Forschungsprojekt zum Ersten Weltkrieg ist fast beendet

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Bis dahin soll auch das Projekt „Heimat und Krieg“ abgeschlossen sein, an dem Interessengemeinschaft (IG) Heimatforschung im Kreis Biberach und der Familienkundliche Arbeitskreis Biberach seit mehr als dreieinhalb Jahren arbeiten (SZ berichtete). So entsteht zum einen eine Internet-Datenbank mit allen Kriegsteilnehmern aus Kommunen des heutigen Landkreises Biberach. Zum anderen soll im Frühjahr 2018 ein Buch erscheinen, das die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs in unserer Region umfassend beleuchtet.

Wolfgang Merk aus Warthausen, Vorsitzender der IG Heimatforschung, kennt inzwischen so ziemlich jedes Kriegerdenkmal im Landkreis. Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen hat er versucht, die Namen möglichst aller Kriegsteilnehmer aus den einzelnen Orten und deren Schicksal herauszufinden. „Bei den Gefallenen ist das oft einfach, ihre Namen stehen auf den Ehrentafeln“, sagt Merk. Viel schwieriger sei es aber gewesen, herauszufinden, wer im Krieg verletzt oder vermisst wurde oder wer wieder heimkehrte. Dies konnte zum Teil durch das Studium von Tage- und Heimatbüchern, alten Zeitungen oder Archivalien geklärt werden.

Von den rund 98 000 Menschen, die zu Kriegsbeginn 1914 im Gebiet des heutigen Landkreises Biberach lebten, seien rund 6000 im Krieg ums Leben gekommen, schätzt Merk. Die gesammelten Daten sollen im nächsten Jahr im Internet zur Verfügung gestellt werden. „Sie können dort Ahnen- und Heimatforschern als Grundlage für ihre Arbeit dienen“, sagt Claudia Natterer aus Ingerkingen vom Familienkundlichen Arbeitskreis. Außerdem besteht die Möglichkeit, diese Datenbank weiter zu ergänzen, sofern sich bislang nicht geklärte Schicksale klären lassen.

Begleitend dazu soll im Frühjahr 2018 ein rund 400 Seiten starkes Buch erscheinen, das Johannes Angele aus Reinstetten im eigenen Buchverlag herausbringt und das derzeit redigiert und gestaltet wird. Dieses Buch enthält eine große Zahl von Aufsätzen von insgesamt acht Autoren.

Sie beleuchten die Situationen der Soldaten aus dem Kreis Biberach im Krieg, werfen aber auch einen Blick auf die Situation und das Leben der Menschen hier in der Region während der vier Kriegsjahre. Dabei geht es um die hier eingerichteten Lazarette, die Versorgungslage, die Finanzierung des Krieges, die Informationspolitik, das Leben von Frauen und Kindern oder um Feldpostbriefe. Als DVD wird dem Buch ebenfalls die Liste aller Kriegsteilnehmer aus dem Kreisgebiet beigelegt.

Geplant ist laut Johannes Angele eine Auflage von zunächst 1000 Stück zum Preis von 29 Euro. „Wir richten uns mit dem Buch an alle Interessierten und bemühen uns deshalb um einem verständlichen Schreibstil“, sagt Angele. Das Werk werde kein trockenes Sachbuch, sondern eine lebendige Dokumentation mit vielen Fotos und Illustrationen. Jeder Ort aus dem Landkreis wird mit seinen Kriegsteilnehmern – soweit bekannt – erwähnt.

Sponsoren unterstützen Projekt

Auch wenn die einzelnen Schreiber ohne Honorar arbeiten, wäre ein solches Projekt ohne Sponsoren nicht zu stemmen. Neben der Gesellschaft für Heimatpflege Biberach wird das Projekt von der Kreisvereinigung der Volks- und Raiffeisenbanken, der Raiffeisenbank Biberach sowie der Volksbank Ulm-Biberach unterstützt. Ein ähnlich umfassendes Projekt über die regionalen Auswirkungen des Ersten Weltkriegs sei ihm in ganz Deutschland nicht bekannt, sagt Angele. Für die IG Heimatforschung sei es das mit Abstand größte Projekt gewesen, sagt Merk.

Für ihn hat das Ganze auch eine sehr emotionale Komponente. „Wenn man sich über so lange Zeit mit dem Schicksal von Kriegsteilnehmern aus der Region befasst, berührt einen das schon. Man wird zum Pazifisten“, sagt Wolfgang Merk. Ihn habe die Forschungsarbeit darin bestärkt, den Frieden in der Welt als höchstes Gut zu sehen.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es im Internet unter

www.weltkrieg-bc.de

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