Für eine Klinik gibt's das gleiche Geld wie für vier

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Für eine Klinik gibt's das gleiche Geld wie für vier
Für eine Klinik gibt's das gleiche Geld wie für vier
Schwäbische Zeitung

Die Kreiskliniken und ihr Sanierungsbedarf sind derzeit im Kreistag ein heiß umstrittenes Thema. Doch wie steht es wirklich um die Kliniken? Sind ein oder zwei der bisher vier Häuser in Gefahr? SZ-Redakteurin Katja Tölle hat mit dem Geschäftsführer der Kliniken Landkreis Biberach GmbH, Hartmut Masanek, darüber gesprochen.

SZ: Die Kreisräte diskutieren -- und streiten -- hinter verschlossenen Türen über die Zukunft der Kreiskliniken. Die Rede war von einem „Sanierungsstau“. Wie marode sind die Kreiskliniken wirklich?

Masanek: Die Kreiskliniken sind medizinisch gut aufgestellt. Alle vier Standorte leisten eine sehr gute medizinische Arbeit. Wie viele andere Kliniken in unserer Nachbarschaft auch, wollen wir darüber hinaus das räumliche Angebot für unsere Patienten verbessern und unter anderem alle Patientenzimmer mit Nasszellen ausstatten. Auch muss in den Häusern, die vor zirka 20 Jahren erbaut wurden oder noch länger für unsere Patienten genutzt werden, in die Betriebstechnik investiert werden: Heizungen, Lüftungsanlagen und ähnliches. Das ist nichts Ungewöhnliches, wie jeder Hausbesitzer weiß. Der Patient merkt von diesen Maßnahmen nichts, weil die Anlagen derzeit funktionsfähig sind. Aber wir wissen, was in den nächsten Jahren auf uns zukommt, und wollen gerüstet sein. Deshalb haben wir eine Planung für die nächsten zehn bis zwölf Jahre aufgestellt, notwendige und wünschenswerte Investitionsmaßnahmen zusammengetragen.

Was muss getan werden, um die vier Häuser konkurrenzfähig zu machen?

Die Häuser sind konkurrenzfähig. Wir sind medizinisch gut ausgestattet. Für unsere Patienten leisten wir eine sehr gute Arbeit, das Wichtigste eines Krankenhauses. Wir arbeiten äußerst wirtschaftlich und konnten in den vergangenen Jahren positive Ergebnisse vorlegen. Die Frage müsste vielmehr lauten, wie wir auch in Zukunft diese guten Leistungen erbringen können. Und dazu müssen wir investieren. In medizinische Ausstattungen, in Gebäude und in unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gerade im Gesundheitswesen bedeutet Stillstand Rückschritt. Wir wollen nicht stehen bleiben, sondern in die Zukunft investieren und unseren Patienten immer die neusten medizinischen Angebote machen.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Unsere Kliniken Landkreis Biberach GmbH hat drei Unternehmensbereiche an vier Standorten. Vier Kliniken in Biberach, Laupheim,Riedlingen und Ochsenhausen, die Kreispflegeheime an den gleichen Standorten und unsere Klinik für Geriatrische Rehabilitation in Biberach. Wir wollen alle Unternehmensbereiche an allen Standorten baulich weiterentwickeln. Hinzu kommen die Erneuerung der medizinischen Ausstattung in den nächsten zehn bis zwölf Jahren sowie die Umsetzung der neuen baulichen Anforderungen im Bereich von Energiesparmaßnahmen. Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht aber insbesondere die bauliche Erweiterung der Klinik in Biberach an, die inhaltlich auch mit dem Sozialministerium in Stuttgart abgestimmt ist. Hier müssen für die Patientenversorgung eindeutig rund 1800 Quadratmeter Fläche zusätzlich geschaffen werden. Auch gibt es seit diesem Jahr eine neue Heimbauverordnung, auf Grund derer wir die Kreispflegeheime in ihrer baulichen Struktur und Ausstattung in den nächsten zehn Jahren vollständig an die geänderten Anforderungen anpassen müssen.

Stimmt die Summe von 200 Millionen Euro, die für diese Maßnahmen gehandelt wird?

Unsere Planungen beinhalten nicht nur Sanierungsmaßnahmen, sondern auch bauliche Erweiterungen, Investitionen in Medizintechnik und Betriebstechnik sowie die Weiterentwicklung der Gebäude an die heutigen Baustandards. Über konkrete Zahlen für jeden einzelnen Maßnahmenteil kann man erst dann reden, wenn der Umfang der Maßnahmen im Einzelnen festgelegt ist und der Zeitraum feststeht, in dem wir diese Maßnahmen umsetzen wollen. Bis dahin ist jeder Betrag zunächst eine Schätzung, die ohne Variantenbetrachtungen und Grundsatzentscheidungen nicht belastbar ist.

Sind alle vier Häuser gesichert – oder stehen welche auf der Kippe?

Die Kliniken Landkreis Biberach GmbH arbeitet hoch wirtschaftlich. Doch in der Vergütung für unsere Leistungen sind nicht die Vorhaltekosten für die vier Standorte enthalten, oder mit anderen Worten gesagt: Wir erhalten genauso viel Geld, wenn wir die Leistungen an einem Ort erbringen, haben aber nicht die Bereitstellungskosten für vier Klinikstandorte. Die Mitarbeiter der Kliniken haben diese zusätzlichen Bereitstellungskosten für vier Klinikstandorte durch eine besonders wirtschaftliche Verhaltensweise erarbeitet. Der wirtschaftliche Druck ist durch die Kostendämpfungspolitik des Bundes enorm. Dennoch haben wir es in der Vergangenheit erreicht, mit den zur Verfügung stehenden Mitteln auszukommen. Es konnten sogar Rücklagen angesammelt werden. Wir werden nun ein Gesamtpaket schnüren und verschiedene Handlungsoptionen mit dem Kreistag diskutieren.

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