Er baute den Landtag in Stuttgart

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„Ich schätze Biberach seit fast 50 Jahren und fühle mich hier sehr wohl“, sagt Architekturprofessor Hans Schmidberger, der heute
„Ich schätze Biberach seit fast 50 Jahren und fühle mich hier sehr wohl“, sagt Architekturprofessor Hans Schmidberger, der heute (Foto: Gerd Mägerle)
Schwäbische Zeitung
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Jedes Kind in Oberschwaben kennt die Wilhelma in Stuttgart. Wer politisch interessiert ist, kennt das Landtagsgebäude beim Neuen Schloss, das derzeit umgebaut wird. Die wenigsten aber wissen vermutlich, dass Hans Schmidberger, der seit 1967 in Biberach lebt, bei beiden Projekten die Bauleitung hatte. Der Architekturprofessor, der mehr als 20 Jahre an der Biberacher Hochschule lehrte, wird heute 90 Jahrte alt.

Geboren wurde Schmidberger im südbadischen Brombach bei Lörrach. Nach dem Notabitur in den Kriegsjahren meldete er sich 1942 zur Kriegsmarine und wird dort bis Kriegsende zum Leutnant zur See befördert. Seinen Dienst verrichtete er auf einem Minenräumboot. Die Liebe zur See ließ ihn nicht mehr los. „Ich habe mich innerlich nie von Wasser und Meer getrennt. Eigentlich sollte das mein Leben werden.“

Das Kriegsende verändert aber alles. Nach der Internierung schlägt er sich 1946 nach Brombach durch. Im gleichen Jahr beginnt er ein Architekturstudium an der TH Karlsruhe. Nach zwei Jahren muss er es unterbrechen, um Geld zu verdienen. Er kommt in Kontakt mit dem bedeutenden Architekten Egon Eiermann – eine Begegnung, die Schmidbergers weiteres Leben nachhaltig prägen sollte.

Eiermann macht den jungen Studenten, der noch nicht mal ein Vordiplom hat, zum Bauleiter für den Neubau der CIBA AG im badischen Wehr. Diese Arbeit erledigt er so gut, dass er von der CIBA AG übernommen wird, um das Projekt komplett zu Ende zu führen.

Anschließend nimmt er sein Architekturstudium wieder auf, bis kurz vor dem Diplom erneut Eiermann bei ihm anklopft. „Er sagte nur: Schmidberger, ich brauch’ dich. Studieren kannst du später immer noch.“ Nach kurzem Verhandeln überträgt er Schmidberger 1954/55 die Bauleitung für das Verwaltungsgebäude des Modeverlags Burda in Offenburg.

Nach seiner Diplomprüfung 1955 geht Schmidberger zunächst zurück in ein Architekturbüro ins heimische Brombach. In der Zwischenzeit hatte er dort geheiratet. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Ich wollte wieder raus in die Welt.“ Über den Kontakt zum Designer Teddy Baumann kommt Schmidberger Ende 1957 zur staatlichen Hochbauverwaltung des Landes nach Stuttgart. Dort überträgt man ihm 1958 die Leitung für den Bau des Landtagsgebäudes, das er 1961 vollendet. Kein Wunder, dass ihm das Herz blutet, wenn er die Bilder vom aktuellen Umbau des Gebäudes sieht. „Das ist ein Eingriff, der in Teilen eine Zerstörung ist“, sagt er.

Von 1961 bis 1967 kümmert er sich als Bauleiter um die Erweiterung der Stuttgarter Wilhelma. In dieser Zeit entstehen das Aquarium, das Raubtier- , das Dickhäuter- und das Flusspferdehaus sowie der Betriebshof.

1966 wechselt Schmidberger in die Lehrtätigkeit im Fachbereich Architektur der Staatlichen Ingenieurschule Biberach, wie die spätere FH und heutige Hochschule damals hieß. 1971 erfolgt die Ernennung zum Professor. Bis zu seinem Ruhestand 1987 unterrichtet er hier mehrere Generationen junger Architekten.

In seiner Nebentätigkeit als Architekt plante er auch das erste Verwaltungs- und Lehrgebäude der FH Biberach an der Karlstraße 9/11. Bis 1995 ist Schmidberger auch als Sachverständiger der IHK tätig, wenn es um Fragen von Honorare für Architektenleistungen geht. Seinen 90. Geburtstag feiert er am kommenden Wochenende im Kreise seiner Kinder und Enkel.

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