Fragmente des Wiener Großstadtlebens

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„Liebe möglicherweise“ heißt der Film, den Regisseur Michael Kreihsl in Biberach zeigte.
„Liebe möglicherweise“ heißt der Film, den Regisseur Michael Kreihsl in Biberach zeigte. (Foto: Georg Kliebhan)
Redaktionsleiter

Menschen treffen sich für eine gewisse Zeit, lieben sich, streiten sich und gehen irgendwann wieder eigene Wege. Dieses bunte Kaleidoskop des Wiener Großstadtlebens hat Regisseur Michael Kreihsl zu seinem Episodenfilm „Liebe möglicherweise“ inspiriert, der bei den Biberacher Filmfestspielen im Hauptwettbewerb zu sehen war.

Der verheiratete Familienvater Michael, der sich mit seiner Ehefrau streitet und von der pubertierenden Tochter nicht ernst genommen wird, verguckt sich in die Freundin seines besten Freundes. Dieser wiederum tröstet Michaels Frau, die als Ärztin seinen kranken alten Vater im Krankenhaus behandelt. Dort wiederum liegt ein Junge im Koma, der nach einem Ladendiebstahl auf der Flucht vor dem Kaufhausdetektiv in ein Auto gerannt ist. Seine Mutter sitzt tagein tagaus an seinem Bett und bekommt dort regelmäßig Besuch von einem fremden, dunkelhäutigen Mann, dem ihr Schicksal und das ihres verletzten Sohnes nicht egal zu sein scheint. Was es damit auf sich hat, erfährt der Zuschauer erst ganz am Ende des Films.

Es sind mehrere dieser kleinen Handlungsstränge, die Michael Kreihsl in seinem Film spinnt. Sie könnten auch für sich alleine stehen, es sind die handelnden Personen, die mal mehr, mal weniger starke Verbindungen zwischen diesen Episoden herstellen. Die Filmhandlung begleitet die Personen über einen Zeitraum von maximal ein paar Wochen. Wie es mit ihnen weitergeht, bleibt am Ende offen. „Ich hatte eine Drehbuchfassung mit einem abgeschlossenen Ende“, sagte der Regisseur in Biberach in der Publikumsdiskussion. Er habe es aber als falsch empfunden. „Unser Leben besteht aus Fragmenten, so wollte ich auch den Film verstanden wissen.“ Die handelnden Personen seien wie Moleküle oder Atome. „Sie kommen zusammen und trennen sich wieder nach einer gewissen Zeit“, sagt Kreihsl.

Wie er auf die Idee zu dem Film gekommen sei, will eine Zuschauerin wissen. „Ich bin ein leidenschaftlicher Beobachter von Menschen“, antwortet der Regisseur, „ich sitze gerne im Kaffeehaus in Wien und beobachte Menschen an den Tischen und versuche mir vorzustellen, in welcher Art von Beziehung sie zueinander stehen.“

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