Dramatischer Verein spielt temporeich Komödienklassiker um mordende alten Damen

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 Anke Leidig (v. l.) als Abby, Volker Angebauter als Jonathan Emin Ahmeti als Dr. Einstein und Dominik Kern als Mortimer im Komö
Anke Leidig (v. l.) als Abby, Volker Angebauter als Jonathan Emin Ahmeti als Dr. Einstein und Dominik Kern als Mortimer im Komödienklassiker „Arsen und Spitzenhäubchen“. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 4., Sonntag, 5., Freitag, 10., Samstag 11., Freitag 17. und Samstag, 18. Januar, jeweils um 19.30 in der Stadthalle. Tickets gibt es beim Kartenservice im Rathaus Biberach.

„Arsen und Spitzenhäubchen“ ist eine der erfolgreichsten Komödien aller Zeiten. Der „Dramatischen Verein“ hat diesen Klassiker des Schwarzen Humors an Silvester auf die Bühne gebracht. Unter Thomas Laengerers einfallsreicher Regie boten die Darsteller ein sehr gelungenes Silvesterstück.

Familie kann die Hölle sein, vor allem, wenn einige davon nicht richtig im Kopf sind. Joseph Kesselrings Komödie handelt von einer solchen Familie in Brooklyn. Unter Thomas Laengerers Regie sieht man die beiden reizenden alten Damen Abby (Anke Leidig) und Martha (Johanna Schurer), Brewster, ihren seelisch, naja, sagen wir desorientierten Neffen Teddy (Günther Bilsky), einen weiteren Neffen Mortimer (Dominik Kern), seines Zeichens Theaterkritiker. Dazu noch einen Neffen Jonathan (Volker Angenbauer), von Beruf Mörder, dessen Kumpan Dr. Einstein (Emin Ahmeti), dann noch den Dorfpfarrer Dr. Harper (Holger Adler) mit Tochter Elaine (Ayla Laengerer) und drei Polizisten (Joa Knorr, Franzi Schönheit, Sebastian Wissel).

Horrors im biederen Gewand

Die Handlung dieses Klassikers des Schwarzen Humors besteht wesentlich darin, dass verschiedene Leute versuchen, Leichen durch ein Haus zu manövrieren. Und es sind die Spitzenhäubchen, die den Zuschauer amüsiert das Fürchten lehren. Denn das Gruselige sind nicht die Mordtaten, sondern die kaum überbietbare Normalität und Biederkeit der Täterinnen, der Horror der kleinbürgerlichen Überschaubarkeit. Denn Abby und Martha Brewster, die liebenswürdigen Tanten der drei Neffen, haben nicht nur ihre kleinen, fein gehüteten Geheimnisse, sondern tatsächlich zwölf Leichen im Keller. Die liebenswürdigen Ladies vergiften nämlich aus Barmherzigkeit einsame alte Männer, mit einer Mischung aus Wein und Arsen, Strychnin, Zyankali, wie Martha genüsslich erläutert, um sie „Gott näher zu bringen“. Begraben werden sie im Keller von Neffe Teddy.

Neffe Mortimer erzählt den Tanten, dass er seiner Liebsten Elaine einen Heiratsantrag gemacht hat. Die sind außer sich vor Freude. Selbst Teddy, Mortimers geisteskranker Bruder, der sich für Präsident Roosevelt hält, unterbricht für einen Moment die Ausschachtung seines Panamakanals im Keller. Dann aber entdeckt Mortimer eine Leiche in der Truhe; seine heile Welt gerät ins Wanken. Seine Tanten Mörderinnen? Schlimmer noch, die Schwestern versuchen nicht einmal, ihre Tat zu verbergen. Stolz erzählen sie von ihrem Hobby, einsame ältere Herren von ihrer irdischen Malaise zu befreien und von Teddy im Keller begraben zu lassen. Abby: „Es handelt sich hier um unsere Wohltätigkeiten! Heute haben wir das Dutzend voll gemacht.“ Und plötzlich steht der steckbrieflich gesuchte Bruder Jonathan vor der Tür, das schwarze Schaf der Familie, ein polizeilich gesuchter Serienmörder. Im Gepäck führt er natürlich eine Leiche mit und im Schlepptau hat er seinen „Berufskollegen“ Dr. Einstein, der Jonathan operativ in „Frankensteins Monster“ verwandelt hat.

Im Finale dreht die Geschichte derartig hoch, dass man das ganze Ensemble am liebsten in eine Klapsmühle einweisen würde. Doch gerade dieser Irrsinn macht den unvergleichlichen Charme des Komödien-Klassikers aus. Alle Brewsters sind auf ihre spezifische Weise geisteskrank. Außer Mortimer, er war als Kind adoptiert worden, kann also die psychopathischen Familiengene nicht geerbt haben.

Roland Boehm, Martin Geyer, Rolf Richie Golz und Peter Barth spielen eine fetzige Musik, zumeist von Fats Domino und Herbie Hancock. Sie waren großartig im Bühnenbild integriert. Das Bühnenbild haben Studenten der Hochschule unter Leitung von Professor Raphael Haefeli und Selina Pourger erstellt. Der Basisbau ist rechts und links je ein hohes helles Holzgerüst, bespannt mit halb transparenter Gaze, imaginiert Keller und Eingang. Assoziationen an Japan. Cool. Für die zum Stück fein passenden Kostüme zeichnen Andrea Lintner-Fimpel und Johanna Schurer verantwortlich.

Die Darsteller setzen Thomas Laengerers einfallsreiche Regie mit Tempo, spielerischem Impetus, gut prononcierter Verbal- und üppiger Körpersprache um. Das geneigte Premierenpublikum dankte mit großem Applaus für die guten Leistungen aller und für ein sehr gelungenes Silvesterstück.

Geben wir Abby Brewster das Schlusswort, die über den Theaterkritiker-Beruf ihres Neffen Mortimer sagt: „Naja, einer muss es halt machen.“

Weitere Vorstellungen sind am Samstag, 4., Sonntag, 5., Freitag, 10., Samstag 11., Freitag 17. und Samstag, 18. Januar, jeweils um 19.30 in der Stadthalle. Tickets gibt es beim Kartenservice im Rathaus Biberach.

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