Dramatischer Verein feiert Premierenerfolg

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Bettina Maigler und Volker Angenbauer
Bettina Maigler und Volker Angenbauer (Foto: Schönecker)
Helmut Schönecker

Der Mann leidet an der „Krankheit Tod“. Er ist ein lebender Gefühlsleichnam auf der qualvollen Suche nach dem echten Leben, der letztlich vergeblichen Suche nach der echten Liebe. Diese versucht er in einem Experiment, in einem Zimmer am Meer, mit einer bezahlten Probandin zu finden. Der Dramatische Verein (Dram) hat mit Marguerite Duras’ „Die Krankheit Tod“ Premiere gefeiert.

Bereits die Versuchsanordnung legt das Scheitern des Experiments nahe, die Bezahlung degradiert die Frau zum bloßen Objekt. Dass sie in das Arrangement einwilligt, macht sie zur Komplizin ihrer eigenen Entwürdigung. Das Ende ist vorherbestimmt und vorhersehbar, schöner Schein ersetzt wahres Sein.

Den unterkühlten Fatalismus hinter dieser von Peter Handke ins Deutsche übertragenen Geschichte von Marguerite Duras, der Liebe eher als einen „Riss in der Logik des Universums“ betrachtet, machten sich die Akteure des Dramatischen Vereins nicht völlig zu Eigen. Dass der Regisseur Thomas Laengerer in seiner Umsetzung des Sujets als szenische Lesung zwischen der Rolle des von ihm selbst verkörperten, distanzierten Sprechers und Souffleurs hin und her wechselte, die Schauspieler hinter einem Gazevorhang vor einer luftigen Kulisse aus halbtransparenten Vorhängen agieren ließ und das Publikum im durchaus ordentlich besuchten Komödienhaus am Ende der Premiere gar zum Gespräch über das Stück animierte, betonte den Werkstattcharakter der Aufführung.

Diese Einladung zur Auseinandersetzung mit dem Stück über die großen Fragen des Menschseins würdigte etwa auch eine Besucherin, die bereits von den knappen Informationen auf dem Flyer zum Besuch der Vorstellung ermuntert wurde. Nicht nur für sie hat sich die Entscheidung gelohnt.

Bettina Maigler glänzt fast wortlos

Das immer wieder von bewussten Brüchen durchzogene Spiel der beiden Hauptdarsteller, der meist unterkühlt in makelloser Unberührbarkeit und fast wortlos glänzenden Bettina Maigler und des in dandyhafter Arroganz in distanzierter Vertraulichkeit das Objekt seiner begehrenden Liebe ziellos umkreisenden Volker Angenbauer, spiegelte eindrucksvoll die geschlechterspezifische innere Auseinandersetzung mit der Liebe.

Die charakterliche Zeichnung des von der „Krankheit Tod“ befallenen Mannes, die Darstellung von dessen quälender Angst vor der eigenen emotionalen Leere und Liebesunfähigkeit, geriet dabei etwas weniger scharf als die der rundum überzeugenden weiblichen Hauptdarstellerin. Bettina Maigler gelang es noch im lasziven Spiel und in stöhnender Ekstase, die innere Distanz und damit die mysteriöse Doppeldeutigkeit der Rolle zu wahren. Die erotische Direktheit des Stücks war beim neutralen, vielleicht gar lakonischen Sprecher bestens aufgehoben. Laengerer fand auch hier das richtige Maß.

Überhaupt war es die von Thomas Laengerer intendierte doppelte Brechung, das Experiment mit dem Experiment der literarischen Vorlage, welche deren etwas konstruiert wirkenden Inhalt schließlich als leeres intellektuelles Spiel entlarvte und dem Theaterspiel Überzeugungskraft und Würde zurückgab. Diesem Werkstattcharakter ist es auch zu verdanken, dass aus der verquasten Vorlage mehr wurde als ein bloßes Lehrstück fürs Theater. Laengerer schlug mit der „Dram-Werkstatt“ eine Brücke zum richtigen Leben.

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