Filmkritik: „Sauacker“

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Konrad Kienle (von links), Regisseur Tobias Müller und Philipp Kienle haben ihren Film "Sauacker" bei den 35. Biberacher Filmfes (Foto: Daniel Häfele)
Schwäbische Zeitung

Die Vorfahren von Konrad Kienle und seines Sohns Philipp hätten wohl nie damit gerecht, dass der im Jahr 1725 entstandene Bauernhof in Laiz (Kreis Sigmaringen) eines Tages auf der großen Kinoleinwand zu sehen ist. Regisseur Tobias Müller hat über die schwäbischen Landwirte einen Dokumentarfilm gedreht, der schonungslos zeigt, wie kleine Landwirtschaftsbetriebe um ihre Existenz kämpfen. Jetzt wurde der rund 80-minütige Film „Sauacker“ bei den 35. Biberacher Filmfestspielen vorgestellt.

Die Sonnenstrahlen blinzeln durch die Ähren und im Stall wird ein Kalb geboren – zu Beginn der Doku bietet Tobias Müller den Zuschauern eine klischeehafte Idylle vom Leben auf dem Bauernhof. Doch bereits nach wenigen Minuten wird klar: Für dieses Idyll müssen Vater und Sohn hart arbeiten. Und noch mehr: Die Existenz der Familie steht auf dem Spiel. Veraltete Maschinen, Auflagen der Politik, fallende Preise – der Familienbetrieb gerät wirtschaftlich immer mehr unter Druck.

Keine Scheu vor der Kamera

Dennoch fühlt sich Philipp Kienle dazu berufen, den elterlichen Hof weiterzuführen. Obwohl er bereits acht Stunden im Schichtbetrieb arbeitet und zusätzlich einen Minijob hat, hält er an seinem Plan fest. Was ihn antreibt: die Tradition. Das zeigt Regisseur Tobias Müller eindrucksvoll, als sich Philipp Kienle ein Tattoo mit den Jahreszahlen „1725“ auf den Arm stechen lässt. In dem Jahr hat sich der erste Kienle als Landwirt in Laiz niedergelassen. Philipp Kienle will nicht derjenige sein, der nach zehn Generationen den Hof aufgibt.

Von einem Landleben-Idyll à la „Bauer sucht Frau“ ist wenig zu spüren. Die Beziehung zwischen Philipp und seiner Freundin zerbricht, es gibt immer wieder Diskussionen zwischen Vater und Sohn, Philipp überlegt sogar, sein heißgeliebtes Auto aus Geldnot zu verkaufen. Familie Kienle gibt tiefe Einblicke in ihr Leben. Das ist zum einen Tobias Müller zu verdanken, dem es irgendwie gelungen ist, die typisch schwäbische Verschlossenheit zu knacken. Zum anderen lebt der Film von den starken Protagonisten Philipp und Konrad Kienle, die keine Scheu haben, vor der Kamera einen Disput auszutragen. „Wir haben uns nicht verstellt“, sagt Konrad Kienle vor den Filmfestbesuchern. Er und sein Sohn sowie der Regisseur stellten sich im Anschluss des Films den Fragen des Publikums.

Film macht nachdenklich

Der Dokumentarfilm „Sauacker“ macht nachdenklich. Einerseits wie man aus Bequemlichkeit zu leichtfertig in aussichtlosen Situationen aufgibt, andererseits zu verbissen an Bisherigem festhält. Eine Lösung, wie der Hof überleben kann, hat der Film nicht parat. Doch das will er auch nicht. Regisseur und die beiden Landwirte betonen: „Wir wollen zeigen, was in der Landwirtschaft vor sich geht.“ Das haben sie so gut, dass von dem Idyll „Leben auf dem Bauernhof“ kaum etwas übrig bleibt.

www.sauacker.com

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