranstaltet am Samstag, 11. Mai, ab 18.30 Uhr zu einem besonderen Gottesdienst auf den Kirchplatz der Dreifaltigkeitsgemeinde in Biberach ein. Anlass ist die bundesweite Aktion „Maria 2.0“, die zum Kirchenstreik vom 11. bis 18. Mai aufruft. Die Frauen protestieren damit gegen den Missbrauch von Schutzbefohlenen, gegen den Pflichtzölibat sowie gegen die Ausgrenzung von Frauen in der Amtskirche und fordern Veränderungen.

„Das Vertrauen in die Institution Kirche ist durch die Missbrauchsfälle zutiefst erschüttert und die Kirche in einer existenziellen Krise. Deshalb müssen die kirchlichen Machtstrukturen von Grund auf verändert werden. Frauen müssen in allen Entscheidungsebenen der Kirche beteiligt werden, und damit auch an den Ämtern“, so Karin Walter aus Biberach, Diözesanvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB). Alle Katholikinnen und Katholiken seien dazu eingeladen, vom 11. bis 18. Mai öffentlichkeitswirksam für längst fällige Reformen in der Kirche einzutreten.

„Dies kann zum Beispiel durch einen Kirchenstreik geschehen, indem Frauen ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten in der Kirche bewusst ruhen lassen und damit deutlich machen, wie viel kirchliche Arbeit im Normalfall ganz selbstverständlich von Frauen geleistet wird“, so Birgit Hahn, stellvertretende Vorsitzende des Frauenbunds Biberach in einer Pressemitteilung. „Frauen sind eingeladen, im Aktionszeitraum vor den Kirchentüren zu bleiben und dadurch zu zeigen, dass sie von den Ämtern und damit von vielen kirchlichen Entscheidungsprozessen immer noch ausgeschlossen sind“, ergänzt Ingrid Hüttl, Vorsitzende des Frauenbunds Biberach.

Wohlgemerkt: Der Kirchenstreik richtet sich nicht gegen die Kirchengemeinde vor Ort, sondern gegen die reformbedürftigen kirchlichen Strukturen wie männliche Machtzentrierung, Ausschluss der Frauen von Weiheämtern, Pflichtzölibat, Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen sowie mit evangelischen Christen. „Diese Strukturen sind nicht von Gott gegeben, sondern von Menschen gemacht. Für viele Gläubige ist deutlich geworden: Ein ,Weiter so’ in der Kirche kann es nicht geben“, sagt Karin Walter.

Deshalb findet am Samstag, 11. Mai, der Gottesdienst nicht in der Kirche statt. „Wir wollen die Frauen nicht vom Gottesdienst fernhalten. Stattdessen feiern wir um 18.30 Uhr vor den Kirchentüren der Dreifaltigkeitskirche auf dem Kirchplatz einen Gottesdienst in kreativer Form mit Gebeten, Impulstexten und Liedern“, so Thekla Braun, gewählte Vorsitzende des Gesamtkirchengemeinderats Biberach.

Pastoralteam zeigt Solidarität

Das Pastoralteam der Seelsorgeeinheit Biberach hat nach intensiver Auseinandersetzung mit der Aktion „Maria 2.0“ entschieden, aus Solidarität mit dieser Fraueninitiative den Gottesdienst um 18.30 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche abzusagen. Stattdessen sind die Gläubigen eingeladen, das Anliegen der Aktion im Gottesdienst auf dem Kirchplatz mitzutragen und auf diese Weise eine Erneuerung der Kirche einzufordern.

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