Ein künstlerischer Ritt von der Achalm nach Rot an der Rot

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Der Zyklus „Osterritt“ von HAP Grieshaber ist im Biberacher Museum zu sehen.
Der Zyklus „Osterritt“ von HAP Grieshaber ist im Biberacher Museum zu sehen. (Foto: Körner-Armbruster)
Angela M. Körner-Armbruster

Das Biberacher Museum lockt mit HAP Grieshabers „Osterritt“. Ein Zyklus, der in Jahreszeit und Region passt und nachdenklich macht. Er entstand, als der Grafiker 1963 zu Ostern auf seiner Islandstute Sveina von der Achalm in seinen Geburtsort Rot an der Rot ritt.

„Seit ich mich mit HAP Grieshaber und seiner Kunst beschäftige und mit Menschen rede, die Grieshaber persönlich kannten, habe ich immer mehr das Gefühl, dass die Menschen, die seine Bilder mögen, seine Person dabei sehen und das Verknüpfte den eigentlichen Reiz ausmacht und das Verständnis weckt.“ Es ist ein langer Satz, den Ralf Gottschlich vom Reutlinger Kunstmuseum da spricht und er hat wohl recht damit.

Wer HAP Grieshaber nicht kannte, sieht nur reduzierte, formenhafte, schlichte Drucke vor sich. Denkt an Picasso, meint „Dahingekritzeltes“ vor sich zu haben. Wer ihn kannte, sieht die Wegstrecke zwischen Achalm und Rot vor dem geistigen Auge. Der Wissende erkennt den Braunton der Alberde, das Grau der Versteinerungen und Wacholder und Schlehen fügen sich wie von selbst hinzu.

Die Vernissagenbesucher entdeckten die angebotene Schau als Ganzheit. Zuerst ein Blick auf die 39 Drucke, manches mal mit belustigtem Mundwinkel. Dann die Titel, schließlich ausführlich die Texte. Ohne sie erschließt sich nichts. Ehefrau Riccarda Gohr-Grieshaber, die ihr darstellerisches Wirken zu HAPs Gunsten aufgab, macht in erzählerischer Eindringlichkeit die gerittene Strecke für den Besucher erlebbar.

Gefällig und schmeichelnd sind die Werke des HAP Grieshaber nicht und es ist gut, dass im Museumskabinett der Ritt als Ganzes zu bestaunen ist. Die Texte machen die plattgedruckte Landschaft dreidimensional. So versteht der Betrachter, weshalb die recht uncharmant dargestellten Sießener Franziskanerinnen ihre Bücher wie eine Monstranz tragen.

Ein Mythos zu Lebzeiten

HAP Grieshaber. Schon zu Lebzeiten ein Mythos. Ein Schwabe, der sein Haus mit eigenen Händen erbaute, der Tiere um sich brauchte. Ein dominanter und unterhaltsamer, ein anspruchsvoller und anstrengender Mensch. Ein gebeutelter und zäher, ein Kauz und Reisender. Einer, der griechische Sagen und das politische Deutschland mit dem oberschwäbischen Barock und seiner Glaubenswelt verband. Einer, der im Kantigen, Reduzierten unvermutet eine Prise Heiterkeit entstehen lassen konnte. Dies geschah zwar selten, aber es lohnt sich, sie zu entdecken.

„Im Holz fand ich den fruchtbaren Widerstand, der Maß und Welt zurückgewinnen sollte,“ sagte er. Aus dem Holz holt er seinen geliebten Pan und sein schwäbisch-räser Humor macht die Islandstute zur Rosinante und ihn zum Don Quijote und alles zusammen erzählt von einem kraftvollen Holzschneider und seiner unverbrüchlichen Liebe zur Region.

Wer die 39 Holzschnitte bis zum 16. Juni im Museumskabinett erlebt, muss sie sich alleine erschließen. Bei der Vernissage halfen Ulrich Degreif und Ralf Gottschlich bei dieser Entdeckungsreise ins Leben eines großen Künstlers. Sie ehrten Grieshabers schöpferische Kraft in Worten, Emma Riemer und Bernd Geser musikalisch mit Violine und Euphonium.

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