Einblick in Arbeitsalltag von Pflegekräften

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Kamen bei der Eröffnung der Ausstellung zum Thema Pflege im Biberacher Rathaus zusammen: (von links) Michael Wissussek, Oberbür
Kamen bei der Eröffnung der Ausstellung zum Thema Pflege im Biberacher Rathaus zusammen: (von links) Michael Wissussek, Oberbürgermeister Norbert Zeidler, Peter Niedergesäss, Diakon Roland Fritzenschaft und Pfarrer Klaus Sanke. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Im Biberacher Rathaus ist bis zum 25. Juni die Ausstellung „Gute Pflege ist mehr als…“ zu sehen. Sie stellt den Arbeitsalltag der Pflegekräfte in den Mittelpunkt. Zitate von Pflegenden regen zum Gespräch und zum Nachdenken an. Die Ausstellung wurde von der der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) zusammengestellt und nun bei einer kleinen Feierstunde eröffnet.

„Wir Katholiken sind in der Pflicht, dafür einzustehen, dass die Menschlichkeit nicht verloren geht“, sagte der Ausstellungsorganisator Diakon Roland Fritzenschaft vom Netzwerk Betriebsseelsorge des Dekanats Biberach. „Die Frauen und Männer in der Pflege geben den Menschen die Würde zurück“, so Fritzenschaft weiter.

Biberachs Oberbürgermeister Norbert Zeidler sagte, die Ausstellung weise sehr gut darauf hin, dass aufgrund des durchorganisierten Arbeitsalltags in der Pflege keine Zeit mehr da sei, sich mit den Menschen zu beschäftigen. „Es sollte unsere gemeinsame Anstrengung sein, die Pflegeberufe wieder attraktiv zu machen“, so Zeidler.

„Pflege ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Gottesdienst, für den ich namens der Kirche allen recht herzlich Vergelt’s Gott sagen möchte“, sagte der stellvertretende Dekan Klaus Sanke. Für eine Zivilisation stelle genau die Fürsorge für alte Menschen das Unterscheidungsmerkmal dar. Die Ausstellung sei wichtig, da sie darauf hinweise, dass es in der Pflege trotz Vorgaben und Richtwerten genügend Zeit für Zuwendung und Ansprache geben müsse.

Die KAB habe seit einigen Jahren den Schwerpunkt Pflege, sagte Diözesansekretär Peter Niedergesäss. Die Idee der Flashmobs verbreitete sich bundesweit und so fanden in 100 Städten, darunter auch Biberach, Flashmobs zum Thema „Die Pflege liegt am Boden“ statt. Daraufhin wurde in Baden-Württemberg eine Enquetekommission Pflege eingerichtet. Die Ergebnisse stehen im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung drin. Niedergesäss berichtete, dass die Bundesregierung einen Pflegebeauftragten berufen habe. „Aber es muss jetzt etwas passieren, sonst geht es mit der Pflege den Bach hinunter“, mahnte Niedergesäss.

Bessere Vernetzung gefordert

Aus der Praxis berichtete Michael Wissussek, der in unterschiedlichen Bereichen der Pflege tätig ist. Er liebe seinen Beruf, sagte Wissussek und rief dazu auf, dass sich im Landkreis alle an der Pflege Beteiligten besser vernetzen sollten. „Die Pflege werde durch Verordnungen, die sich nicht halten lassen, zerstört“, sagte der Praktiker. Er forderte einen Wandel „runter von der Professionalität der Pflege hin zur Menschlichkeit“. Für Nachdenklichkeit sorgten auch die Silberstars des Pflegeheims Danner mit kritischen Texten zur Pflege.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Am Mittwoch, 22. Juni, 19 Uhr, hält Prof. Matthias Möhring-Hesse von der Universität Tübingen im Rathaus einen Vortrag zum Thema „Pflege in sozial-ethischen Perspektiven“.

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