Er gab wichtige Impulsefür das Wieland-Archiv

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Hansjörg Schelle
Hansjörg Schelle (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Der Literaturwissenschaftler Professor Hansjörg Schelle ist im Alter von 87 Jahren am 17. Januar in Biberach verstorben. Seinen Forschungsschwerpunkt bildeten die Literatur und Kultur des 18. Jahrhunderts. Er befasste sich intensiv mit den Werken Christoph Martin Wielands und gab wichtige Impulse für die Festlegung der Sammlungsschwerpunkte des Wieland-Archivs.

Hansjörg Schelle entstammte einer alten Biberacher Familie. Er war der Enkel von Reinhold Schelle, der 1907 das Wieland-Museum im Wieland-Gartenhaus in der Saudengasse gründete, und Sohn von Eugen Schelle, der das Museum mit Archiv von 1940 bis 1972 leitete. 1972 sind beide Einrichtungen in das Eigentum der Stadt Biberach übergegangen und heute Bestandteil der Christoph-Martin-Wieland-Stiftung Biberach.

Nach dem Abitur in Biberach studierte Hansjörg Schelle in Tübingen und promovierte in Zürich 1967 mit einer Dissertation zu Ernst Jünger. Sein beruflicher Weg führte ihn über das Lycee Cndorcet in Paris und die University of Cincinnati 1967 an die University of Michigan in Ann Arbor, wo er als Professor für Deutsche Literatur lehrte. 1996 kehrte er mit seiner Frau Ruth zurück nach Biberach, wo ihn weiterhin literaturwissenschaftliche Arbeiten zur deutschen Literatur und Kultur des 18. Jahrhunderts sowie zum Werk Christoph Martin Wielands beschäftigten.

In den 50er- und 60er-Jahren hatte Hansjörg Schelle seinem Vater Eugen wichtige Impulse für die Festlegung von Sammlungsschwerpunkten des Wieland-Archivs gegeben. 1981 gab er eine der ersten umfassenden Aufsatzsammlungen zum Leben und Werk des Dichters heraus. Es folgten zahlreiche literaturwissenschaftliche Veröffentlichungen, darunter akribisch recherchierte bibliografische Beiträge in renommierten Zeitschriften und Jahrbüchern. Über viele Jahre war er im Wissenschaftlichen Beirat der Wieland-Studien und Mitglied in der Lessing Society und in der American Society for Eighteenth Century Studies.

1983 wurde Hansjörg Schelle die Wieland-Medaille in Gold der Stadt Biberach verliehen. „Die Wieland-Stiftung mit Wieland-Museum und -Archiv ist den drei Schelle-Generationen im Dienste des Dichters zu großem Dank verpflichtet“, schreibt die Wieland-Stiftung anlässlich des Todes von Hansjörg Schelle.

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