Ein Pavillon für Kunst, Kultur und mehr

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 Die Architekturstudenten Veronika Kazmeier (v. l.), Philipp Wild, Tim Veile, Antonios Antoniadis, Natalie Ade haben den Pavillo
Die Architekturstudenten Veronika Kazmeier (v. l.), Philipp Wild, Tim Veile, Antonios Antoniadis, Natalie Ade haben den Pavillon gebaut. (Foto: Hochschule Biberach)
Schwäbische Zeitung

Begeben wir uns auf eine Reise in die Zukunft, konkret in das Jahr 4589. Was werden Lebewesen, die dann die Erde bevölkern, von uns Menschen finden? Auf dem Biberacher Campus werden es vielleicht Überreste eines kleinen Museumsbaus sein, den eine Gruppe von Architekturstudierenden entworfen und geplant hat. Und den sie in diesen Tagen im Innenhof am Campus Stadt aufbauen.

Natalie Ade, Antonios Antoniadis, Veronika Kazmeier, Tim Veile und Philipp Wild haben einen puren Holzbau geschaffen, der Raum geben soll: zunächst einer Ausstellung von Studierenden der Münchner Akademie der Künste (Klasse Julian Rosefeldt), die sich eben zu den Artefakten unserer Zeit aus dem Blickwinkel einer fernen Zukunft Gedanken gemacht haben.

Für deren Ausstellung „Strata. Museum für the Age of Penumbra“ haben die Biberacher unter Begleitung ihres Professors Maximilian Rimmel den Ausstellungspavillon geschaffen. „Strata“ betiteln sie auch ihren Bau; der Begriff bedeutet so viel wie Schicht und stellt damit einen Bezug zum Zeitalter „Anthropozän“ her, das entscheidend unter dem Einfluss von uns Menschen steht, also menschengemacht sein wird.

Die Ausstellung wird im Herbst an der Hochschule Biberach zu sehen sein. Den Raum für die Kunstobjekte ihrer Münchner Kommilitonen bauen die fünf angehenden Architekten in den ersten Oktobertagen auf. „Mal sehen, was das Wetter macht“, sagt Natalie Ade. Die Ausstellung wird temporär gezeigt – der Pavillon bleibt: „Wir wollten einen Raum schaffen, der flexibel und vielseitig nutzbar ist“, erzählt Antonios Antoniadis. „Und der den Innenhof belebt“, fügt Philipp Wild hinzu. Entsprechend haben die Studierenden Szenarien für verschiedene Nutzungen entworfen: Der Pavillon mit den Maßen 7,80 mal 3,40 mal 4,50 Meter kann Präsentationsraum sein oder Bar, Vorträge können dort stattfinden ebenso wie Podiumsdiskussionen. Bei gutem Wetter wird der Pavillon zur Bühne, die Zuschauer nehmen davor Platz.

Die Gruppe von Bachelor- und Masterstudenten zeigt etliche Zeichnungen in Schwarz-Weiß, in denen sie aus der Vogelperspektive die verschiedenen Nutzungen dargestellt haben. Dabei hat sie nicht nur die Bedürfnisse des eigenen Studiengangs berücksichtigt, sondern die der gesamten Hochschule. „Wir wünschen uns, dass alle HBC-Bereiche und -Gruppen den Pavillon bespielen“, sagt Tim Veile.

Wie sind sie auf die Idee gekommen? „Unser Bau musste einfach auf- und abzubauen sein“, berichtet Antoniadis. Denn die Arbeiten der Kunstklasse wurden zunächst in München präsentiert. Dafür stellten die Biberacher ihren Musemsbau in die Räumlichkeiten der Akademie. Ein Raum im Raum, der die Objekte in ein spannungsvolles Dunkel hüllte, lediglich beleuchtet durch vereinzelte Lichtquellen. „Sehr wirkungsvoll“, zeigt sich Natalie Ade noch immer beeindruckt. Ende September wurde abgebaut, verladen und der in Einzelteile zerlegte Anthropozän-Pavillon per Lastwagen nach Biberach transportiert.

Möglich ist diese flexible Nutzung durch ein Stecksystem aus Holzplatten, das die Studierenden entwickelt haben. „Simpel und mit architektonischer Aussagekraft“, resümiert Philipp Wild. Schaltafeln – zur Verfügung gestellt von Peri Weißenhorn – montieren sie dafür so, dass die Konstruktion in sich stabil steht. Verstärkt wird die Statik durch Schrauben, weitere Hilfsmittel kommen nicht zum Einsatz. Der Entwurf sollte dem Material entsprechen, „die Konstruktion bleibt bewusst sichtbar“, so Kazmeier.

Wirkung durch Zurückhaltung

Dabei stellt der Pavillon zunächst einen geschlossenen Raum dar; sollen Tür und Fenster geöffnet werden, werden die Tafeln aufgeschoben. Wie Lamellen, die den wechselseitigen Blick zwischen Innen und Außen freigeben. „So entsteht ein fließender Raum, der sich zurücknimmt und gerade dadurch seine Wirkung entfaltet“, sagt Wild. Diese architektonische Haltung zu erarbeiten, beschreiben die Biberacher Architekten als lehrreichen Prozess mit den Münchner Künstlern: Was braucht Kunst? Was will Architektur?

Die Schaltafeln sind aus hellem Holz und werden unbehandelt verbaut. „Mit der Zeit werden die Tafeln verwittern und eine silberne, ungleichmäßige Patina entwickeln“, vermutet Veronika Kazmeier. Eine Transformation, in die die Studierenden bewusst nicht eingreifen – ein Statement im Zeitalter des Anthropozäns.

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