Flugzeug lässt tonnenweise Kerosin über der Region ab

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Alf Geiger

Immer wieder hat vor einigen Tagen ein Jumbo-Jet seine Kreise am Himmel über der Region gezogen. Ein vollgetanktes Frachtflugzeug auf dem Weg von Mailand nach Seoul (Südkorea) musste am 1. Juli in Frankfurt landen. Da die Sicherheitslandung vollgetankt zu gefährlich war, musste der Pilot über der Region mehrere Tonnen Kerosin in der Luft ablassen – insgesamt wohl etwa 50 Tonnen. Experten gehen davon aus, dass der Großteil verdunstet ist und maximal eine Menge von 4000 Litern zur Erde gesunken ist.

Zu den genauen Ursachen hat die Fluggesellschaft Asiana Cargo mit Hauptsitz in Korea noch keine Angaben gemacht. Ein sogenannter Treibstoffschnellablass („Fuel Dump“) geschieht aber nur in Notsituationen, beispielsweise wenn nach dem Start ein technisches Problem auftritt oder ein Passagier einen Herzinfarkt erleidet. Er dient dazu, das Gewicht des Flugzeugs zu reduzieren. „Die Entscheidung zum Ablassen von Kerosin liegt ausschließlich in der Verantwortung des Piloten“, sagt Pressesprecher Christian Hoppe von der Deutschen Flugsicherung (DFS). Einfach so würde dies aber kein Pilot machen, da Kerosin ein teures Gut sei. Bei einem Treibstoffschnellablass müssen die Vorgaben der ICAO (Internationale Zivilluftfahrtorganisation) eingehalten werden, die unter anderem eine Mindesthöhe von 1800 Metern vorschreiben. In der Praxis ist die Flughöhe sehr viel höher, im Schnitt bei 6000 Metern. Bei diesen Höhen sei laut Hoppe „sichergestellt, dass der abgelassene Treibstoff nur in mikroskopisch kleinen Tröpfchen auf die Erdoberfläche“ treffe.

Nötig ist ein Treibstoffschnellablass, weil ein vollgetanktes Großraumflugzeug unmittelbar nach dem Start zu schwer für eine sichere Landung ist. Ob Treibstoffschnellablässe Folgen für Gesundheit und Umwelt haben, ist unklar. Experten sagen, dass sich Kerosin in der Luft sofort verflüchtigt und daher nur ein Bruchteil überhaupt den Boden erreicht. Das Umweltbundesamt gebe dieses Jahr ein Gutachten zum Thema „Umweltrisiken von Kerosinablässen“ in Auftrag, sagt Hoppe.

Route führt übers Illertal

Für den Treibstoffschnellablass zog der Flieger weite Kreise – von Oberstadion im Westen bis nach Landsberg im Osten. Dabei flog der Jet auch über Illertalgemeinden wie Dettingen sowie Biberach und Erbach. Wahrscheinlich sei dieses Gebiet gewählt worden, weil dort zu diesem Zeitpunkt kein anderer Flugverkehr stattfand und es von der Geografie her gepasst habe, so Hoppe. „Das ist immer eine Einzelfallentscheidung.“ Es gebe keine bestimmten Gebiete, wo Flugzeuge für einen Treibstoffschnellablass hingeschickt würden.

Mehr als drei Millionen Flüge

Hoppe bezeichnet die Fälle von „Fuel Dump“ als „sehr selten“ angesichts der steigenden Zahl von Flügen – an einem einzigen Tag manchmal mehr als 11 000 über Deutschland. Seine Kollegin, Sandra Teleki, verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die DFS im vergangenen Jahr 3,1 Millionen Flüge kontrolliert habe. Bundesweit hätten sich 26 Fälle von Kerosinablässen in 2017 ereignet. In Baden-Württemberg kommt dies aber äußerst selten vor. „Es gab im vergangenen Jahr einen Fall in der Region Stuttgart“, erläutert Teleki. In Bayern ereigneten sich insgesamt sechs Fälle.

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