Filmkomödie funktioniert auch im Theater

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In einer Bühnenfassung zeigte das Theater Lindenhof das Stück „Honig im Kopf“.
In einer Bühnenfassung zeigte das Theater Lindenhof das Stück „Honig im Kopf“. (Foto: Gerhard Trüg)
Gerhard Trüg

Das Theaterstück „Honig im Kopf“, das auf dem gleichnamigen Kinofilm von Hilly Martinek und Til Schweiger basiert, ist am Mittwochabend in der Biberacher Stadthalle in der Bearbeitung und unter der Regie von Heiner Kondschak präsentiert worden. Gespielt wurde es vom Theater Lindenhof.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Die zwölfjährige Tilda (Linda Schlepps) liebt ihren Opa Amandus (Berthold Biesinger) über alles. Amandus ist an Alzheimer erkrankt und baut nach dem Tod seiner geliebten Frau Margarete zusehends ab. Die Familie nimmt ihn bei sich auf. Seine Krankheit stellt jedoch Tildas Eltern Niko (Boris Rosenberger) und Sarah (Kathrin Kestler) auf manch harte Probe. Enkeltochter Tilda schafft es, ihrem Opa mit Verständnis zu begegnen und entführt ihn auf eine abenteuerliche Reise nach Venedig.

Die Geschichte beginnt mit der Trauerfeier von Amandus‘ Frau Margarete, bei der Amandus es sich nicht nehmen lässt, eine kurze Rede zu halten, bei der dem Zuschauer schnell klar wird, wie sehr ihm die Krankheit schon zugesetzt hat. Er schwärmt aber von Venedig, wo er vor 40 Jahren seiner Margarete einen Heiratsantrag gemacht hat.

Beim Witze erzählen ist Amandus aber immer noch Spitze. Das zieht sich durch das ganze Stück, auch als seine Krankheit immer weiter voranschreitet. So fragt er noch kurz nach der Trauerfeier, was auf dem Grabstein eines Schornsteinfegers steht und liefert gleich die Antwort: „Er kehrt nie wieder“. Solche Kalauer durchziehen das ganze Stück und lockern die an sich bedrückende Geschichte auf.

Regisseur Kondschak trat gleich in mehreren Funktionen und Gestalten auf. Er schrieb die Musik, die Lieder und Liedtexte und spielte sehr gekonnt und inspirierend Keyboard. Er schlüpfte auch in mehrere Rollen, war Pfarrer, Organist, Polizist, Fahrkartenverkäufer und vieles mehr.

Immer wieder wurden die Dialoge der Spieler durch die Lieder von Amandus unterbrochen, wenn er seine Gedanken und Gefühle reflektierte und so die ansonsten im Theater üblichen Monologe in Liedform darstellte. Die von Amandus gezeigte Offenheit und Ehrlichkeit erzeugte beim Zuhörer Empathie und Zuneigung. Berthold Biesinger konnte in dieser Rolle voll überzeugen.

Für Schwiegertochter Sarah war die Anwesenheit ihres Schwiegervaters zunächst eine große Last. Aber auch sie zeigte durch die immer absurderen Handlungen von Amandus Mitleid und auch Mitgefühl. Kathrin Kestler wandelte sich überzeugend von der zunächst schroff abweisenden zur liebevollen verständigen Schwiegertochter.

Sohn Nico führte einen verzweifelten Kampf zwischen seinen Verpflichtungen als Sohn und den Anforderungen seines Berufes und seiner Ehe. Erst beim Wiedersehen aller am Schluss in Venedig konnte er seine Liebe zu seinem kranken Vater gestehen.

Eine große Sympathieträgerin war Linda Schlepps als Tilda. Ihre Liebe zu ihrem Opa durchzieht das ganze Stück. Sie ist der Garant für die bedingungslose Hinwendung zu dem kranken Menschen und schließlich durch ihre jugendliche Heldentat verantwortlich für Versöhnung der Eltern. Anrührend ist, wie am Schluss Amandus, als er selbst Tilda nicht mehr erkennt, das Lied „Es geht eine dunkle Wolke“ singt. Das Theater Lindenhof hat die schöne Geschichte packend und zugleich mitfühlend präsentiert.

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