Dieses Projekt stellt die zukünftige biologische Vielfalt sicher

Lesedauer: 5 Min
 Freuen sich über die Auszeichnung (v. r.): Franz Völk, Claudia Klausner, Kürnbachs Museumsleiter Jürgen Kniep, Elisabeth Wiest
Freuen sich über die Auszeichnung (v. r.): Franz Völk, Claudia Klausner, Kürnbachs Museumsleiter Jürgen Kniep, Elisabeth Wiest und Hans Peter Hannak (alle vom Netzwerk Fachwarte). (Foto: Laura Hummler)

Eine Jury der UN-Dekade Biologische Vielfalt hat das Netzwerk der Fachwarte und Baumwarte im Landkreis Biberach ausgezeichnet. Die Mitglieder des Netzwerkes nahmen am Wochenende im Museumsdorf Kürnbach voller Stolz die Auszeichnung entgegen.

Ziel der UN-Dekade Biologische Vielfalt ist es, möglichst viele Menschen für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität zu begeistern. Am Ende des Jahrzehnts sollen mehr Menschen wissen, was biologische Vielfalt ist, warum sie so wichtig ist und wie jeder etwas dazu beitragen kann, sie zu erhalten. Die biologische Vielfalt nimmt weltweit und auch in Deutschland stark ab. Um diesen überwiegend durch menschliches Handeln bedingten Rückgang aufzuhalten, haben die Vereinten Nationen das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen.

Projekt läuft seit fast einem Jahr

Das ausgezeichnete Projekt läuft bereits seit einem knappen Jahr (SZ berichtete). Die Idee dazu hatte Claudia Klausner. Die Vorsitzende des Netzwerks arbeitet bereits seit Jahren mit der Fruchtsaftkelterei Bentele in Steinhausen-Englisweiler zusammen. Klausner übernimmt für die Kelterei die Erntevoreinschätzung. „Bei der Sichtung der Bäume rund um Steinhausen ist mir aufgefallen, dass 80 Prozent der Bäume alt sind“, erinnert sie sich. Sie habe daraufhin das Gespräch mit Thomas Bentele, dem Besitzer der Fruchtsaftkelterei, gesucht. „Ich habe ihm klar gemacht, dass wenn wir jetzt nicht etwas unternehmen, es in 20 Jahren keine Bäume mehr gibt, die genügend abwerfen, um daraus Saft zu machen“, erklärt die Fachwartin.

Ein Obstbaum gilt dann als alt oder abgängig, wenn aufgrund des Alters oder mangelnder Pflege die Baumkrone immer kleiner wird oder stagniert. „Der Baum trägt dann zwar noch Früchte, diese sind aber meist sehr klein und minderwertig“, so Klausner. Ein Obstbaum müsse regelmäßig und fachgerecht geschnitten werden, damit er sich verjünge. Ansonsten werde das Holz spröde und breche. Vor allem in diesem Jahr, in dem es überall eine reiche Ernte gegeben habe, seien überall im Landkreis aus diesem Grund Äste an Apfel- und anderen Obstbäumen abgebrochen.

Regelmäßige Schulungen

Um diese Entwicklung aufzuhalten, hat Klausner das Projekt „100 Bäume für die Zukunft“ ins Leben gerufen. Sie nahm Kontakt zu Besitzern von Streuobstwiesen rund um Steinhausen auf, die Interesse hatten, ihren Bestand zu verjüngen. Sie alle verpflichteten sich im Vorfeld, die nächsten acht Jahre regelmäßig an einem Baumpflege- und schnittkurs teilzunehmen. Die Bäume wurden zum Teil aus dem Erlös der Adventskalenderaktion der Kreissparkasse Biberach gekauft, einen Teil mussten die neuen Besitzer selbst zahlen. Um dem Jungbaum gegen Schädlinge zu schützen, übergaben die Fachwarte außerdem noch Wühlmauskörbe, Pfähle, Bindematerial, Verbissschutz und Spezialdünger. Gepflanzt wurden verschiedene robuste Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Walnussbäume.

Einmal im Jahr treffen sich die Streuobstbesitzer nun, um gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Bäume fachgerecht geschnitten und gepflegt werden. Diese Nachhaltigkeit war ein Kriterium, warum das Projekt nun ausgezeichnet wurde. „Die ökologische Vielfalt zu erhalten, ist das oberste Zeil der UN-Dekade Biologische Vielfalt, auszeichnet werden aber nur Projekte, die wirklich neue Ideen entwickelt haben, die andere auch nachahmen können“, sagt Klausner. Sie freut sich, das ihre Idee auf so viel Zustimmung trifft. Die offizielle Verleihung fand am Wochenende im Museumsdorf Kürnbach auf dem Herbstmarkt statt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen