Film gibt Einblick in das Leben eines syrischen Krankenpflegers

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 Im Krankenhaus Bad Waldsee durfte das Filmteam einen Tag im Intensivbereich drehen.
Im Krankenhaus Bad Waldsee durfte das Filmteam einen Tag im Intensivbereich drehen. (Foto: Tanja Bosch)

Es ist eine bewegende Geschichte, die der Syrer Yazan Alnakdali in seinem ersten Kurzfilm „21. März“ verarbeitet hat. Im Mittelpunkt steht ein Krankenpfleger aus Damaskus, der während des schrecklichen Bürgerkriegs Schlimmes erlebt hat. Der Einblick in den Alltag eines syrischen Krankenhauses zeigt ein besonderes Schicksal und was Menschen in einem Kriegsgebiet alles ertragen müssen. Es ist die Geschichte von Hussein Alalan. Die beiden Syrer haben sich nach ihrer Flucht in Biberach kennengelernt.

 Yazan Alnakdali spielt selbst die Hauptrolle, hier mit Kameramann Maik Weber aus Ulm.
Yazan Alnakdali spielt selbst die Hauptrolle, hier mit Kameramann Maik Weber aus Ulm. (Foto: Tanja Bosch)

„Als ich seine Geschichte zum ersten Mal gehört habe, konnte ich sie einfach nicht vergessen. Sie hat mich sehr berührt“, sagt Yazan Alnakdali, der seit vier Jahren in Biberach lebt. Der 23-jährige Syrer studiert Schauspiel an der Akademie für darstellende Kunst (AdK) in Ulm. Nun hat er sich als Regisseur und Schauspieler an seinen ersten Kurzfilm gewagt. „Mein Ziel ist es, Menschen eine wahre Geschichte aus meiner Heimat zu zeigen“, sagt er. „Die Leute sollen nicht vergessen, dass es irgendwo in einem Land Krieg gibt.“

Große Unterstützung der Klinik

Dieses Leben im Krieg wollte der junge Filmemacher im Krankenhaus in Bad Waldsee nachspielen. Zwei Tage durften er und sein Filmteam in der Klinik drehen. „Das war schwierig, weil es hier natürlich nicht wie in einem syrischen Krankenhaus aussieht. Hier gibt es kein Chaos.“ Viel Unterstützung gab es von der Klinik, die Mitarbeiter und Verantwortlichen haben alles für das Filmteam bereitgestellt. Gedreht wurde auf dem Flur, im Patientenzimmer und in einem OP-Saal.

„Wir helfen nach unseren Möglichkeiten gerne dabei, für Filme eine authentische Krankenhauskulisse zu bieten“, sagt Winfried Leiprecht, Leiter Marketing und Unternehmenskommunikation bei der Oberschwabenklinik. „In diesem Fall freut es uns besonders, dass wir einen jungen, aus Syrien stammenden Regisseur unterstützen konnten, der sicher einen ganz eigenen Film präsentieren wird.“ Was in den Nachrichten gezeigt wird, sei ebenfalls eine Art Kulisse, hinter der die brutale Wirklichkeit eines Krieges erst noch entdeckt werden müsse. „Ich glaube, der Film wird hierzu einen Beitrag leisten, indem er eine Geschichte hinter den oberflächlichen Sensationsbildern erzählt“, so Leiprecht.

 Der kleine Mahmoud Arab aus Maselheim hat die Rolle des Kindes übernommen: „Er hat das so gut gespielt, dass ich nicht das Gefü
Der kleine Mahmoud Arab aus Maselheim hat die Rolle des Kindes übernommen: „Er hat das so gut gespielt, dass ich nicht das Gefühl hatte, er ist erst sieben Jahre alt“, so der Regisseur. (Foto: Tanja Bosch)

Im Mittelpunkt des rund zwölfminütigen Kurzfilms stehen der Krankenpfleger und ein Kind, das nach einem Bombenangriff ins Krankenhaus eingeliefert wird. Das alles geschah am 21. März 2013 in Damaskus. Muttertag in Syrien. Für den Dreh suchte Yazan Alnakdali nach einem siebenjährigen Jungen, der den Jungen mit dem Namen Hamoudi spielen sollte. Der kleine Mahmoud Arab aus Maselheim hat die Rolle übernommen. „Er hat das so gut gespielt, dass ich nicht das Gefühl hatte, er ist erst sieben Jahre alt“, so der Regisseur. „Ich habe gefühlt, als will er den Menschen, die den Film sehen, auch zeigen, was Kinder in Syrien erleben müssen.“

Alle Schauspieler leben in und um Biberach

Als Hussein Alalan, der Krankenpfleger, der die Geschichte selbst erlebt hat, vom Kurzfilm erfahren hat, war er gerührt: „Ich habe so viele Geschichten über mein Leben in Syrien geschrieben, weil ich sie nicht vergessen will. Ich habe noch viel Schlimmeres gesehen, aber die Mutter aus dieser Geschichte kann ich nie in meinem Leben vergessen“, erzählt der 29-Jährige, der in Deutschland wieder als Krankenpfleger arbeitet. „Ich vertraue Yazan, dass er meine Geschichte gut erzählt.“

Die anderen Schauspieler, die im Film mitwirken, stammen ebenfalls aus Syrien und leben in und um Biberach. Erzählt wird die Geschichte im Kurzfilm auf Deutsch: „Ich will, dass alle Leute den Film verstehen.“ Jetzt ist es Yazan Alnakdali ein Herzensanliegen, den Film möglichst vielen Menschen zu zeigen. „Nicht, weil ich bekannt sein will, sondern weil niemand die Kinder vergessen soll, die im Krieg gestorben sind“, sagt der 23-Jährige. Eine Chance, den Kurzfilm „21. März“ zu präsentieren, könnten die Biberacher Filmfestspiele sein.

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