Die Partnersuche kann beginnen

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Die Partnersuche kann beginnen (Foto: warnack)

Einstimming und ohne Diskussion oder Kritik haben die Kreistagsfraktionen gestern das sogenannte Strukturierte Bieterverfahren für die Kreiskliniken Biberach auf den Weg gebracht. Ab Montag wird die Unternehmensberatung PwC, die Kreisverwaltung und die Kliniken-Geschäftsführung das Bieterverfahren offiziell eröffnen. Für Anbieter wie Bieter stehen nun viereinhalb intensive Monate ins Haus: Am 14. Dezember soll das Verfahren dann beendet sein und der Kreistag einen strategischen Partner für die Kreiskliniken Biberach GmbH in öffentlicher Sitzung bestimmen – und dieser sollte möglichst ein Angebot für alle drei Klinik-Standorte abgeben, hieß es gestern durch die Bank.

„Wenn am Ende des Tages sich zeigt, dass ein Drei-Standort-Modell die beste medizinische Versorgung bei vertretbaren wirtschaftlichen Ergebnissen bietet, dann haben Sie in mir einen Fürsprecher für dieses Modell. Dezentralität kann nicht nur bei der Diskussion für die Rettungsleitstelle gefordert werden. Wir müssen die Dezentralität auch bei unseren ureigenen Aufgaben, die wir ohne einen Dritten bewältigen können, leben und beweisen“, betonte Landrat Dr. Heiko Schmid gestern. Am 15. Mai hatte der Kreistag entschieden, ein strukturiertes Bieterverfahren zur Suche eines strategischen Partners für die Kliniken einzuleiten. Wie berichtet, haben zehn Interessenten sich gemeldet. Jetzt sollen diese im nächsten Schritt bis Ende August ein „indikatives Angebot“, also ein erstes unverbindliches Angebot, abgeben. Die Kreistagsfraktionen hofften gestern, dass möglichst alle zehn Bieter auch in die danach folgende Datenraumphase einsteigen dürfen (darüber entscheidet der Lenkungsausschuss) und am Ende möglichst viele Bieter gewillt sind, bindende Angebote abzugeben. „Ich würde deshalb lieber von einem Bieterwettbewerb sprechen. Wir erhoffen uns, einen Wettbewerb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, um möglichst gute Angebote zu erhalten. Die Bieter müssen sich hoffentlich richtig anstrengen“, sagte Dirk Drigalla von PwC.

Nicht nur Landrat Schmid war es noch einmal wichtig zu betonen, dass alle Bieter in dem Verfahren die gleichen Chancen bekommen würden. „Ich persönlich, und das habe ich auch schon mehrfach betont, räume allen Angeboten eine faire Chance ein. Ein Bieter für ein Drei-Standort-Modell hat weder einen Bonus noch einen Malus in dem Verfahren“, so der Landrat. Die Bieter sind nun aufgefordert, zum künftigen medizinischen Konzept, zum Personalkonzept und zum organisatorischen Konzept Stellung zu nehmen. „Es geht in den Eckpunkten ganz wesentlich auch um die Rechte der Arbeitnehmer, insbesondere um Kündigungsschutz, Tarifbindung und Altersversorgung sowie Forderungen der Mitarbeiterschaft, die ich gerne aufnehme und mir zu eigen mache“, sagte Schmid in der gestrigen Sitzung weiter, die von einigen interessierten Bürgern verfolgt wurde.

In der so genannten Datenraumphase muss der Landkreis bzw. die Kreiskliniken GmbH alles an Verträgen, Abschlüssen und Statistiken in einem virtuellen Datenraum, zu dem nur die Bieter Zugang bekommen, die sich für diese Runde qualifizieren, offenlegen. Manche sagen, da müsse die Kreiskliniken GmbH die Hosen runter lassen. In dieser Datenraumphase werden aber auch Vorschläge, Konzepte und Ideen für die beiden kleineren Standorte Laupheim und Riedlingen explizit aufgeführt, damit sich die Bieter auch vom Zustand der kleineren Häuser ein konkretes Bild machen können. Hier fließen auch die Ideen beispielsweise der Laupheimer Ärzteschaft ein.

Vor Weihnachten geht's dann ans Eingemachte: „Ganz bewusst sage ich, dass es sich auch um eine politische Entscheidung handelt, bei der Sie, die Mitglieder des Kreistages, einen schwierigen Abwägungsprozess vornehmen müssen. Das wird nicht leicht, das habe ich bereits mehrfach bei den Beratungen im Kreistag betont“, so Schmid.

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