Die Natur ist ihr Lern- und Spielort

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Sie hoffen auf Unterstützung für die „Waldbiber“: (v. l.) Petra Sontheimer und Andrew Jones vom Kinergartenteam, Roswitha Erasmy
Sie hoffen auf Unterstützung für die „Waldbiber“: (v. l.) Petra Sontheimer und Andrew Jones vom Kinergartenteam, Roswitha Erasmy und Anna Schaut vom Trägerverein, Dietmar Patent und Albert Ederle von der Volksbank Ulm-Biberach, die sich um die Crowdfunding-Aktion kümmern, sowie Michaela Rieber vom Trägerverein. (Foto: Mägerle)
Redaktionsleiter

Weitere Infos zu den „Waldbibern“ gibt es unter www.waldkindergarten-biberach.de

Die „Waldbiber“ sind der jüngste Spross in der inzwischen vielfältigen Biberacher Kindergartenlandschaft. Auf einem Feld am Waldrand beim Hochstetterhof in Mettenberg hat der Waldkindergarten Anfang September seinen Betrieb aufgenommen. Für wichtige Anschaffungen hat der Trägerverein des Waldkindergartens mit der Volksbank Ulm-Biberach nun eine Crowdfunding -Aktion gestartet (siehe unten).

Mit einem kleinen Hammer knacken zwei kleine Mädchen die selbst gesammelten Nüsse. Nebenan sägt ein Junge mit einer Minisäge gerade einen Ast durch. Ein frischer Wind weht an diesem Morgen über die freie Fläche beim Hochstetter Hof. Während die Erwachsenen etwas frösteln, scheint den Kindern das Wetter nichts auszumachen. Sie sind warm angezogen, immer in Bewegung und größtenteils in ihr Spiel versunken.

Acht Kinder sind es mittlerweile, die täglich den Waldkindergarten „Waldbiber“ besuchen. Der Kindergarten, das ist von außen betrachtet ein Bauwagen, ein Tipi-Zelt, ein großer Sandkasten, mehrere Hochbeete und viele kleine Hocker aus zersägten Baumstämmen. Die Eltern haben dies im Sommer in Eigenleistung geschaffen. Für 20 Kinder ist der Waldkindergarten ausgelegt, diese Zahl soll im nächsten Jahr erreicht sein.

Erst im Februar haben Eltern den Trägerverein gegründet und in den vergangenen Monaten bereits viel bewegt. „Wir sind alle sehr am Konzept eines Waldkindergartens interessiert und weil es das in der Stadt Biberach bislang nicht gab, haben wir aus der Not eine Tugend gemacht, und einen gegründet“, sagt die Vereinsvorsitzende Anna Schaut. Die Stadtverwaltung habe das mit viel Wohlwollen begleitet und mit Unterstützung des Hochstetterhofs bei Mettenberg sei auch das passende Gelände an einem Waldrand schnell gefunden worden.

Nähe zum Bauernhof ideal

Mit Hilfe des städtischen Forstamts sei ein Waldbereich gefunden worden, der bewirtschaftet wird und daher sicher ist, „so dass die Kinder dort regelmäßig in den Wald gehen können“, sagt Michaela Rieber, die Spendenbauftragte des Vereins. Die Nähe zum Hochstetterhof mit seinen Tieren und dem Hofladen sei ideal für das Konzept des Waldkindergartens, sagt die stellvertretende Vorsitzende Roswitha Erasmy.

Dieses Konzept sieht vor, dass die Kinder während der täglichen sechsstündigen Öffnungszeit meistens draußen sind – egal, wie das Wetter ist. Montags, mittwochs und freitags werden Wanderungen in den Wald unternommen, dienstags und donnerstags ist die Gruppe an an ihrem Platz rund um den Bauwagen. Dort liegen aber keine Spielsachen wie man sie aus anderen Kindergärten kennt. „Die Natur, die Elemente und was wir mit ihnen erleben, sind unser pädagogisches Konzept“, sagt Andrew Jones, der den Kindergarten leitet – unterstützt von drei Kolleginnen in Teilzeit. Jones, selbst Vater eines Waldkindergarten-Kinds und bislang an einem „normalen“ Kindergarten tätig, ist begeistert von seiner neuen Aufgabe. „Ich bin ein Naturmensch und freue mich auf diese Herausforderung.“

Im Bauwagen nur zum Vespern

Nach den bislang schönen Sommertagen, kommt nun die kältere Jahreszeit. „Das fällt einigen Kindern noch etwas schwer“, sagt Jones. „Aber alle sind warm eingepackt und viel in Bewegung – da friert man nicht“, sagt er. Zum Vespern und auch zum Basteln geht es aber in den Bauwagen, der beheizt werden kann. Momentan ist dieser noch ein provisorisches Modell, den die Firma Schnitzer erhalten hat. Im November soll er durch einen neuen, zehn Meter langen Wagen ersetzt werden. Für dessen Einrichtung braucht es nun Spenden.

Der Waldkindergarten richtet sich an alle Kinder ab drei Jahren, bevorzugt aus dem Biberacher Stadtgebiet. „Wir haben 20 Plätze, danach gibt es eine Warteliste“, sagt Anna Schaut. Sie widerspricht auch Meinungen, der Waldkindergarten sei etwas Elitäres. „Unser Konzept ganz nah an der Natur hat gar nichts Materielles oder Luxuriöses.“ Sie selbst ist überzeugt, dass das den Kindern gut tut. „Ich hole hier nachmittags meinen fünfjährigen Sohn ab, der zwar müde, aber total glücklich ist“, sagt sie.

Dass den Kindern später der Übergang vom Waldkindergarten in die Schule schwer falle, sei durch Studien widerlegt, sagt Andrew Jones. „Die Kinder lernen hier Kompetenzen wie Ausdauer, Geduld, Konfliktlösung und Verantwortung für sich selbst zu tragen. Das kommt ihnen in der Schule zugute.“ Der Waldkindergarten stehe auch in Kontakt mit Grundschulrektoren. In anderen Einrichtungen gebe es extra Wald- oder Forschertage. „Das brauchen wir hier nicht, das lernen die Kinder hier beiläufig“, sagt Jones.

Crowdfunding - So kann man spenden

Mit Unterstützung der Volksbank Ulm-Biberach hat der Waldkindergarten „Waldbiber“ ein sogenanntes Crowdfunding-Projekt gestartet. Ziel ist es, bis kurz vor Weihnachten 5000 Euro an Spenden zu erhalten, um die Innenausstattung des neuen Bauwagens (Tische, Stühle, Garderobe, Schränke und Regale) beschaffen zu können. Für jeden Spender, der mindestens füf Euro spendet, spendet die Volksbank Ulm-Biberach jeweils zehn Euro. Wer spenden will, geht auf die Internetseite www.waldkindergarten-biberach.de und klickt dort auf den Link zur Crowdfunding-Seite der Volksbank Biberach. Dort gibt man seine Daten ein und die Spende wird dann per Bankeinzug abgebucht. Die Angabe der eigenen Bankverbindung ist notwendig, denn sollte die erforderliche Spendensumme bis kurz vor Weihnachten nicht zustande kommen, erhalten alle Spender ihr Geld wieder zurück. Damit dies jedoch nicht passiert, hofft der Waldkindergarten auf eine große Spenderzahl, um die 5000 Euro bald zu erreichen.

Weitere Infos zu den „Waldbibern“ gibt es unter www.waldkindergarten-biberach.de

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