Ein Feuerwerk an Wortwitz und Pointen

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Michael Altinger
Michael Altinger (Foto: PR)
Gerhard Trüg

Gleich beim Hereinkommen verbreitete der Kabarettist Michael Altinger am Samstagabend in der Stadthalle gute Laune. Zu den Keyboardklängen seines Musikers Martin rief er gleich mehrfach „wunderbar, wunderbar, mehr Zuschauer sind hier als beim FC Bayern München in der Allianz-Arena“. Doch gleich kam ein Wermutstropfen in die ausgelassene Stimmung, weil er bedauerte, dass er lange Zeit sehr, sehr jung gewesen sei, nun aber alt wäre. Bedauernde Oh-Rufe aus dem Publikum munterten ihn wieder auf.

Sein Lieblingsthema bei seinem neuen Programm „Schlaglicht“ war der Hype um das Thema Grillen. Herrlich parodierte er immer wieder die Situationen beim Grillabend in seinem eigenen Garten. Immer wieder beim Erzählen öffnete er die Tür – Martin musste Geräusche machen – zu seinem Garten und kommentierte das dortige Geschehen. Wortreich und mit viel Emphase demonstrierte Altinger sein echtes Mann-Sein als Grillmeister vom alten Schlag. „Mit nacktem Oberkörper steh ich beim Grillen und zünde die Holzkohle nur mit alten Zeitungen an, die letzte Zeitung berichtete über den Reichstagsbrand.“ Und natürlich bläst er selbst in die Glut, „bis ich in Ohnmacht falle“. Selbstverständlich verwendet er nur Fleisch vom Metzger seines Vertrauens, zu dem er mit seinem alten Diesel kilometerweit fährt. Aber: „Das Fleisch ist Bio, die Tiere werden artgerecht gehalten und in den Tod gestreichelt.“

Immer wieder streute Altinger, zusammen mit seinem Musiker Martin, selbstverfasste und selbst gesungene Lieder ein, die die Wortsalven unterbrachen, und so Abwechslung und Selbstreflexion zeigten, zum Beispiel beim schön vorgetragenen Lied „Bald bin i alt“. Auch sein Alleinsein – seine Frau ist nicht da und die Kinder sind aus dem Haus – thematisiert er mit dem „Lied für meine Frau weil ich sie so sehr vermisse“. Die Angst vor dem Neuen und den Wandel der Anschauungen zeigte Altinger am Beispiel seiner Eltern, die heute ausschließlich Bayern 1 hören und die Lieder mitsingen, die früher als „Musik von Drogensüchtigen“ verurteilt wurden. Auch den heutigen Fitnesswahn nahm er aufs Korn. In aufrechter Haltung parodierte er seinen Freund Pauli, ebenfalls zum Grillabend eingeladen, wie der dreimal täglich die „Planke“ macht, also Liegestützen im Unterarmstand.

Natürlich, so kalauerte er weiter, gibt es am Grillabend in Strunzenöd nur bayerischen Kartoffelsalat, mit wenigen essentiellen Zutaten, nicht irgendein Gemisch, das mit 97 Thesen à la Schubeck angepriesen wird und letztlich einen Kartoffelanteil von unter zehn Prozent hat.

Auch unsere Wegwerfgesellschaft und das Warenüberangebot bekommen ihr Fett ab. Wunderbar seine Parodie vom Schuhmachermeister, der einen Stundenlohn von 90 Euro hat und der ihm wegen eines gerissenen Schuhbändels gleich neue Schuhe aufschwatzen will, oder das Beispiel vom Überangebot auch bei Parteien, das so groß ist, dass die „Wahlzettel länger sind als eine Klorolle“.

Altingers Bühnenshow ist durch sein engagiertes Auftreten immer interessant und mitreißend. Viel Freude und Begeisterung löste er mit der Nachahmung seiner versnobten Bekannten Silezky aus, deren Oberflächlichkeit er mit Schmusemund und Klischees trefflich parodierte. Herrlich mit anzusehen war auch die Parodie über das Fremdschämen der reichen „Damen vom Starnberger See“.

Die reduzierte Anzahl der Zuhörer gab kräftig Applaus und forderte eine Zugabe, der Altinger, zusammen mit Martin, mit dem Lied „Manchmal ist es wichtig, dass man a richtige Gaudi hat“ entsprach.

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