Er prägte die Biberacher Theaterlandschaft nachhaltig

Lesedauer: 4 Min
Otto Herzog †
Otto Herzog † (Foto: privat)

Otto Herzog, langjähriger Leiter des Biberacher Schützentheaters und Spielleiter des Dramatischen Vereins ist tot. Er starb nach längerer Krankheit am vergangenen Samstag im Alter von 96 Jahren in Altshausen im Kreise seiner Familie.

Herzogs Leben und seine Liebe galt dem Theater. Als verwundeter Soldat hatte Herzog in Schlesien in einer professionell geführten Theatergruppe einer Genesungskompanie die Liebe zum Schauspiel entdeckt. Nach der Heimkehr aus dem Kriege setzte er engagiert und innovativ noch heute gültige Maßstäbe für die beiden bedeutenden Biberacher Kulturinstitutionen Schützentheater und Dramatischer Verein.

1949 übernahm der 29-Jährige die Leitung des Schützentheaters und gab diesem neue Impulse. So wurden etwa Buben zu gleichberechtigten Mitspielern. In den Jahrzehnten vor Herzog war es üblich, Könige und sonstige Respektsfiguren mit erwachsenen Darstellern des Dramatischen Vereins zu besetzen. Herzog setzte auch für diese Rollen Jugendliche ohne Dram-Vorerfahrung ein. Auch technisch entwickelte er die Produktionen weiter, baute 1953 für „Dornröschen“ erstmalig eine Drehbühne. Die Dauer einer Aufführung verkürzte er konsequent auf etwa zwei bis höchstens zweieinviertel Stunden, was der kindlichen aktiven wie passiven Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit gerechter wurde. 1966 gab Otto Herzog die Theaterleitung ab und verließ Biberach aus beruflichen Gründen in Richtung Ravensburg. In 17 Jahren hatte er 13 Märchen bearbeitet, in spielgerechte Form gebracht und selbst inszeniert.

In den Jahren 1962 bis 1965 zeichnete Otto Herzog auch verantwortlich für die Inszenierung der Heimatstunde. „Meine Heimatstunden waren Hymnen an die Heimat“, sagte er einmal rückblickend über diese Zeit.

Beim Dramatischen Verein brachte Herzogs Wiederbelebung der Klassiker 1949 einen ersten Höhepunkt, Goethes „Iphigenie“. 1950 folgte zur 700-Jahr-Feier der Stadt der „Sturm“, mit dem 1761 in Biberach Shakespeares europäischer Siegeszug begann. Intensive Probenabende und sorgfältige Sprachpflege führten den Verein unter seinem begeisternden Spielleiter, der auch selbst Rollen übernahm, in den nächsten Jahren zu weiteren denkwürdigen Aufführungen wie „Romeo und Julia“, „Kabale und Liebe“, „Sommernachtstraum“ und „Jedermann“. Es war unter Herzog eine künstlerisch reiche Zeit.

Ab 1946 wurde das Silvester-Lustspiel zu einer festen Einrichtung, und Otto Herzogs Repertoire umfasste neben den großen Klassikern auch dieses Genre, das er von 1947 bis zu seinem Ausscheiden 1964 meisterhaft beherrschte. Insgesamt 26 Dram-Inszenierungen machten ihn zum Erfolgsregisseur, der das Kinder- und Erwachsenentheater in Biberach geprägt hat.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen