Fotos werden zu farbintensiven Aquarellen

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Maler Thomas Schiela und Inge Rau vom Kunstverein (v. l.) vor einem der großformatigen Winterbilder.
Maler Thomas Schiela und Inge Rau vom Kunstverein (v. l.) vor einem der großformatigen Winterbilder. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Die Ausstellung dauert bis zum 30. September. Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter:

www.kunstverein-biberach.de

Aquarelle von Thomas Schiela zeigt der Kunstverein Biberach derzeit im Komödienhaus. Zur Eröffnung der Ausstellung war der Künstler selbst nach Biberach zu kommen, um in sein Werk einzuführen.

Inge Rau, stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, stellte Thomas Schiela vor: Der Künstler lebt und arbeitet in Xanten am Niederrhein, spielt in Düsseldorf Amateurtheater. Geboren 1966 in Duisburg, studierte er 1992/93 bei Gerrit Rietveld an der Akademie in Amsterdam und von 1993 bis 1997 bei Ingrid Roscheck und Gunther Keusen an der Kunstakademie in Münster, ab 1996 als Meisterschüler.

„Eiseswärme“ nennt Schiela die Auswahl seiner Werke im Komödienhaus. Er stellt dem sehr warmen Sommer drei Winterbilder entgegen, die heimelig-kuscheliges Empfinden hervorrufen, so der Künstler. Das maltechnische Grundprinzip seiner Arbeiten ist es, eigene Fotografien auf Leinwand, manchmal auch auf Papier in der später gewünschten Originalgröße zu projizieren, und in diese Projektionen mit Aquarelltechnik hinein zu malen, erläuterte der Künstler. Die Arbeit an einem Bild könne mehrere Monaten dauern.

In Schielas Katalog „Corso“ schreibt die Kunstautorin Renate Petzinger: „Aquarelltechnik bedeutet für ihn, die schnelle Malerei, alles Beiläufige aufgeben, sich mit höchster handwerklicher Konzentration und Akribie der Entstehung des einzelnen Bildes widmen. Langsam werden. Sich Zeit nehmen. Herausfinden, welches Trägermaterial, welche Farben, welche Grundierung sich am ehesten dazu eignen, dieser traditionsreichen Technik im Hier und Jetzt das verborgenen Geheimnis ihrer Möglichkeiten zu entreißen.“

Schielas Werke sind vielfach sehr großformatig. Im Komödienhaus hängen allein sieben Bilder mit Höhen von mehr als 1,20 Meter und Breiten bis zu 3,30 Meter. Durch diese Fast-Monumentalisierung werden viele Details erkennbar, die bei kleineren Formaten unsichtbar blieben. So sind zwei aus großer Höhe aufgenommene Bilder vom Industriegebiet von Las Vegas ausgestellt (je zwei auf drei Meter), deren Titel „Two seconds“ den Zeitabstand meint, in dem die Basisfotos entstanden sind. Man erkennt winzig kleine Autos und im nächsten Bild deren Bremslichter. Bei allen seinen Bildern ist man überwältigt von dem Reichtum an Details, die man in diesen extrem großformatigen Arbeiten findet.

Digitales Abbild der Welt

Ein Ausschnitt aus einem Stadtfoto von Marseille (1,15 auf 3,30 Meter) zeigt eine unendliche Fülle an architektonischen Einzelheiten unter bewusstem Verzicht auf eine klassische Horizontlinie mit Himmel und Wolken. Schiela stellt die Unschärfen, Verwacklungen, das Spiel des Lichts oder die Verzerrungen, die durch die Linse des Fotoapparats entstehen, in seinen Werken dar. Sie bezeugen deutlich ihren fotografischen Ursprung und geben eine Antwort auf die Frage: Warum man malen muss, was man fotografiert hat? Sein „Cocaine Piss“ ist dafür ein Beispiel. Der Künstler sagte selbst in seiner Rede: „Ich male nicht die Realität, ich male JPEG (ein digitales Format für Fotodateien; d. Red.) mit allen Fehlern, beschäftige mich mit dem digitalen Abbild dieser Welt.“ Es sind auch einige kleinerformatige Bilder zu sehen, als Selfie, mit einem Frauenkopf, als Tischvariationen, mit gymnastischen Übungen seiner selbst und einem nackten Frauenkörper.

Zum Schönsten dieser Ausstellung gehören die drei Winterbilder aus Altreichenau im Bayerischen Wald, die erst in diesem Jahr entstanden sind. Schiela erzählt von dortigen Kindheitserinnerungen, von nostalgischen Gefühlen bei der Arbeit.

Die Ausstellung dauert bis zum 30. September. Öffnungszeiten: mittwochs bis freitags von 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter:

www.kunstverein-biberach.de

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