Frau Benz fährt das erste aller Autos

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 Um das erste von Carl Benz konstruierte Auto drehte sich das Musical „Zündfunken“. Seine Frau Bertha und die Söhne wurden in di
Um das erste von Carl Benz konstruierte Auto drehte sich das Musical „Zündfunken“. Seine Frau Bertha und die Söhne wurden in dieser Szene von den WG-Schülern dargestellt. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Das Automobil-Musical „Zündfunken“ haben die Theater-AG, der Chor und ein Instrumental-Ensemble des Wieland-Gymnasiums aufgeführt. Mit viel Spiel- und Sangesfreude brachten die Schüler das Stück auf die Bühne und bewiesen: So unterhaltsam kann Technik auch sein.

Der Benz-Patent-Motorwagen ist das erste von Carl Benz erbaute Automobil mit Verbrennungsmotor. Das Patent für dieses Dreiradfahrzeug wurde als DRP Nr. 37435 am 2. November 1886 erteilt. Anfang August 1888 fuhr seine Ehefrau Bertha Benz mit den beiden Söhnen heimlich mit dem Motorwagen von Mannheim in ihre Geburtsstadt Pforzheim und zurück. Die Alltagstauglichkeit der neuen Erfindung war bewiesen. Soweit die Historie.

Die Schüler des WGs haben jetzt diese Geschichte mit viel Spiel- und Sangesfreude als Musical aufgeführt. Der Ulmer Komponist und Autor Markus Münzer-Dorn hatte ihnen eine szenenreiche Handlung geschrieben und eine wohlklingend eingängige, gut sing- und spielbare Musik geschrieben, die die Handlung musikalisch prächtig illustriert. Einstudiert hatten das Ganze die Lehrer Lucia Strobel, Katja Wagner, Marion Weigele und Julian Schmid. Kunstlehrer Eduard Losing hatte aus Drähten und anderen leichten Werkstoffen das berühmte erste Auto in natürlicher Größe nachgebaut.

80-köpfiger Chor singt

Die Macher hatten das Szenario gleichsam dreigeteilt. Ganz außen war ein chemisches Labor vorgebaut. Man sah es in allen Farben in großen Bechergläsern brodeln, und Rundkolben mit Kugelkühlern verstärkten dekorativ den Laboreindruck. Auf der Bühne stand vor allem der etwa 80 Köpfe starke Chor, saßen die 15 Musiker. Dazu sah man das Wohnzimmer der Familie Benz. Für die Darstellung der historischen Fahrt hatten sich die Lehrer einen gelungenen Kniff einfallen lassen. Bertha und die Söhne trugen den federleichten Nachbau mehrfach durch den Saal, und als das Gefährt wegen Benzinmangels liegenblieb, geschah das halt direkt vor der Bühne.

Man sah und hörte abwechslungsreiche Szenen- und Musikfolgen. Der Chor begann, stimmte ein auf das Thema. Szenisch wurde gezeigt, wie der freudestrahlende Carl Benz (schönsprechend Shari Jäger) das erteilte Patent zeigt. Polizisten kamen und warnten, Nachbarn hatten sich beschwert, weil Pferde vor der „Knatterkutsche“ gescheut hatten. Der Chor sang über die „Ewig Gestrigen“, fragte „Wer erfand das Rad?“ Bertha Benz (tatkräftig Lea Deska) und Carl unterhalten sich über Gottlieb Daimler, der unter anderem den Einzylinder-Viertaktmotor erfand.

Am 1. August 1988 erhielt Benz für seine Erfindung die Fahrerlaubnis und seine Frau fasste wenige Tage später den Entschluss zu ihrer legendären Fahrt von zweimal einhundert Kilometern nach Pforzheim und zurück. Bertha Benz: „Wer nichts wagt, der hat schon verloren.“ In der Stadt-Apotheke in Wiesloch musste Benzin nachgekauft werden, das damals nur als Reinigungsmittel diente. So wurde diese Apotheke zur ersten Tankstelle der Welt.

Reparatur mit Hutnadel

Während der Fahrt mussten auch mehrere Reparaturen durchgeführt werden, von denen Bertha Benz zwei selbst auf offener Strecke erledigen konnte. Dazu Bertha später: „Das eine Mal war die Benzinleitung verstopft – da hat meine Hutnadel geholfen. Das andere Mal war die Zündung entzwei. Das habe ich mit meinem Strumpfband repariert.“ Carl schimpfte zwar über die Eigenmächtigkeit seiner Frau, sah aber auch den großen Durchbruch in der öffentlichen Meinung, anerkannte Berthas große Leistung: „Sie war wagemutiger als ich und hat eine für die Weiterentwicklung des Motorwagens entscheidende, sehr strapaziöse Fahrt unternommen!“ Mit seinem Maschinenbau-Ingenieur August Horch, dem späteren Gründer der Autofirma Audi, sprach er über seine Vorstellungen zur technischen Weiterentwicklung. Beide erklären dem Publikum die Arbeitsweise von Viertaktern, dazu gab es auch einen Song.

Das Musical war eine liebenswerte Einstudierung, brachte auf spielerisch-ernste Weise eine der wichtigsten Erfindungen der Menschen zum „Bühnenleben“. Die jungen Leute und ihre Lehrer erhielten zu Recht einen großen Applaus für ihre Arbeit und für ihr Spiel, denn so unterhaltsam kann Technik auch sein.

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