Ein Begegnungsort im Herzen der Stadt

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Nenpup Suwa (am Mikrofon) und Amina Stiptic singen gemeinsam mit den Gästen im Flüchtlingstreff in Biberach.
(Foto: Tanja Bosch)
Tanja Bosch

Schöner hätte die Einweihung des Flüchtlingstreffs der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von Caritas und Diakonie im Landkreis Biberach nicht sein können. Rund 80 Menschen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlicher Konfession haben sich in den Räumen in der Waaghausstraße 6 getroffen, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen für die Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen. „Wir wollen sie im Herzen der Stadt willkommen heißen“, sagte Oberbürgermeister Norbert Zeidler. „Wir wollen sie herzlich empfangen und uns gegenseitig kennenlernen.“

Denn im Flüchtlingstreff sollen nicht nur Flüchtlinge eine Anlaufstelle haben, es sollen auch die Bürger mit den Menschen aus anderen Ländern in Kontakt kommen, ihnen begegnen und möglicherweise auch Ängste abbauen. „Wir stehen vor einer der größten Herausforderungen der letzten Jahre“, sagte Pfarrer Matthias Ströhle, einer der Verantwortlichen der ökumenischen Flüchtlingsarbeit. „Wir können hier viel bewirken, unsere Arbeit hat große Bedeutung.“

Veränderung braucht Begegnung

„Der Blick über den Tellerrand hinaus ist sehr wichtig“, sagte Pfarrer Peter Schmogro. „Wenn jeder nur in seinem Millieu steckt, dann kommt es zu nichts, zu keiner Veränderung, deshalb braucht es Begegnung.“ Er wünscht sich, dass sich im Flüchtlingstreff Menschen begegnen, einander zuhören und auch voneinander lernen.

Die Räume in Biberach haben die Verantwortlichen der ökumenischen Flüchtlingsarbeit von der Katholischen Kirche Biberach bekommen. „Es soll ein Raum für Leben sein, ganz nach dem Motto ,Living Room’. Ich wünsche mir, dass hier schnell ganz viel Leben ist“, sagte Pfarrer Kaspar Baumgärtner und weihte die Räume.

Nach der Eröffnung zu urteilen, dürfte sich dieser Wunsch wohl erfüllen. Dicht gedrängt standen die rund 80 Gäste im neuen Flüchtlingstreff und auch draußen vor der Tür, sangen gemeinsam, klatschten im Takt und lauschten kurzen Redebeiträgen. Andreas Gratz von der ökumenischen Flüchtlingsarbeit spielte Gitarre und wurde von Pfarrvikar Paul Oedeme und Ola Adigun auf Congas begleitet. Nenpup Suwa und Amina Stiptic sorgten für den passenden Gesang.

Peter Grundler, Regionalleiter der Caritas Biberach-Saulgau, bemerkte, dass die Räume jetzt schon zu klein seien: „Wir müssen neue Räume suchen.“ Auch wenn er das eher im Scherz sagte, sind doch wahre Worte dran, denn auch für die Flüchtlingsunterbringung sind Räume derzeit ein wichtiges Thema und Mangelware. Besonders glücklich ist Peter Grundler über die Gemeinschaftsaktion der evangelischen und katholischen Kirche, die vielen ehrenamtlich Helfer nicht zu vergessen, „denn ohne die würde es bei uns nicht so gut laufen, wie es momentan der Fall ist“.

Von Oberbürgermeister Norbert Zeidler gab es zur Eröffnung ganz traditionell Salz und Brot: „Dieser Brotkorb ist auch interkulturell“, erklärte er. „Der Korb stammt aus Ägypten, das Tuch aus Indien, das Salz aus Portugal und das Brot aus Äpfingen.“ 2000 Euro von der Stadt Biberach legte er noch obendrauf.

Wann der Biberacher Flüchtlingstreff künftig geöffnet hat, weiß Andreas Gratz noch nicht genau: „Wir haben die Räume jetzt soweit fertig, es fehlen noch Möbel und dann können wir eigentlich starten.“ Geplant sind neben vielen Veranstaltungen, ein Patencafé, ein Treffpunkt für Musiker, Kinderbetreuung und vielleicht auch eine offene Sprechstunde.

Weitere Infos im Internet unter

www.asyl-bc.de

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